Geld Kassen vor dem Aus: Was Sie dazu wissen müssen

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KÖLN - Schon die dritte Krankenkasse zeigt die drohende Insolvenz an. Der Gesundheitsfonds führt zu finanziellen Engpässen. Kleine Anbieter mit Zusatzbeitrag sind besonders gefährdet. Hier finden Sie auch einen Vergleich zwischen einzelnen Kassen...

 

Die Mitglieder der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK) haben’s gut – zumindest, was ihre Mundhygiene angeht. Im Internet verspricht die Kasse „professionelle Zahnreinigung zum Vorzugspreis“ außerdem ein „breit gefächertes Leistungsspektrum“. Was sie nicht mitteilt: Die Kasse steht vor der Pleite, musste beim Bundesversicherungsamt die drohende Insolvenz anzeigen.

Droht dies auch anderen Kassen? Das Bundesversicherungsamt will nicht ausschließen, dass heuer weitere Kassen in Schwierigkeiten kommen. Schon die City BKK und die BKK Heilberufe haben ein SOS-Signal abgesetzt. Dass ihnen das jeweilige Bundesland oder der Bund beispringt, ist unwahrscheinlich. Die Schließung einzelner Kassen oder die Fusion gefährdeter Anbieter werden von Berlin billigend in Kauf genommen, um die Kosten im Gesundheitssystem zu senken. 169 Krankenkassen gibt es in Deutschland, ein paar weniger, heißt es, würden nicht schaden. Die City BKK wird denn auch wahrscheinlich zum September geschlossen.

Woher kommen die finanziellen Schwierigkeiten der Kassen? Mit dem Gesundheitsfonds, der 2009 eingeführt wurde, haben die Kassen ihre Entscheidungsgewalt über Ausgaben und Einnahmen weitgehend verloren. Der Beitragssatz beträgt einheitlich 14,9 Prozent, die Leistungen, die die Kassen gewährden müssen, sind zum größten Teil vorgegeben.

Weil der medizinische Fortschritt immer aufwändigere Behandlungen ermöglicht, Ärzte und Pharmahersteller hohe Forderungen stellen und das Durchschnittsalter in der Gesellschaft steigt, geraten die Kassen unter Druck. Als Ausweg bleibt ihnen nur, einen Zusatzbeitrag zu erheben – mindestens acht, höchstens 37,50 Euro pro Monat.

Der Zusatzbeitrag ist aber riskant: Er berechtigt die Mitglieder, sofort die Kasse zu wechseln. Nachdem beispielsweise die DAK einen Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro einführte, kündigten 141.000 Versicherte die Mitgliedschaft.

Die Möglichkeit zum Wechsel nehmen vor allem gut informierte Besserverdiener in Anspruch, die die Kassen eigentlich dringend brauchen, um die Leistungen für die schlechter verdienenden (und zahlenden) Mitglieder zu finanzieren. Deswegen zögert jede klamme Kasse, bevor sie Zusatzbeiträge erhebt. Das verschärft ihre Lage noch.

Welche Kassen sind besonders gefährdet? Kleine Kassen mit einem im Verhältnis zur Mitgliederzahl hohen Verwaltungsaufwand und einem großen Anteil an Rentnern und Geringverdienern. Dazu gehören eine Reihe ehemaliger Betriebskrankenkassen.

Wer zahlt, wenn eine Kasse pleite geht? Zunächst einmal die anderen Kassen der gleichen Art – bei der City BKK, der BKK für Heilberufe und der GBK also die Betriebskrankenkassen. Der BKK-Bundesverband will das Problem mit einer Sanierung der betroffenen Kassen und mit Fusionen lösen.

sun

 

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