Gericht München: Pfefferspray ins Gesicht

Renata F. (41) soll die Musik zu laut gestellt haben. Nachbarin Angela-Maria M. (69) besprühte sie mit Pfeffersperay. Foto: th

Einer Rentnerin (69) ist die Musik der Nachbarin zu laut. Statt die Polizei zu rufen, greift sie zur Selbstjustiz. Jetzt steht sie wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht

 

München - Normal sei es nicht ihre Art, sich mit Nachbarn zu streiten. „Aber mit dieser Person war es nicht mehr auszuhalten. Ständig drehte sie ihre Stereoanlage nachts so laut auf, dass ich die Polizei rufen musste“, sagt die ehemalige Dolmetscherin Angela-Maria M. (69), die einst bei Modeschöpfer Karl Lagerfeld gearbeitet hat.

Am 12. April 2012, gegen 1 Uhr, geht ihr Kampf gegen die ewige Ruhestörung zu weit: Sie sprüht Nachbarin Renata F. (41) Pfefferspray ins Gesicht. Jetzt steht sie wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Münchner Amtsgericht. Seit 2004 bewohnt die Rentnerin in der Bodenehrstraße in Sendling eine 30-Quadratmeter-Wohnung für 400 Euro. „Ich habe nur eine kleine Rente. Meine ganzen Rücklagen habe ich durch Anlagegeschäfte bei der Bank verloren“, so die Rentnerin. Im November 2009 zieht Renata F. ins Haus.

Seit einem Autounfall mit sechs Jahren ist sie leicht behindert und benötigt eine Gehhilfe. Renata F. zieht in den 3. Stock – genau unter der Wohnung von Angela-Maria M. Die neue Nachbarin liebt die schwedische Popgruppe Abba („Waterloo“) – und hört es angeblich ständig, oft soll sie bis spätabends die Musik voll aufgedreht haben.

Die Angeklagte: „Freundliche Hinweise, danach deutlich strengere Verwarnungen, ergaben kein Resultat. Sie nannte mich alte F...“ Auf einem Zettel notiert die Angeklagte die Polizeieinsätze. In drei Monaten sind es elf. Angeblich habe Renata F. ihre Klingel abgestellt. „Ich musste immer feste klopfen. Einmal ist sie im Lasso-Stil mit ihrem Staubsaugerschlauch auf mich los“, so die Angeklagte.

In der Tatnacht kann M. wegen der lauten Musik wieder nicht schlafen. Sie zieht ihren Bademantel über, geht runter und klopft. Angela-Maria M.: „Als die Tür aufging, schüttete sie eine ätzende Flüssigkeit auf mich, traf mich am Arm. Ich habe dann mein Pfefferspray aus der Tasche gezogen und kurz gesprüht.“

Renata F., die inzwischen dort ausgezogen ist, sagt vor Gericht: „Ich habe nichts geschüttet. Es lief keine Musik. Als ich die Tür aufgemacht habe, sprühte sie mir gleich ins Gesicht. Ich ging zu Boden und konnte mit den Füßen die Tür zuschlagen. Ich hatte Schmerzen, legte mir einen feuchten Lappen aufs Gesicht und habe die ganze Nacht gebetet. Am nächsten Tag bin ich in die Augenklinik.“ Die Richter sehen da Widersprüche zur polizeilichen Vernehmung aufweist– und stellen das Verfahren gegen eine Geldbuße von 400 Euro ein.

 

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