Geldmarktauktion Spanien gerät weiter unter Druck

Zwar konnte Sorgenkind Spanien am Dienstag bei einer Geldmarktpapier-Auktion drei Milliarden Euro einnehmen, doch der Druck auf das Land steigt.

 

Madrid/Frankfurt - Der Druck auf Spanien nimmt von Tag zu Tag zu: Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren konnte das große Euro-Sorgenkind zwar am Dienstag wie geplant drei Milliarden Euro einsammeln, wie die nationale Schuldenagentur mitteilte.

Doch das Zinsniveau hat selbst im kurzen Laufzeitbereich eine bedrohliche Höhe erreicht. Am Donnerstag will Madrid bis zu fünfjährige Anleihen anbieten. Um sich für lediglich 12 und 18 Monate Geld bei Investoren zu borgen, musste Spanien Zinsen in Höhe von 5,074 und 5,107 Prozent bieten. Im Mai waren es noch 2,9 und 3,3 Prozent gewesen. Die Nachfrage nach den Papieren war zwar groß, dennoch dürfte die Mittelaufnahme zu diesen Konditionen für Spanien kaum lange durchzuhalten sein.

Trotz der deutlich gestiegenen Zinsen führten am Dienstag die Auktionsergebnisse am Sekundärmarkt, wo bestehende Anleihen frei gehandelt werden, zu leichter Entspannung. Im vielbeachteten zehnjährigen Laufzeitbereich fiel die Rendite wieder unter die kritische Marke von sieben Prozent. Zuletzt wurde sie bei 6,999 Prozent notiert.

Die Aussagekraft der Marktreaktionen ist jedoch begrenzt, da Gerüchte kursieren, nach denen die Europäische Zentralbank ihr seit Monaten ruhendes Anleihekaufprogramm wieder aufgenommen hat. Händler bezeichneten diese Spekulationen zwar als abwegig und bezeichneten derartige Interventionen der Notenbank als unwahrscheinlich. Dennoch könnten sie die Kurse bewegen.

Neue Schreckensmeldungen kommen zudem aus dem spanischen Bankensektor: Die faulen Kredite in den Büchern der Geldhäuser sind auf den höchsten Stand seit 1994 gestiegen, wie aus Daten der spanischen Zentralbank vom Montag hervorgeht. Im April kletterte der Anteil der Kredite in Zahlungsverzug von 8,32 auf 8,72 Prozent. Das entspricht einer Summe von etwa 152 Milliarden Euro.

Spanische Medien berichteten am Morgen zudem, dass die mit der Prüfung der spanischen Banken beauftragten Unternehmen Oliver Wyman und Roland Berger einen Mittelbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro ausmachen könnten. Das wäre deutlich mehr als die angekündigten 100 Milliarden Euro schweren Bankenhilfen für Spanien aus den europäischen Rettungstöpfen.

 

0 Kommentare