Gericht Pädophiler hat Angst im Knast

Der Kinderschänder Michael C. mit seinem Anwalt Winfried Folda. Foto: Torsten Huber

Der geständige Kinderschänder Michael C. wird in Stadelheim von Mithäftlingen offenbar bedroht. Er hat ein Mädchen (7 Jahre) missbraucht

MÜNCHEN Angeblich hat Michael C. (30) derzeit in seiner Zelle in Stadelheim schlaflose Nächte. Mithäftlinge würden ihm drohen – oder auffordern: „Häng dich doch auf, du Kinderschänder.“ Im Gefängnis hat sich zügig herumgesprochen, dass Michael C. die damals siebenjährige Julia M. (Name geändert) ein Jahr lang schwer sexuell missbraucht hat (AZ berichtete).

 

In der Knast-Hierarchie stehen Kinderschänder ganz unten. Sie werden oft verprügelt, gedemütigt und mit dem Tode bedroht. Aus Sicherheitsgründen werden sie oft anonymisiert in andere Justizvollzugsanstalten verlegt. „Die Situation ist für meinen Mandanten verheerend“, sagt sein Verteidiger Winfried Folda, der zum Prozessauftakt vor dem Landgericht von den Drohungen gegen seinen Mandanten berichtet.

Mit einem schwarzen Notizbuch vor dem Gesicht wird Michael C. von zwei Justizbeamten zur Anklagebank geführt. In einfachen Sätzen schildert er dem Gericht seinen Lebenslauf: „Ich bin in Ost-Berlin aufgewachsen, habe vier Geschwister und bin der Älteste.“ In der Schule tat er sich schwer.

Er wechselte auf eine Förderschule. Nach dem Mauerfall zog die Familie nach Bayern. „Mein Vater ist Anlagetechniker und hat dort eine neue Stelle bekommen.“ Nach der 9. Klasse verließ er die Förderschule. In einer Sozial-Einrichtung wurde er aufs Berufsleben vorbereitet. 1999 machte er seinen Berufsabschluss als Koch.

2000 leistete er bei der Bundeswehr seinen Wehrdienst ab. Danach wurde sein Berufsleben unstet. Er wechselte häufig die Arbeitgeber. Bis zu seiner Festnahme hat er als Produktionshelfer gearbeitet. Seit dem 6. Oktober 2010 sitzt er in U-Haft. Bis zum Prozessauftakt wussten seine Zellen-Nachbarn nichts von seinen Taten.

Michael C. war ein Freund der Familie des Opfers gewesen, hatte auf das Mädchen wiederholt aufgepasst. Im September 2009 ließ er das Mädchen Oralverkehr an sich vornehmen. Die Vorfälle passierten im Elternhaus oder in der Wohnung des Angeklagten. „Das Verhältnis der beiden hat sich spielerisch entwickelt, über Kitzeln und Spaß haben.

Er war für sie wie ein großer Bruder. Die beiden haben sich im Jahr rund 200 Mal gesehen. Dabei kam es zu acht bis zehn Fällen des Missbrauchs,“, erklärte sein Anwalt Folda und sagte weiter: „Er trägt die Verantwortung für das, was passiert ist, zu 100 Prozent.

Er hatte mehrere Beziehungen zu erwachsenen Frauen. Insofern versteht er selbst nicht, wie es zu den pädophilen Präferenzen kam. Er möchte in einer Therapie die Gründe dafür finden.“ Dem Angeklagte droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

 

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