Gefängnis Stadelheim Sex mit Häftling im Knast: Psychologin vor Gericht

Die Angeklagte Kerstin S. verbirgt ihr Gesicht: Sie soll unter anderem mit dem Ex-Häftling Mustafa P. Sex im Knast gehabt haben. Foto: Daniel von Loeper

Eine Psychologin (50) schmuggelte Handys nach Stadelheim. Mit einem Häftling (25) soll sie mindestens zehn mal Sex gehabt und ihm gar Gefängnisschlüssel überlassen haben.

 

München – Tatort JVA Stadelheim: Sex gegen Schmuggelware, Eifersucht, Morddrohungen, nachgemachte Gefängnisschlüssel, eine mögliche Geiselnahme – was da alles im Saal A 122 des Amtsgerichts ausgebreitet wird, wäre ein gefundenes Fressen für jeden Krimi-Autoren.

Der Fall: Die 50-jährige Anstaltspsychologin Kerstin S. soll mit einem jungen Häftling (25) mindestens zehn Mal Sex gehabt haben. Im Gegenzug habe sie ihm laut Anklage ihre Gefängnisschlüssel zeitweilig überlassen und Handys für ihn geschmuggelt.

Bereits zuvor soll die JVA-Bedienstete eine langjährige Beziehung zu einem Häftling gehabt haben. Dabei ist es laut Anklage mindestens zwanzig Mal in ihrem Stadelheimer Dienstzimmer zum Geschlechtsverkehr gekommen. Die Psychologin habe ihre Position genutzt, um an ihr Ziel zu kommen. Kerstin S. muss sich deswegen wegen sexuellen Missbrauchs von Gefangenen verantworten.

Außerdem wirft ihr die Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall vor, da sie 500 Euro pro Handy kassiert haben soll. Kerstin S. bestreitet einen Großteil der Vorwürfe. Mit dem jungen Häftling habe sie nie geschlafen, beteuert die Angeklagte zum Beispiel. Sie gibt aber die langjährige Beziehung zum Ex-Häftling Mustafa P. (40, Name geändert) zu, der wegen Drogengeschäften einsaß.

Wie kam man ihr auf die Schliche? Die Ermittler hatten die Schmuggelgeschäfte in der JVA schon länger im Visier, berichtet ein Beamter im Zeugenstand. Ein Insasse, bei dem man auch die beiden Nachschlüssel fand, packte aus. Dabei sei man auch auf den Namen der Psychologin gestoßen. Nur dank der Sicherstellung der Schlüssel konnte eine Flucht von Häftlingen und eine Geiselnahme von Justizbediensteten verhindert werden, glauben die Ankläger.

Als sich der Verdacht gegen Kerstin S. erhärtete, griff man zum Mittel der Telefonüberwachung. Und fand Erstaunliches heraus. „Die Angeklagte befand sich in einem emotionalen Ausnahmezustand“, berichtet der Polizist. „Sie sprach von Liebe, aber auch davon, dass er sie reingelegt hätte.“ Der Grund: Ihr Knast-Liebhaber hatte sich eine andere gesucht. Kerstin S. wollte sich rächen, sprach gegenüber ihrem Bruder sogar davon, dass sie ihre Rivalin umbringen wolle. „Sie muss büßen“, habe sie am Telefon gesagt.

Der Ermittler: „Das tat sie in so ruhigem Ton, dass ich abwägen musste.“ Entweder weiter das Telefon überwachen und Gefahr laufen, dass die Gehörnte zur Tat schreitet – oder sofort ihre Wohnung und ihr Büro durchsuchen lassen. Der Beamte ging auf Nummer sicher. Im August 2013 schlugen die Ermittler zu, durchsuchten die Objekte und verhafteten die liebeskranke Anstaltspsychologin.

 

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