Geplantes Orient-Festival Krach um Kamelrennen erreicht Rathaus

Zum geplanten Arabienfest 2015 auf der Theresienwiese wollen viele Scheichs auch ihre hochgezüchteten Rennkamele mitbringen. Nicht jeder in der Stadt ist davon begeistert. Foto: dpa

Arabien-Fest auf der Theresienwiese: Schmid ist dafür, Reiter dagegen – und Tierschützer protestieren bereits.

Bis jetzt saßen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und sein Stellvertreter Josef Schmid (CSU) in den Sitzungen des Stadtrats stets einträchtig nebeneinander. Das eine oder andere Mal hatten die beiden sogar lobende Worte füreinander übrig. Doch jetzt bahnt sich an der Rathausspitze der erste Krach an – und das bei einem äußerst exotischen Thema: Es geht um Kamele.

Beim für Juni 2015 geplanten Arabien-Fest „1001 Nacht“ wollen sechs Golfstaaten auf der Theresienwiese für ihre Region Werbung machen. In einer riesigen Zeltstadt soll man die Bräuche und Gepflogenheiten des Orients kennenlernen können. Es wird Livemusik geben, einen Basar für Gewürze und Stoffe – und eine 1,8 Kilometer lange Sandstrecke für Kamelrennen.
 
Während Josef Schmid, der als Wirtschaftsreferent auch für den Tourismus zuständig ist, das fünftägige Fest wegen der vielen München-Besucher aus dem arabischen Raum befürwortet, hält Reiter von der Idee recht wenig.
 
Das Projekt stehe in krassem Widerspruch zu der Idee, die Theresienwiese außerhalb der Festzeiten wieder mehr als Naherholungsgebiet zu nutzen, sagte Reiter der „SZ“. Die Nerven der Anwohner seien durch Wiesn, Frühlingsfest und Tollwood bereits genug strapaziert, findet der OB. Er hält eine Zustimmung des Bezirksausschusses (BA) deshalb für äußerst unwahrscheinlich.
 
Im BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt war das Thema jüngst schon einmal andiskutiert worden, eine Entscheidung wurde letztlich aber auf die Sitzung im September vertagt.
 
Richtig gut sieht es für das große Orient-Festival aber nicht aus: Wegen der Anwohner, wegen der langen Belegung der Theresienwiese, wegen ökologischer Bedenken – und auch wegen der Kamele.
 
Kamelrennen sind für München zwar keine ganz neue Sache, solche gab es schon auf der Trabrennbahn in Daglfing. Aber die Theresienwiese müsste erst mit 317 Lastwagen-Ladungen Sand präpariert werden, das ist dann doch eine andere Geschichte. „Die Intention der Völkerverständigung ist zwar schön, aber vielleicht sollte das Fest woanders stattfinden“, sagt entsprechend Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne).
 
Es gibt weiteren Widerstand. Beim Münchner Tierschutzverein hält man auch „absolut überhaupt nichts“ vom geplanten Kamelrennen. „Wir lehnen die Zurschaustellung von Tieren zur öffentlichen Belustigung oder zu Unterhaltungszwecken grundsätzlich ab“, sagt Sprecherin Judith Brettmeister. Außerdem sei es äußerst fragwürdig und zudem wenig artgerecht, Kamele in ein Flugzeug zu verfrachten und nach München zu fliegen.
 
Die allabendlichen Kamelrennen sollten eigentlich der Höhepunkt der Veranstaltung werden. Aber richtige Fans haben sich bislang nicht finden lassen. 
 

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