Gemeinsame Sache Mega-Kampagne gegen die Bedrohung der Alpen

Perfektes Foto für eine Kampagne: die Drei Zinnen im Osten Südtirols – das Wahrzeichen der Dolomiten und des Hochpustertals. Foto: DAV/Kusstatscher

Deutsche, Österreicher und Südtiroler machen gemeinsame Sache: Per Mega-Kampagne lenken sie den Blick auf die Bedrohung des Natur- und Kulturraums der Alpen.

Mit drei Pressekonferenzen zeitgleich in München, Innsbruck und Bozen haben die Alpenvereine Deutschland (DAV), Österreich und Südtirol am Dienstag den Startschuss für die größte Kampagne in der Geschichte des DAV gegeben. Unter dem Motto – besser gesagt, unter dem Hashtag – #unserealpen wollen sie auf die Bedrohung des "wilden Herzens Europas" aufmerksam machen.

Fortschreitender Klimawandel hat Auswirkungen auf Skigebiete

"Derzeit findet unter den großen Skigebieten in den Alpen ein Wettlauf um die 'Pole- position' statt", sagt DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher. Die Betreiber wollten ihre Gebiete immer mehr erweitern – solange es eben noch geht.

Denn der fortschreitende Klimawandel hat besonders in den Bergen große Auswirkungen: Der Kampf um Schneesicherheit wird immer aufwendiger. Und damit Skifahren immer teurer. Überleben könnten dann möglicherweise nur noch Skigebiete, die einer zwar schrumpfenden, dafür aber exklusiven Kundschaft das Beste und Größte bieten können.

Alpen sind wichtiges Wasserreservoir

Die Alpenvereine sehen die Entwicklung dieses Raums nun an einem Wendepunkt angekommen. Denn nicht nur die Skigebiete rüsten auf. Auch die Nutzung der Berge für erneuerbare Energien nimmt immer mehr zu. Die Alpen bilden das Wasserreservoir für alle Anrainerstaaten. Energieversorger sähen das Gebiet mit seinen Möglichkeiten zur Anlage von Speicherseen und Pumpspeicherwerken als eine Art "Batterie Europas", so Erlacher.

Parallel zum Bergsportboom habe sich jedoch auch das Bewusstsein für den Wert der Alpen entwickelt: So zeige etwa das Beispiel der Skischaukel am Riedberger Horn, "dass es in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr gibt für ein touristisches 'Weiter-So'", erklären die Verbände. Im Allgäu hatte es harten Widerstand gegen das Liftprojekt gegeben. Die Staatsregierung legte die Pläne schließlich auf Eis und der Ministerpräsident kündigte die Rücknahme der Änderung des Alpenplans an, mit der die Allgäuer Skischaukel ermöglicht werden sollte.

Österreich wehrt sich gegen flächendeckende Erschließung

Auch im Nachbarland Österreich wehrt sich die Bevölkerung zunehmend gegen eine immer flächendeckendere Erschließung – teils mit Erfolg: Das österreichische Bundesverwaltungsgericht hat dieser Tage eine Ausweitung des Skigebiets im Malfontal wegen zu großer Eingriffe in die Natur untersagt.

Und dennoch: "Die Tiroler sollten aufpassen, was im Zillertal passiert", warnt Erlacher. Mit Argwohn beobachten die Alpenvereine die Versuche, das Verbot von Neuerschließungen mit Hilfe einer Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP) aufzuweichen. Denn mit dem neuen Entwurf, der die Voraussetzungen für Ausweitung und Zusammenschluss von Skigebieten lockert, könnte ein Skigebiet von Inntal ins Zillertal möglich werden.

Schneesicherheit in Deutschland nimmt ab

"Alles, was oben ausgebaut wird, zieht unten im Tal eine Infrastruktur nach sich", so Erlacher. So etwas sei in Zeiten des Klimawandels alles andere als nachhaltig – und in Bayern bereits zu sehen: Hier setzt die Wintersportbranche immer mehr auf Schneekanonen, um den Gästen Schneesicherheit zu bieten. Mit den "Schneeerzeugern" kaufe man sich "betriebswirtschaftliche Sicherheit", weil die Gäste Schneemangel im Winterurlaub nicht mehr einfach so hinnähmen, hatte erst vergangene Woche Peter Schöttl, Vorstand des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS), geschildert.

In dem Maß, in dem die Schneesicherheit in Deutschland abnimmt, nimmt der Druck auf die schneereicheren Gebiete Österreichs und auch auf Südtirol weiter zu – hier sorgen Skierschließungsprogramme wie eines zwischen Langtaufers und dem Kaunertal oder zwischen Sexten und Silian für Diskussionen. Doch auch im Sommer ist Südtirol so beliebt, dass Hotspots wie etwa der Pragser Wildsee oder das Kirchlein im Vilnösser Ranui im vergangenen Sommer geradezu "überrannt" wurden, sagt DAV-Sprecher Thomas Bucher.

Ökologischen Fußabdruck muss reduziert werden

Um die einzigartige Vielzahl und Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den Alpen zu erhalten, gehe es nun darum, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, so Steffen Reich, DAV-Ressortleiter Naturschutz.

Durch die groß angelegte Kampagne sollen auch Menschen über die insgesamt mehr als 1,8 Millionen Alpenvereinsmitglieder hinaus erreicht werden. Teil der Aktion sind die Internetseite unsere-alpen.org, eine Kampagnenzeitung sowie Postings in Sozialen Medien, Hashtag: #unserealpen.

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