Gemeinde-Protest Wo sich die Rechten versammeln

Bei Aufmarsch der Rechten dabei: Matthias Fischer in Wunsiedel 2013. Foto: Timm Schamberger/dpa

Eine ehemalige Dorfwirtschaft in Oberfranken entwickelt sich zur Anlaufstelle für Neonazis – auch aus anderen Ländern.

Regnitzlosau Bürgermeister, Gemeinderat, Kirchenvertreter, Vereine, Behörden: Alle waren sich einig. „Bei uns ist kein Platz für Nazis“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die sie im Juni 2011 im Rathaus unterschrieben haben. Doch inzwischen wurde die „Initiative für Demokratie“ von der Wirklichkeit eingeholt.

Laut Landesamt für Verfassungsschutz dient ein früheres Wirtshaus im Ortsteil Oberprex (87 Einwohner) von Regnitzlosau als Anlaufstelle für Rechtsextremisten aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern. Hinter dem „Nationalen Zentrum Hochfranken“ steckt nach den Erkenntnissen der Behörden das Neonazi-Netzwerk „Freies Netz Süd“.

Der Extremisten-Klub hatte vorher schon mehrere Anläufe in Bayern unternommen, geeignete Objekte zu kaufen, war jedoch immer wieder gescheitert. In der kleinen oberfränkischen Gemeinde Oberprex nahe der tschechischen Grenze funktionierte der Erwerb des aufgelassenen Wirtshauses („Elsässer“) mit einem Trick. Als Käuferin trat die Mutter des Neonazis Tony Gentsch auf, die in der rechtsextremen Szene bisher nicht direkt aufgetreten ist und als unverdächtig galt.

Ihr aus Hof stammender Sohn dagegen ist nach den Erkenntnissen der Verfassungsschützer in der Neonazi-Szene hoch aktiv. Markus Schäfert vom Landesamt für Verfassungsschutz Bayern: „Er entwickelte sich zu einer prägenden Figur der fränkischen Neonaziszene und verfügt über intensive Kontakte zu Gesinnungsgenossen in Thüringen und Sachsen.“

Gentsch, der wegen Körperverletzung und Beleidigung bis Mai letzten Jahres in Haft saß, betreibt in Oberprex zusammen mit dem Neonazi Matthias Fischer aus Fürth einen Online-Versandhandel (AZ berichtete). Fischer, der seit 20 Jahren in der rechten Szene aktiv ist, galt lange Zeit als Schnittstelle der NPD zu den fränkischen Neonazis. Er gilt für den Verfassungsschutz mittlerweile als führender Aktivist der bayerischen Neonazis und ist einer der Initiatoren und Hauptakteure des „Freies Netz Süd“.

Durch den Versandhandel werde seine Position weiter gestärkt. „Das Angebot des Versandhandels“, erklärt Markus Schäfert, „umfasst unter anderem Bekleidung, CDs, Bücher, Propagandamittel und Accessoires mit eindeutig rechtsextremistischen Bezügen.“ Ein derartiger Versandhandel hat nach Einschätzung der Verfassungsschützer für die rechtsextreme Szene eine besondere Bedeutung.

Schäfert: „Sie ermöglichen einen Lifestyle, der Szenezugehörigkeit ausdrückt und dadurch den Zusammenhalt stärkt.“ Die Verwendung strafbarer Symbolik werde dabei vermieden. Der Internetauftritt des Shops offenbart enge Verbindungen vom „Freies Netz Süd“ zu Rechten in Tschechien und Griechenland. Regelmäßige Veranstaltungen werden als harmlose Geburtstagsfeiern oder Informationsveranstaltungen dargestellt.

Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf, der ebenso wie die Oberprexer selbst alles andere als begeistert von dem Neonazi-Zentrum ist, konstatiert zwar, dass sich die neuen Einwohner nach außen hin um Zurückhaltung bemühen. Trotzdem gelte es, die Augen offen zu halten und vor allem mit Aufklärungsarbeit präventiv zu arbeiten.

Dazu wird eigens eine Mitarbeiterin beschäftigt, die sich mit der rechten Szene beschäftigt und vor allem an die jungen Menschen in der Region wendet. „Zum Glück“, sagt Bürgermeister Kropf, „haben wir nicht den Eindruck, dass einheimische junge Leute den Neonazis auf den Leim gehen.“

 

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