Geld Protest gegen Siemens: Die Stimmung ist am Kochen

Protest gegen Siemens Foto: dpa

MÜNCHEN - Die Mitarbeiter von SIS gehen wegen des geplanten Umbaus des IT-Dienstleisters auf die Straße. Von den rund 9700 Stellen in Deutschland will der Konzern 2000 streichen. Wie es den Mitarbietern geht.

 

Ein Leben für Siemens. Seit 30 Jahren arbeitet Petra Nothacker bei Siemens, seit 15 Jahren gehört sie zum IT-Dienstleister SIS. Jetzt ist die 47-Jährige am Boden zerstört. „Ich habe Sorgen und Ängste, wie es weitergehen soll. Totaler Frust.“

Vor wenigen Tagen verkündete Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser seine Pläne SIS: Weltweit werden 4200 von 35000 Stellen abgebaut, in Deutschland ist jeder fünfte der 9700 Arbeitsplätze betroffen. Ein Großteil der gestrichenen Jobs wird auf München und Nürnberg-Erlangen entfallen, erwartet die IG Metall.

Die Stimmung bei SIS ist am Kochen. Eigentlich wollte der Betriebsrat erst am nächsten Montag zu Demonstrationen aufrufen – jetzt wurde der Protest kurzerhand um eine Woche vorverlegt. Rund 1000 Beschäftigte demonstrierten gestern in München-Perlach, 200 waren es in Erlangen.

„Zuerst hab ich mir gedacht: ´Scheisse´“, sagt Petra Nothacker. Dass ihr Job je auf der Kippe stehen würde, hätte sie nie gedacht: „Die ersten fünfzehn Jahre bei Siemens wurde ich immer belächelt: ’Dein Job ist fast so sicher wie der einer Beamtin.’ Aber die letzten Jahre ist dann schon Angst aufgekommen, nach den Kündigungswellen bei Siemens. Und da war man dann immer froh: Zum Glück hat’s nicht mich getroffen.“ Das Betriebsklima leidet unter der bevorstehenden Auswahl. Petra Nothacker schwört trotzdem auf den Zusammenhalt: „Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Schließlich sitzen wir alle in einem Boot.“

Die Jungen sehen den Abbau relativ gelassen: Der 19-Jährige Peter Hahn (Name geändert) blickt jetzt schon über seine Zeit bei Siemens hinaus: „Vielleicht studieren. Ich schaue auf jeden Fall schon, was nach Siemens kommt.“ Seit 2007 ist er bei SIS, hat eine Stelle als Kaufmann. Die Pläne von Siemens hält er für Schrott. „Die Ausgliederung ist nicht sinnvoll. Erst ausgliedern, vor zwei Jahren dann eingliedern, jetzt wieder ausgliedern. Da ist eine Frechheit.“ Petra Nothacker kann nicht so flexibel auf die Situation reagieren: „Im Moment suche ich noch keine neue Stelle, es muss sich noch rausstellen wer gehen muss. Ich glaube aber nicht, dass ich in meinem Alter so schnell etwas finden werde.“

Vollkommen unklar ist, ob und in welchem Umfang Siemens die Rotstiftaktion abfedern wird. Bei bisherigen Sparrunden richtete der Konzern großzügig ausgestattete Beschäftigungsgesellschaften ein, die den Absturz in die Arbeitslosigkeit abfederten. Jetzt ist alles offen. Im schlimmsten Fall, war schon aus der Belegschaft zu hören, könnte sich Siemens mit seiner geplanten Firmen-Rochade einen Sozialplan ersparen. Die 2000 gestrichenen Stellen sollen nämlich erst in eine eigene Einheit ausgegliedert, die übrige SIS verselbständigt werden. Im schlimmsten Fall hieße das, dass mit den 2000 Jobs kurzer Prozess gemacht wird. sch

 

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