Geld Superflieger wird für MTU ein teures Vergnügen

Verladung einer Tragfläche des A400M: Gigantischer Vogel, gigantische Probleme. Foto: dpa

Vom Prestige-Objekt zum Millionengrab: Der A400M bringt den Münchnern nur Ärger: Der Flieger hob erst mit über dreijähriger Verzögerung zum Erstflug ab, die Mehrkosten betragen 7,6 Milliarden Euro.

 

MÜNCHEN Reiner Winkler ist ein Meister der leisen Ironie, und diese Fähigkeit kann er im Moment ganz gut gebrauchen. Das TP 400 ist „kein besonders befriedigendes Programm“, referiert der Finanzchef des Triebwerkskomponenten-Herstellers MTU. Eine freundliche Umschreibung für das Desaster beim Militär-Transporter A400M.

Der Riesen-Airbus und sein Triebwerk, an dem MTU beteiligt ist, hätte die Ingenieurskunst der Münchner eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Statt dessen gibt’s nichts als Ärger mit dem monströsen Projekt: Der Flieger hob erst mit über dreijähriger Verzögerung zum Erstflug ab, die Mehrkosten betragen 7,6 Milliarden Euro. Der Airbus-Mutterkonzern EADS sucht bereits nach Möglichkeiten, die Belastungen wenigstens zum Teil an die Zulieferer weiterzugeben.

Die Folge für MTU: Notgedrungen bildeten die Münchner Rückstellungen (45 Millionen für eventuelle Strafzahlungen an EADS), außerdem trudelten Stornierungen ein. Das vermeintliche technische Wunderwerk stand Ende 2008 noch mit einem Wert von 90 Millionen Euro in der Bilanz. Davon ist nichts mehr übrig: „Der present value (gegenwärtige Wert) ist nach heutigem Stand bei Null“, konstatierte Finanzchef Winkler. Kein schöner Posten in einer Bilanz, die sowieso von der Krise und einem schwachen Dollar geprägt ist (Gewinnrückgang 2009: 21,5 Prozent).

Dabei sieht MTU-Boss Egon Behle seine Mannschaft nicht in der Rolle der Schuldigen und kontert mit eigenen Forderungen: 2009 hätten die Münchner „Änderungen des Umfangs und der Funktionalität“ beim Triebwerk mitgetragen“, argumentiert er. Die Mehrleistung müsse „kompensiert werden.“ Denkbar wäre, dass er seine Hand aufhalten will, sollte EADS in Verhandlungen mit den Airbus-Käuferländern einen Nachschlag herausholen.

Ob dies realistisch ist, muss sich zeigen: Die EU-Verteidigungsminister einigten sich über den A400M, hieß es gestern. Der Flieger sei gerettet – aber Airbus müsse sich mit weniger Geld zufrieden geben als ursprünglich erhofft. sun

 

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