Generali Haching Sebastian Prüsener: Urschreie am Utzweg

Hachings Libero Sebastian Prüsener. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Angreifen ist ihm verboten – dennoch ist Libero Sebastian Prüsener für Hachings Volleyballer in den Playoffs enorm wichtig: Der Münchner kann Mitspieler und Fans mitreißen wie kein anderer.

 

UNTERHACHING Es gibt diese Momente, in denen Sebastian Prüsener sein weiß-blaues Trikot Leid ist. Wenn seine Mitspieler in dunkelrot „zum zehnten Mal einen Ball ins Netz gehauen haben, dann denke ich mir, das darf doch nicht wahr sein”, sagt der Libero von Generali Haching. Dann würde er am liebsten nach vorne rennen und den Ball zum Gegner dreschen. Angriffsschläge sind dem Libero im Volleyball allerdings untersagt, er ist ein Abwehrspezialist – und mit einem andersfarbigen Trikot so markiert.


Und dennoch ist Sebastian Prüsener (29) einer der maßgeblichen Hachinger Spieler in den anstehenden Playoffs. Auch, weil er sich in jeden Aufschlag und in jeden Schmetterball des Gegners wirft, aber vor allem, weil er der Einheizer in seiner Mannschaft ist. „Ich bin für die emotionale Seite zuständig”, sagt Prüsener. Er feiert jeden Punkt, als bedeute er die Meisterschaft; spannt die Muskeln an, ballt die Fäuste, schreit. „Ich lebe für den Sport”, sagt Prüsener, „wenn uns ein spektakulärer Punkt gelingt, gehe ich voll aus mir raus. Ich kann es nicht unterdrücken.”


Der Urschrei gehört zu Prüseners Spiel. Die Hachinger Fans lieben ihn dafür. Spieler wie Christian Dünnes helfen mit ihren eleganten Angriffen, Prüsener springt, um einen Ball zu retten, auch mal furchtlos in die Zuschauerreihen. „Ich versuche, die Fans miteinzubeziehen”, sagt Prüsener. Und das ist in dieser Saison wichtiger denn je: Als Nummer eins der Hauptrunde hat Haching bis ins Finale Heimrecht.


Am Sonntag (16 Uhr, Sportarena Utzweg) empfängt Haching den CV Mitteldeutschland zum ersten Viertelfinale. Eine Pflichtaufgabe für die Mannschaft von Trainer Mihai Paduretu. Nach zwei Siegen wartet entweder Moers oder Bühl. Auch hier ginge Haching als Favorit in die Serie – um im Finale dann wohl auf Friedrichshafen oder Berlin zu treffen. „Bis dahin sollten wir so wenig Spiele wie möglich machen”, sagt Prüsener.


Im Gegensatz zu den meisten Mitspielern ist der gebürtige Münchner schon einmal deutscher Meister geworden: 2004 mit Berlin – und damals noch als Außenangreifer, ehe ihn 2008 ein Knöchelbruch zur Umschulung als Libero zwang. „Ich kann den jungen Spielern mit meiner Erfahrung helfen”, sagt Prüsener.


Nach fünf Jahren in Berlin und zwei im nahen Königs Wusterhausen ist der gebürtige Münchner wieder nach Hause zurückgekehrt. „Ich bin in Ottobrunn geboren, meine Familie hat immer schon dort gelebt und ich bin jetzt auch wieder hingezogen”, sagt Prüsener (Spitzname: Seppl). Volleyballspielen hat er in Unterhaching gelernt, von 1990 bis ’96 und von 2000 bis ’03 dort gespielt. Nun würde er gerne länger bleiben: „München ist einfach die schönste Stadt”, sagt Prüsener. Schöner wird’s nur noch mit Meistertitel.

 

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