Gefräßiges Insekt Käferalarm! Stadt hat Angst um Englischen Garten

Lecker, lecker, so viele Laubbäume: Der Englische Garten wäre für den Asiatischen Laubholzbockkäfer ein gefundenes Fressen. Foto: Florian Zick

Nachdem der Laubholzbockkäfer die Stadtgrenze übersprungen hat, bangt die Stadt um ihren liebsten Park – und will nun selbst als Kammerjäger aktiv werden.

München - Er ist um die drei Zentimeter groß, schwarz-weiß gepunktet, hat ziemlich lange Fühler – und verbreitet mittlerweile auch in München Angst und Schrecken.

 

Bislang war der Asiatische Laubholzbockkäfer eher ein Problem der Umlandgemeinden. Dort hat das holzhungrige Insekt schon so manche Baumgruppe dahingerafft. Die Münchner Flora hat der Käfer bislang allerdings verschont – bis vor ein paar Tagen.

Anfang Mai verbreitete das auch für München zuständige Forstamt in Ebersberg die Nachricht, dass der fiese Schädling die Stadtgrenze überschritten und sich mittlerweile auch in der Messestadt Riem eingenistet habe.

„Ich mag mir gar nicht vorstellen, sollte im Riemer Wälchen irgendwann kein einziger Laubbaum mehr stehen“, gab Herbert Danner (Grüne) gestern im Stadtrat aufgeregt zu Protokoll. Sollte dem Käfer kein Einhalt geboten werden, werde das „massive landschaftsverändernde Folgen“ haben.

Und als wäre ein kahlgefressener Münchner Osten nicht schon schlimm genug, malten sich einige Stadträte das schier Unvorstellbare aus: Was, wenn der Käfer den Englischen Garten erreicht?

„Im schlechtesten Fall greift der Käfer tatsächlich aus der Messestadt über“, sagte Danner und forderte ein umgehendes Einschreiten der Stadt. Der Freistaat, eigentlich zuständig, lasse sich schließlich mal wieder viel zu viel Zeit. Und wer will da überhaupt daran denken: ein Englischer Garten ganz ohne Bäume.

Um das zu verhindern, hat der Stadtrat gestern einen eiligen Beschluss gefasst. Die Stadt will Privatleute finanziell unterstützen, die bei sich im Garten einen befallenen Baum entsorgen müssen. Zu diesem Zweck soll ein millionenschwerer Sonderfonds eingerichtet werden. Zudem will die Stadt das Krisenmanagement fortan selbst übernehmen. Dem Freistaat traut es der Münchner Stadtrat offenbar nicht zu, dem Käfer-Problem Herr zu werden.

Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht beim Laubholzbockkäfer zwar auch von einer „nennenswerten Bedrohung“. Richtig begeistert ist er jedoch nicht davon, dass die Stadt sich nun eine weitere Aufgabe ans Bein bindet, für die eigentlich der Freistaat zuständig ist.

Sicher, das gestand auch der OB zu: Die 100 000 Euro, die der Freistaat jeder Kommune in Aussicht gestellt habe, um käfergeschädigten Baumbesitzern finanziell beispringen zu können, das sei bei einer so großen Stadt wie München schon eine eher lächerliche Summe. Dennoch sieht Reiters gesamte Rathaus-SPD das Käfer-Problem nicht als das ihre an.

Sturmschäden, Überschwemmungen, Katastrophen im Allgemeinen – das sei Sache der Länder, sagte Fraktionschef Alexander Reissl. „Und jetzt greifen wir wieder bei einer Aufgabe freudig zu, die nicht die unsere ist“, schimpfte er. Von „freudig zugreifen“ könne überhaupt keine Rede sein, entgegnete Tobias Ruff. „Das ist einfach eine Zwangslage“, sagte der ödp-Stadtrat. Schließlich reiche schon ein einziger Käfer aus, um in einem Umkreis von hundert Metern einen kompletten Kahlschlag nötig zu machen – als Quarantäne-Maßnahme.

In den USA, mahnte Ruff, habe der gefräßige Exot seit seinem Auftauchen schon einen Schaden in Höhe von zwei Milliarden Dollar verursacht. Und wenn man sich mal vor Augen führt, wie viele Buchen, Linden, Eschen, Trauerweiden und Kastanien alleine im Englischen Garten herumstehen: Da wird einem schnell klar, dass der Laubholzbockkäfer auch für München schnell zu einer sehr teuren Angelegenheit werden kann.

Um den gefährlichen Schädling davon abzuhalten, sich weiter ins Stadtinnere vorzufressen und so irgendwann sogar für den Englischen Garten zu eine Bedrohung zu werden, hat der Münchner Stadtrat sich gestern also nun zum Kammerjäger aufgeschwungen. CSU, Grüne und die kleinen Fraktionen setzen sich am Ende gegen die Bedenken der SPD durch.

Ob die Stadt das Geld für den Freistaat nur vorstrecken oder tatsächlich eigene Leistungen erbringen wird, ist noch nicht klar. Ziemlich teuer dürfte die Käfer-Mission aber allemal werden. Schon erstaunlich, was so ein Mini-Insekt für einen Riesen-Ärger machen kann.

 

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