Gemeinde Guttenberg hofft auf Guttenbergs Rückkehr

Bedauern und Verständnis in der Heimatgemeinde Guttenbergs. Foto: dpa

Bedauern und Verständnis in der Heimatgemeinde Guttenbergs. Bürgermeister und Einwohner hoffen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg eines Tages in die Politik zurückkehrt. Nur einer lässt kein gutes Haar an dem großen Sohn der Frankenwaldgemeinde.

 

Guttenberg - Der Dorfladen hat schon geschlossen, als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Berlin seinen Rücktritt erklärt. Das einzige Gasthaus hat Ruhetag, die Straßen sind fast menschenleer in der Gemeinde Guttenberg im Frankenwald. Auf dem Handy kein Empfang.    

Bürgermeister Eugen Hain, ein Parteifreund des Ministers, erfährt die Nachricht des Tages, als er aus dem Wald zum Mittagessen nach Hause kommt. „Das ist kein schöner Tag für Guttenberg. Fast das ganze Dorf stand hinter ihm, nur vereinzelt gab es kritische Stimmen“, sagt das Oberhaupt des 600-Seelen-Ortes im Landkreis Kulmbach. Das Ortsbild überragt das Schloss der Guttenbergs. „Schade, dass der öffentliche Druck so groß war, dass er sich entscheiden hat, diesen Schritt zu tun.“    

„Guttenberg war ein Politiker und ein Mensch mit Schwächen und Fehlern“, räumt der Bürgermeister ein. „Aber er war ein Ausnahmepolitiker“, ergänzt Hain. Die Übergabe der 30 000 Unterschriften von Wissenschaftlern und die Äußerungen seines Doktorvaters Peter Häberle vom Montag habe Guttenberg wohl doch nicht wegstecken können. „Deshalb hat er die Flucht nach vorne angetreten - es war richtig, diesen Schnitt zu machen.“

Hain hofft, dass der Freiherr und langjährige Vorsitzende des CSU-Ortsverbands nach einer gewissen Auszeit wieder in die Politik zurückkehrt. „Er ist noch jung, und er hat das Zeug dazu.“ Ähnlich äußert sich auch eine Frau, die ihren Hund Gassi führt. „Mir tut's leid, dass er zurückgetreten ist“, sagt die 55-Jährige. Für sie war Guttenberg ein Spitzenpolitiker, ein weitblickender Mensch. „Hoffentlich kommt er irgendwann wieder.“    

Der einzige Bedienstete der Gemeinde sucht die Schuld für Guttenbergs Rücktritt bei den Medien und der Opposition: „Wenn er dieses Mal nicht zurückgetreten wäre, dann hätten sie etwas anderes gefunden“, sagt der 47-Jährige Bauhofmann. „Bei niemandem wurde mehr gesucht als bei ihm.“ Andere laufen wortlos weiter, wollen sich nicht zum Thema des Tages äußern. „Das ist mir egal“, sagt eine ältere Frau und winkt ab.   

 Doch es gibt auch zumindest eine andere Meinung in dem Ort, wo die CSU zusammen mit dem Bürgermeister sieben von neun Gemeinderäten stellt. „Er war seit seiner Kindheit ein grandioser gerissener Blender, durch und durch durchtrieben, skrupellos und ein Opportunist“, sagt Wolfgang Schwarz. Genugtuung empfindet der 62-Jährige nach dem Rücktritt Guttenbergs nicht. „Nein, im Gegenteil: Mir wäre es lieber gewesen, dass er Bundeskanzler wird, dann wäre der Fall noch größer gewesen.“

 

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