Gegen Cottbus im Stadion Sechzig mehr als man für Geld kaufen kann

Hasan Abdullah Ismaik schaut sich am Samstag das Spiel der Löwen in der Arena gegen Cottbus an. Foto: AZ/oh

Die AZ verrät, was der jordanische Investor Ismaik – außer 49 Prozent der Klubanteile – erhält, sollte der Deal mit dem Traditionsklub klappen

 

MÜNCHEN Gegen elf Uhr wird Hasan Abdullah Ismaik am Samstag in München landen. Zwei Stunden später schon wird sich der Jordanier zum ersten Mal ein Spiel jenes Klubs ansehen, den er zur Hälfte übernehmen will. Rund 33 Millionen Euro will Ismaik, der bis Sonntag in München bleiben will, in den TSV 1860 investieren.
Die Verhandlungen zwischen 1860 und Ismaik sind schon weit fortgeschritten, die „SZ” berichtet, dass sogar schon Verträge aufgesetzt werden. Offiziell würde Ismaik 49 Prozent des Klubs übernehmen. Aber natürlich würde er mit seinen Millionen mehr erwerben. Mehr vor allem, als man für Geld kaufen kann:

Den Löwen: Logo und Wappen gäbe es für Ismaik bei Verhandlungsabschluss gratis dazu – die Vermarktungsrechte gehören der KGaA. Frei Haus gibt es auch jene Tradition, die arabischen Investoren so wichtig sein soll: Seit 1870 ist der Löwe schon das Wappentier des Klubs, seit 1911 ziert er das offizielle Vereinslogo. Gegründet wurden die Löwen aber noch viel früher: 1848 – im „Wirtshaus zum bayerischen Löwen.” Die jordanische Hauptstadt Amman zählte zu der Zeit übrigens nur einige Hundert Einwohner.

Das Löwenstüberl: Einen Biergarten direkt an den Trainingsplätzen sucht man beim FC Bayern vergeblich. Und von einer Wirtin wie Christl Estermann träumen die Roten noch nicht mal. Die Christl war früher eine passable Hürdensprinterin, heute ist sie gleichsam Chefin wie gute Seele des Klubs. Auch kulinarisch ist die Christl offen für alles. Als 1860 einst den Chinesen Jiayi Shao verpflichtete, kaufte Christl sich prompteinen Wok. Als der Pole Janusz Filipiak Sponsor wurde, tischte sie selbstverständlich Krakauer auf. Sollte Ismaik es mal nach Hummus oder Shawarma verlangen – Christl wäre sicher hilfreich zur Stelle.

Den Grant: Was wäre München ohne seine Grantler? Und niemand – außer vielleicht Herr Hirnbeiß aus der AZ – hat sich das Granteln so zur Lebensaufgabe gemacht wie die Löwen, die stimmungsmäßig stets zwischen gleißendem Licht und Weltuntergang, zwischen Champions League und Bayernliga changieren.

„München ist nicht nur die Maximilianstraße”: Einer der Lieblingssätze von Geschäftsführer Robert Schäfer. Aber natürlich war der TSV 1860 immer schon auch ein Klub, der mehr sein wollte als er ist. Der Löwe schmückt sich gerne – und manchmal auch auf fatale Weise – mit der Macht. Und diese sich mit ihm. 1982 etwa besuchte Franz-Josef Strauß selig eine 1860-Tanzveranstaltung.

54, 74, 90... stellten die Löwen zwar keinen Weltmeister, doch das hinderte die Sportfreunde Stiller nicht daran, ihre inoffizielle Hymne für die letzten beiden Weltmeisterschaften während eines Löwen-Spiels vorzustellen. Die selbe Kapelle widmete mit „Laut(h) anhören” auch dem besten 1860-Stürmer der letzten Jahre einen Song. Ansonsten sind die Löwen recht schmerzfrei bei der Auswahl ihrer Fanlieder. Nur der Sechzgermarsch ist und bleibt unantastbar.

Die Edelfans: Der FC Bayern zählt Thomas Gottschalk, Boris Becker, Kai Pflaume, Uschi Glas oder Edmund Stoiber zu seinen prominenten Fans. Bei 1860 dürfen die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Otti Fischer oder auch Fritz Fehling, Roman Wöll und Franz Hell ungestraft als „Edelfans” bezeichnet werden. Die Leistung letzterer? Seit den Siebzigern verpassten sie kein einziges Spiel.

Das Grünwalder Stadion: Das Stadion auf Giesings Höhen ist für den TSV 1860 als kultische Stätte und Sehnsuchtsort mindestens so wichtig wie der Berg Sinai für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Das Sechzger wird gerne als schönstes Stadion der Welt verklärt. Die zweite Mannschaft und die A-Jugend trägt hier ihre Spiele aus. Wieso nur die? Na, weil es hier um 1860 geht.

Die Meisterlöwen: Radenkovic, Zeiser, Wagner, Reich, Patzke, Luttrop, Perusic, Grosser, Rebele, Konietzka, Brunnenmeier – wer ein echter Löwe ist, kann die Meistermannschaft unfallfrei aufsagen. Welcher Bayern-Fan kann schon sofort sagen, wie viele Meisterschaften Uli Hoeneß als Spieler gewonnen hat?

Stefan Schneider: Trug früher eine Frisur wie Rod Stewart in seinen wildesten Zeiten – und hatte zudem auch das gleiche Timbre in der Stimme. Die Frisur ist zwar mittlerweile etwas gemäßigter, aber diese Stimme röhrt immer noch unvergleichlich laut durchs Rund! Der Werbespruch „Münchens große Liebe” wird ihm zugesprochen, ebenso der geniale Spruch „Manche gehen zu einer Domina, ich geh' zu Sechzig!” Der beste Stadionsprecher im Land. Mindestens.

 

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