Geld Ein Leben mit Höhen und Tiefen: Hannsheinz Porst gestorben

Hannsheinz Porst, aufgenommen im Jahr 1997 Foto: dpa

NÜRNBERG - Unternehmergenie, Sozialromantiker, Landesverräter: Hannsheinz Porst hafteten viele Etiketten an. Er war eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Porst starb im Alter von 87 Jahren.

 

Der langjährige Chef des einstigen Nürnberger Fotounternehmens Photo Porst, Hannsheinz Porst, ist imAlter von 87 Jahren gestorben. Porst starb bereits am Donnerstagmorgen immittelfränkischen Artelshofen an einem schweren Herzleiden. Er ist nach Angaben aus der Familie friedlich zu Hause eingeschlafen.

Der Name Porst ist untrennbar mit der „Photo Porst“-Ketteverbunden, die Hannsheinz Porst im Jahr 1960 von seinem Vater Hannsübernahm. Durch geschickte Werbung, Fotoversand undTeilzahlungsangebote war aus dem 1919 gegründeten kleinen Fotoladenbald ein florierendes Geschäft geworden. Um sich der aufkommendenKonkurrenz durch Neckermann und Foto-Quelle zu erwehren, bauteHannsheinz Porst das Unternehmen später mit Ladenketten undFranchise-Partnern zu einem der größten deutschen Fotohäuser aus.

Vom kometenhaften Aufstieg zum freien Fall – Höhen und Tiefenlagen in Porsts Leben stets eng beieinander. Während der am 8.November 1922 in Nürnberg geborene Porst in den 1960er Jahren dieFoto-Kette an die Spitze der Branche führte, landete er zweimal imGefängnis. Zunächst wurde er wegen Verdachts auf Steuerhinterziehungverhaftet und kam erst gegen eine Kaution von 8 Millionen Mark wiederfrei. Später musste er eine Strafe von 2 Millionen Mark und eineSteuernachzahlung in Höhe von 9,5 Millionen Mark zahlen.

1969 sorgte Porst für neue Schlagzeilen, als er wegen angeblicherlandesverräterischer Beziehungen zur DDR zu zwei Jahren und neunMonaten Haft verurteilt wurde. „Ich wurde völlig missverstanden. Ichversuchte lediglich, gegenseitiges Verständnis zu fördern“,verteidigte Porst seinen „missionarischen Eifer“, der ihn dazugetrieben hatte, gleichzeitig der FDP und der SED beizutreten undangeblich für die Stasi zu spitzeln.

Aus seiner Sympathie zum Marxismus hatte Porst nie einen Hehlgemacht, und so wagte der Unternehmer 1972 in seiner Foto-Kette das„Experiment Sozialismus“: Er führte in seiner Firma mit Sitz inSchwabach die „totale Mitbestimmung“ ein, verschenkte das Unternehmenan seine 1600 Mitarbeiter und ließ fortan basisdemokratischentscheiden. In seinem Innersten sei er eben ein Sozialromantiker,sagte Porst über sich selbst.

Als Unternehmer ist er daran letztlich gescheitert. DasMitbestimmungsmodell endete 1982, als das Unternehmen mit Hilfeausländischer Investoren gerettet werden musste. TrotzRestrukturierungs- und Sanierungsbestrebungen konnte sich „PhotoPorst“ aber nicht mehr erholen und meldete im Jahr 2002 Insolvenz an.Das „größte Fotohaus der Welt“ gibt es seitdem nicht mehr.

Hannsheinz Porst zog sich Ende der 1970er Jahre immer mehr insPrivatleben zurück. Vor den Toren Nürnbergs widmete sich derpassionierte Fotograf, Flieger, Herrenreiter und Liebhaber schwereramerikanischer Straßenkreuzer zuletzt vor allem der Zucht vonHochlandrindern.

Inga Pflug und Elke Richter, dpa

 

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