Geld Viele Deutsche haben jetzt mehr Netto vom Brutto

Illustration Foto: dpa

MÜNCHEN - Viele, die in diesen Tagen das Januar-Gehalt überwiesen bekommen, erleben eine freudige Überraschung. Vor allem Gutverdiener profitieren von einer Änderung der Einkommensteuer-Tarife. Nur schade, dass die Krankenkassen Zusatzbeiträge planen...

 

Die erste Lohnabrechnung des Jahres 2010 wird Millionen Beschäftigte mächtig freuen. Steuerveränderungen sorgen dafür, dass ein Großteil der Arbeitnehmer mit dem Januar-Gehalt erstmals deutlich mehr netto herausbekommen als bisher. Für Gutverdiener dürfte ein monatliches Plus von bis zu 100 Euro drin sein, für Beschäftigte mit geringem Verdienst entsprechend weniger. Übers Jahr gerechnet dürfte den meisten etwa zwischen 180 bis weit über 1.000 Euro mehr in der Tasche bleiben. Je höher Einkommen und Steuersatz, desto größer der Vorteil, je nach persönlicher Situation, wie der Bund der Steuerzahler (BdSt) berechnet hat.

Allerdings: Wem in den unteren Lohngruppen dieses Jahr etwa 10 Euro mehr herausbekommt, könnte das Plus aufgrund einer Erhöhung der Krankenkassenbeiträge schnell wieder einbüßen, gibt Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) zu bedenken. «Im oberen Gehaltsbereich bleibt aber unterm Strich trotzdem noch ordentlich was übrig.»

Neuer Einkommensteuertarif

Warum bleibt 2010 mehr übrig? Das liegt unter anderem an einem neuen Einkommensteuertarif. Der Grundfreibetrag wird um 170 auf 8.004 Euro angehoben, alle weiteren Tarifeckpunkte um 330 Euro verschoben. Am deutlichsten wirkt sich aber aus, dass Kassenmitglieder Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung jetzt nahezu voll von der Steuer absetzen können, Privatversicherte ihre Prämien etwa zu 80 Prozent. Auch die für Ehepartner und Kinder. Das Kindergeld wird außerdem monatlich um je 20 Euro erhöht, der Kinderfreibetrag von 6.024 auf 7.008 Euro.

Wer profitiert?

Nicht nur Familien gewinnen automatisch finanziell mehr Luft, sondern vor allem auch Singles, Alleinerziehende mit Kind oder Zweitverdiener mit Halbtagesjob auf Steuerklasse 5. Reiner Holznagel, BdSt-Bundesgeschäftsführer, betont: «Fast jeder gewinnt.» In niedrigen Einkommensstufen macht sich die direkte Entlastung weniger bis kaum bemerkbar. Geringverdiener können meist erst bei der Steuererklärung über die Günstigerprüfung des Finanzamts profitieren, ähnlich wie Rentner oder Selbstständige.

Wie hoch ist das Plus für Singles?

Für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen kann die Rechnung so aussehen: Ein Single mit monatlichem Bruttoverdienst von 3.200 Euro bekommt Monat für Monat 66 Euro mehr an Gehalt raus. Aufs ganze Jahr gesehen wird sein Geldbeutel um 792 Euro entlastet. Ledige, die 4.800 Euro verdienen, haben monatlich 108 Euro mehr im Geldbeutel übrig (macht ein Plus von 1.212 Euro jährlich). Voraussetzung: Sie gehören einer der Kassen an, die den Beitrag nicht erhöht. Bei Prämienanhebungen fällt das Plus entsprechend geschmälert aus.Alleinstehende profitieren erheblich, weil ihre tatsächlichen Krankenkassenbeiträge ins Gewicht fallen.

Wie sieht es bei Familien aus?

Bei Familien fallen für gesetzlich Mitversicherte keine eigenen Beiträge an, die sich steuermindernd auswirken könnten. Ein verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern beispielsweise, der im Monat 5.600 Euro nach Hause bringt, hat ab Januar 88 Euro mehr netto zur Verfügung. Macht aufs Jahr gerechnet ein Plus von 1.056 Euro, so die Berechnungen des BdSt. Bringen berufstätige Ehepartner ohne Kind zusammen 6.000 Euro brutto nach Hause, kann das Paar mit 111 Euro mehr netto im Monat rechnen. In der Einkommensregion von insgesamt 8.000 Euro liegt die Entlastung bei 165 Euro monatlich. Auch Alleinerziehende mit einem Kind haben bald finanziell mehr Luft. Bei einem Monatsverdienst von 1.600 Euro brutto bleiben ab Januar 34 Euro mehr in der Lohntüte übrig. Bei 2.800 Euro Gehalt beträgt das Plus 70, bei 4.400 Euro Verdienst ganze 123 Euro.

Gibt es auch Entlastung für Zweitverdiener?

Auch die, die auf Steuerklasse 5 arbeiten, dürfen sich über einen warmen Geldregen freuen. Bringt die verheiratete Mutter eines Kindes beispielsweise in ihrem Halbtagesjob 1.600 Euro nach Hause, bleiben ihr 85 Euro mehr als bisher, immer vorausgesetzt, ihr Kassenbeitrag hat sich nicht erhöht. «Das ist überproportional viel und entspricht einer Gehaltserhöhung von fast 300 Euro», sagt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Liegt der Lohn bei 1.000 Euro brutto, könnten so fast 72 Euro mehr auf der Monatsabrechnung der Teilzeitkraft.

Was ist mit Privatversicherten?

Für privat Versicherte sieht die Rechnung anders aus. Wie viel ihnen Monat für Monat bleibt, hängt nicht nur von Einkommensklasse und Steuersatz, sondern auch von der Höhe ihrer Krankenversicherungsbeiträge ab. Bei ihnen fließen im Gegensatz zu den Kassenpatienten nur etwa 80 Prozent ihrer Prämien in die Berechnung mit ein, nicht alles. Berücksichtigt wird bei der Steuer nur der Anteil, der den Leistungen der Kassen entspricht. Vorteile haben 2010 vor allem privat versicherte Familien. Denn jetzt sind auch die Prämien für Ehepartner und Kinder absetzbar.

(Berrit Gräber, apn)

 

0 Kommentare