Gegen Portugal Gomez trifft und zahlt Vertrauen zurück

Mario Gomez, der Klose-Ersatz, sorgt für das wichtige 1:0 gegen Portugal. Es steckt noch viel Sand im Getriebe. Hummels geht für Mertesacker an den Start

 

Lwiw - Miroslav Klose stand als Ersatz für Mario Gomez schon an der Seitenlinie bereit, da schlug der Bayern-Stürmer doch noch zu. Das befreiende Kopfballtor von „Super-Mario“ hat der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal den erhofften Start nach Maß in die EM-Endrunde beschert. Mit seinem 23. Länderspieltor brachte Gomez am Samstagabend den 1:0 (0:0)-Auftaktsieg in Lwiw unter Dach und Fach. Nach einer abgefälschten Flanke von Sami Khedira war der 26-Jährige zur Stelle, aber bis zum Treffer des Torjägers in der 72. Minute hatte der Titelanwärter nicht wirklich überzeugt.

Gomez bedankte sich vor 32.990 Zuschauern auf seine Art für seinen 53. Einsatz im DFB-Team, denn er hatte – nicht unbedingt erwartet – von Bundestrainer Joachim Löw den Vorzug vor Klose erhalten. „Ich bin sehr glücklich, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat – ich wollte etwas davon zurückgeben“, sagte Gomez. „Der Ball war abgefälscht bei der Flanke und kam mir genau auf den Schädel. Es war nicht mehr so schwer.“

Ein heftiger emotionaler Ausbruch von Löw kurz vor dieser Szene hatte deutlich gemacht, dass es lange gar nicht rund lief. Wild mit dem linken Arm schwingend trieb er seine Mannschaft an. Die Portugiesen erwarteten die Deutschen in einem 4-1-4-1-System, doch der Favorit trumpfte kaum einmal so schnell und überfallartig auf wie in seinen besten Spielen bei der WM 2010 und in der EM-Qualifikation. „Wir haben taktisch sehr gut gespielt und 1:0 gewonnen, das ist das Allerwichtigste“, sagte Löw und forderte: „Wir werden noch zielstrebiger nach vorne spielen und uns mehr Chancen erarbeiten müssen, aber ich denke, dass uns das auch gelingen wird.“ Kapitän Philipp Lahm war erleichtert: „Es ist wichtig, in so ein Turnier mit einem Sieg zu starten.“

Löw: „Die Holländer stehen unter besonderem Druck“

Im nächsten Spiel am Mittwoch in Charkiw warten die angeschlagenen Niederländer. Der Mitfavorit steht nach der überraschenden 0:1-Niederlage gegen die Dänen schon mit dem Rücken zur Wand. „Die Holländer stehen unter einem besonderen Druck. Sie müssen nach vorne spielen und gewinnen“, sagte Löw, der das auch als große Chance ansieht: „Vielleicht können wir das zweite Spiel gewinnen, dann sind wir schon in der nächsten Runde.“

Bei der Aufstellung hatte Löw neben Gomez als Ersatz für den von Rückenproblemen geplagten Klose noch eine zweite Überraschung parat: Er brachte Mats Hummels anstelle von Per Mertesacker in der Innenverteidigung, und auch der Dortmunder rechtfertigte über weite Strecken diese Entscheidung. Lob kam von höchster Stelle: „Ich habe mich wahnsinnig gefreut über die Leistung von Mats Hummels“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. „Wir sollten die ganzen positiven Dinge sehen und uns über den ersten Sieg freuen.“

Dem Münchner Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger war die Wadenverletzung, wegen der er erst zu Wochenbeginn wieder ins Training eingestiegen war, nicht mehr anzumerken. Rund 10.000 deutsche Fans unterstützten das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), aber es kam nicht in Schwung. Die gefährlichste Aktion in der Anfangsphase hatte Lukas Podolski, der mit seinem 98. Länderspiel Michael Ballack einholte. Der gebürtige Pole prüfte Torwart Rui Patricio mit einem Außenristschuss (9.). In der 13. Minute sah Helder Postiga, der im Sturm der Seleccao den Vorzug vor dem Ex-Bremer Hugo Almeida erhalten hatte, nach einer rüden Attacke gegen Manuel Neuer die Gelbe Karte. Hummels spielte etwas ungenau zurück, Postiga rauschte mit gestrecktem Bein heran und holte den Torwart von den Füßen. In der 18. Minute hatte Cristiano Ronaldo, der gefürchtete Offensivmann des Gegners, seinen ersten gefährlichen Vorstoß. Nach einem Übersteiger und einer flachen, scharfen Hereingabe verfehlte Postiga den Ball knapp.

Portugiesen treffen zwei Mal die Latte

Die deutschen Angriffe blieben meist schwerfällig. Zu oft verlangsamte das deutsche Team das Offensivspiel, das meist über das Real-Madrid-Duo Khedira und Mesut Özil lief. Die Chancen, die sich dennoch eröffneten, wurden vergeben wie von Podolski, der einen Volleyschuss weit über den Kasten drosch (30.). Großes Glück hatte die deutsche Mannschaft, als Pepe unmittelbar vor der Pause nach einer großen Konfusion die Latte traf (45.) – von dort sprang der Ball auf die Torlinie und aus der Gefahrenzone.

In der zweiten Halbzeit wurde das deutsche Spiel zwar besser, aber auch die Portugiesen steigerten sich. Doch Boateng bot eine gute Leistung gegen Ronaldo, meldete den Weltstar weitgehend ab und wurde dafür auch von Löw gelobt. In der Schlussphase musste das DFB-Team aber doch noch zittern. Eine Flanke von Nani senkte sich auf die Latte (84.), und Neuer hielt das 1:0 fest, als er reaktionsschnell gegen den eingewechselten Silvestre Varela klärte (88.).

 

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