Genießen vor der Fastenzeit "Slow Food" und Entspannen: Die Stadt der Genießer

Genießen, ja, das kann der Münchner. Mit am besten natürlich im Biergarten – zum Glück kommt die Zeit ja bald wieder. Foto: Joerg Koch

Jetzt das närrische Treiben, doch kommende Woche beginnt die Fastenzeit. Nochmal genießen vor dem Verzicht ist deshalb die Devise. Die AZ zeigt Möglichkeiten für Genießer: Von "Slow Food" bis zum Entspannungsbad.

 

München - "Den großen Unterschied zwischen Konsum und Genuss macht das Wissen", sagt Richard Balling vom Landwirtschaftsministerium. Und während er das sagt, werden die drei Münchner Spezialitäten aufgetragen, die von der "Arche des Geschmacks" als kulinarisch erhaltens- und förderungswert eingeschätzt werden: Münchner Brotzeitsemmeln, Fleisch vom Murnau-Werdenfelser Rind und seit neuestem das Ismaninger Kraut. "Wir wollen diese Lebensmittel sinnlich erfahrbar machen."

Die Arche ist ein Projekt der "Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt": ein Rettungsboot für vergessene oder vom Vergessen bedrohte Nutztierrassen, Gemüse- und Obstsorten sowie Speisezubereitungen aus der Region.

Wissen um die alten Lebensmittel

Zum richtigen Genuss, das schreibt sich Slow Food auf die Fahnen, seit sich der bundesweite Verein vor 25 Jahren in München gegründet hat, gehört nämlich auch das Wissen um die Vielfalt der (alten) lokalen Lebensmittel – und die Gewissheit, dass sie wohlschmeckend, sauber und fair erzeugt sind.

"Ziel ist es, den Menschen wieder bewusst zu machen, dass Essen einen Wert haben muss", sagt Richard Balling, "und dafür wollen wir die Produkte auch wieder in die Wirtshäuser bringen." Denn es sei wichtig, ergänzt Wieland Schnürch, der die Münchner Gruppe von Slow Food leitet, "dass wir sie wieder sinnlich erfahrbar machen".

"Pschorr" setzt Ismaninger Kraut auf die Karte

Beim Ismaninger Kraut, das nur noch von zwei Bauern angebaut wird und besonders fein schmeckt, hat es geklappt: Jürgen Lochbihler, Wirt des "Pschorr" am Viktualienmarkt kündigt auch direkt an, ihn auf seine Karte zu setzen – neben Murnau-Werdenfelser Rind stehen dort unter anderem Fisch vom Ammersee und Käse aus dem Tegernseer Land.

"Mir ist Regionalität wichtig", sagt Lochbihler. "Es ist doch schön, zu wissen, wo etwas herkommt, das man isst." Denn da genießt es sich doch gleich besser.


Und weil Genuss natürlich nicht nur mit Kulinarik zu tun haben muss, gibt es hier ein paar Anregungen, wie und wo Sie das Leben in München noch besonders auskosten können.

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Hier gibt es "Slow Food" in München

Mehr als 500 Restaurants empfiehlt der aktuelle "Slow-Food-Genussführer": Aus München haben es sechs Restaurants in das Buch geschafft:

  • Goldmarie: Drei Frauen, Petra Mirwald, Karin Stüwe und Julia Schneider, leiten die Gaststätte an der Schmellerstraße. Ihr Ziel: Gutes aus der Umgebung auf die Teller bringen. Das Gemüse stammt von einer Genossenschaft in Johanneskirchen, das Schweinefleisch von einem Bio-Metzger in Gräfelfing. Gekocht wird saisonal und frisch. Schmellerstraße 23, Mo-Fr 12-15 und 18-24 Uhr, Sa 18-24 Uhr, Tel.: 51 66 92 72 
  • Herrmanndorfer Landwerkstätten: Was in dem Bistro in der Nähe des Viktualienmarkts verkauft wird, kommt vom eigenen Hofgut in Glonn. Die Speisekarte wechselt täglich. Suppen und Vegetarisches sind immer dabei. Frauenstraße 6, Mo–Fr 11.30–16 Uhr, Sa 11.30–15 Uhr, Tel.: 26 35 25
  • Klinglwirt: Im Klinglwirt isst man bayerisch – und das nicht nur von den Gerichten her, sondern auch von den Zutaten. Die kommen aus der Region und sind meistens auch bio. Die rotfarbene Vertäfelung an den Wänden trägt ihrerseits zur Gemütlichkeit bei. Balanstraße 16, Mo-Sa 17-0 Uhr, So 11-23 Uhr, Tel.: 85 67 61 99
  • Der Pschorr: Wer Fleisch mag, ist hier richtig. Jürgen Lochbihler setzt auf seinen zwei Etagen in der Schrannenhalle auf ein besonderes Tier: nämlich das Murnau-Werdenfelser Rind. Eine der letzten bayerischen Rinderrassen. Die anderen Zutaten sind, klar: auch aus der Region. Viktualienmarkt 15, Mo-So 10-24 Uhr, Tel.: 442 38 39 40
  • Restaurant Sir Tobi: „Sir Tobi“, der Namensgeber, kocht in diesem bayerischen Bistro, wie er es nennt, selbst. Inhaberin Claudia Zabel umsorgt die Gäste. Die Karte ist nicht nur bayerisch, aber natürlich findet man auch Klassiker wie Kasspatzn und Gutes vom Schwein im Menü. Sternstraße 16, Mo-Mi 11.30-15, Do-Fr 11.30-15 und 17.30-24, Tel.: 324 94 825
  • Upper Eat Side: In dem Giesinger Lokal ist’s gut und günstig: Die kleinen Gerichte kosten alle unter zehn Euro. Außerdem verarbeiten die Wirte immer das ganze Tier – wer nur mit dem Filetstück kocht, kocht halt nicht unbedingt kreativ. Dass sich die Karte an der Saison orientiert, ist selbstverständlich. Werinherstraße 15, Mo-Fr ab 17.30, Tel.: 39 29 26 89

Genuss ohne viel Essen? Das gibt es hier:

Wo genießt man die Sonne besonders schön? An der Isar freilich, auf einer Bank im Englischen Garten, am Max-Joseph-Platz direkt vor der Residenz – oder eben am Königplatz auf den Stufen der Glyptothek.

Hier scheint die Sonne am Nachmittag besonders schön hin, die Steine sind angenehm aufgewärmt, ein kulturelles Angebot nur ein paar Schritte entfernt – wenn man will. Man kann natürlich auch einfach sitzenbleiben, etwas in die Sonne blinzeln, etwas dösen. Müßiggang schätzten schließlich auch schon die alten Römer und die Griechen. Und die wussten ja bereits, wie Geist, Seele und Körper in Einklang zu bringen sind.

Dachterrasse des Flushing Meadows

Ein richtiger Geheimtipp ist es zwar auch nicht mehr, aber viele Münchner kennen dieses schöne Fleckchen trotzdem nicht: die Dachterrasse vom Flushing Meadows Hotel in der Fraunhoferstraße 32. Sie ist zwar schmal wie ein Balkon, aber hat man einen der wenigen Tische ergattert, wird man durch den Blick auf die Berge und die neoromanische Silhouette von St. Maximlian entschädigt.

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Perfekt für einen Happy-Hour-Drink. Zu empfehlen wäre der Gin Tonic, denn die Gin-Auswahl der Flushing-Meadows-Bar ist beeindruckend. Soll ja geradezu gesund sein ab und zu, man denke an Queen Mum, die mit Gin Tonic beachtliche 101 geworden ist.

Brotduft im Manufactum

Dem Laden Manufactum sagt man ja gerne nach, es gäbe hier ausschließlich Sachen für die Leute, die sonst schon alles haben. Das ist so aber nicht ganz richtig: Vorne hat sich nämlich der Bäcker "brot&butter" etabliert. Und da muss man hin! Das Sauerteigbrot – da kracht die Kruste. Und wie das Ganze erst riecht! Allein das ist schon ein – selten gewordener – Münchner Genuss.

Film und Ratsch

Zu einem guten Film gehört ein guter Ratsch danach. Im Monopol-Kino (Schleißheimer Str. 127) hatten sie deshalb die sinnvolle Idee, einen Kinosaal zu einer Kinobar umzubauen. Im Vorführsaal steht jetzt noch eine Theke, pro Kinosesselpaar gibt’s einen Beistelltisch für Getränke. Und wenn der Film vorbei ist, kann man sitzenbleiben oder sich noch einen Drink holen.

In die Bücherwelt abtauchen

Wer am Arabellapark ein bisschen Zeit totschlagen muss oder einfach nur mal abtauchen will: In der Stadtbibliothek am Rosenkavalierplatz 16 gibt es viele kleine Ecken, in die man sich mit einem guten Buch zurückziehen kann. Eine geradezu magische Ruheoase, die leider zu Unrecht etwas aus der Mode gekommen ist. Zum Reinlesen braucht man weder Geld noch Ausweis. Öffnungszeiten: Mo/Di 10–19 Uhr, Mi 14–19 Uhr, Do/Fr 10–19 Uhr

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Entspannen im Müller'schen Volksbad

Baden und Saunieren ist in vielen Münchner Bädern schön, doch an kaum einem Ort mit Wasser fühlt man sich in München derart mondän wie im Müller’schen Volksbad. Die Jugendstil-Architektur des 1901 eröffnetes Bades ist in Deutschland einzigartig: elegant geschwungen, verspielt, nie zu pompös – in so einer schönen Umgebung schwimmen sich die Bahnen im Becken doch schon fast von selbst.

Für Genussschwimmer empfiehlt sich die wohltemperierte kleine Schwimmhalle. Wer sich etwas mehr anstrengen möchte, wählt das 31-Meter-Becken. Einen Sauna-Bereich gibt’s natürlich auch, besonders hübsch ist das römisch-irische Schwitzbad mit Kaskadenbrunnen. anf 7.30 bzw. 9 Uhr (Sauna) bis 23 Uhr, Eintritt 4,40 Euro, vier Stunden Sauna 18 Euro.

Fernblick auf der Hackerbrucke

Der Blick in die Ferne lässt einen ständig grübelnden Kopf endlich mal zur Ruhe kommen. Wenn dazu noch im Goldlicht der untergehenden Sonne leise ein paar Züge unter einem vorbeiklackern, die Füße frei baumeln und der Mensch neben einem ein zauberhafter ist, fühlt sich die Welt wunderbar klein und groß zugleich an.

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Ein Geheimtipp ist die Hackerbrücke freilich nicht, an milden Abenden sind die Stahlträger gut besetzt. Aber glückliche Menschen kann es ja auch eigentlich nie genug geben.

AZ-Umfrage: Was ist für Sie Genuss?

Unternehmerin Sarah Schübel (33): "Ich liebe es, einen Tag im Spa einzulegen, gerne auch mit Ayurveda- oder Kaviar-Gesichtsmaske im Bayerischen Hof."

Rentner Walter Heiden (87): "Natur ist für mich Genuss. Ich mag die Berge und Seen. Und wenn ich Gelüste habe, dann esse ich Schweinswürstel."

Unternehmer Sebastian Grote (35) und Lehrerin Julia Weinfurter: "Entspannt am Viktualienmarkt ein Bier trinken und Leute kennenlernen – das ist Genuss."

Sozialpädagogin Alessandra Bartoli-Endres (43) mit Mina (2) und Emilio (5): "Wir mögen es, uns spontan treiben zu lassen."

 

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