Gegen Juve Spiel gedreht Bayern-Sieg: So korrigiert sich Guardiola

Mit Kingsley Coman (im Foto rechts) und Thiago wechselte Bayern-Coach Pep Guardiola gegen Juventus Turin frischen Wind ein. Foto: Imago

Gegen Turin stand das Münchner Projekt von Pep Guardiola unmittelbar vor dem Scheitern. Der Trainer wird sich nun hinterfragen (müssen). Doch zunächst genoss der Spanier den Triumph.

München - Die Nachrufe waren schon geschrieben. Auf den Laptops der Reporter in der Allianz Arena war Pep Guardiola am Mittwochabend "der Unvollendete", ja sogar "gescheitert".

Dann drohte der Katalane, seinen Spielern "die Eier" abzuschneiden, wie es Thomas Müller später wenig vornehm, aber augenzwinkernd umschrieb - und eine magische Münchner Europapokal-Nacht gegen Juventus Turin nahm ihren Lauf.

Guardiolas Reise geht weiter. Vorerst.

"Ich weiß, was passiert, wenn wir nicht gewinnen", hatte der Trainer-Guru vor diesem denkwürdigen 4:2 (2:2, 2:0) n.V. im Achtelfinal-Rückspiel gesagt, "ich weiß, was passieren kann."

Und er hat es gespürt gegen diese giftige Turiner Mannschaft. Mehr als ihm lieb war. Guardiola fuchtelte, dirigierte und korrigierte - doch seine Mannschaft schien ihn nicht zu (er-)hören. Er wurde nervös und nervöser, zertrat in seiner Coachingzone Wasserflaschen - und nichts geschah.

Nach der Demütigung gegen Real Madrid 2014 und der Lehrstunde gegen den FC Barcelona im vergangenen Jahr drohte die "historische" vierte Meisterschaft in Serie zu einem langatmigen Epilog der so hoffnungsvoll gestarteten Ära Guardiola zu werden.

Und der vielleicht beste Coach der Welt sah hilflos zu. "Wir waren nicht intensiv genug in unserem Spiel, schienen verängstigt zu sein, die Körpersprache war nicht so gut", sagte der 45-Jährige, als alles doch noch gut gegangen war.

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Guardiola selbst hatte Anteil an der Wende - weil er sich nicht zu fein war, seine eigenen Fehler zu korrigieren. Er nahm Medhi Benatia und Xabi Alonso, die Risikofaktoren in seinem Hochrisikospiel, vom Platz und brachte mit Kingsley Coman und Thiago die beiden Spieler, die den Coup mit ihren Toren in der Verlängerung möglich machten.

"Heldenfußball" mag Guardiola gar nicht

Überhaupt dorthin war der FC Bayern aber auf eine Art und Weise gelangt, die so gar nichts vom Pep'schen Zauberfußball hatte. Flanke, Kopfballtor Robert Lewandowski. Flanke, Kopfballtor Thomas Müller.

Es kann Guardiola nicht gefallen - und es spricht auch nicht für ihn -, dass diese hoch veranlagte Mannschaft auch nach drei Jahren unter seiner Führung noch immer von ihren Topstars abhängig ist.

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Lewandowski/Müller - das ist die Lebensversicherung des FC Bayern. Wenn die (personell geschwächte) Abwehr mal wieder patzt, richtet es halt das polnisch-bayerische Super-Duo.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat das mal "Heldenfußball" genannt - Guardiola verabscheut nichts mehr. Der Spanier wird sich und sein Tun nun hinterfragen (müssen) - wie es dieser vom Ehrgeiz zerfressene Über-Trainer Tag für Tag tut.

Er weiß: Wenn er das Spiel des FC Bayern nicht noch vor seinem Abschied zu Manchester City im Sommer noch stabilisiert, werden die Nachrufe wieder aus den Reißwölfen geholt.

 

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