Gefährlicher Rausch „Kräuter“-Drogen überschwemmen Franken

Vor mehreren Jahren verboten: Die Partydroge „Spice“ gilt als Vorläufer der Kräutermischungen. Welche von diesen "Kräutermischungen" die Jugendlichen genau zu sich genommen haben ist nicht bekannt. (Symbolbild) Foto: dpa

NÜRNBERG Sie haben Fantasienamen, die neugierig machen: „Blaze”, „Lava Red” oder „Monkeys go Bananas” sind Kräutermischungen, die es in kleinen Shops und im Internet zu kaufen gibt. Und sie überschwemmen Franken...
Nicht mehr als 15 Euro kostet ein Tütchen. Die Namen, das Design der Packung und die Zusammensetzung wechseln. Doch die als „Räucherwerk” deklarierten Mischungen haben es in sich: Geraucht können sie lebensbedrohlich sein. Allein am Wochenende landeten wieder vier Jugendliche im Nürnberger Klinikum auf der Intensivstation!

 


Zum Teil sind die Kräuter – sie sind die Nachfolgedroge des vor zwei Jahren verbotenen „Spice” – mit künstlich hergestelltem Cannabis besprüht. Der Wirkstoff ist synthetisch, wirkt am gleichen Rezeptor im Gehirn. „Allerdings teilweise verstärkt um den Faktor 10”, warnt Fritz Degel vom Institut für klinische Chemie im Nürnberger Klinikum.
 

Razzia: Zwei Kilo Kräutermischungen in Erlangen

Sein Kollege Hans Jürgen Heppner, Leitender Oberarzt der toxikologischen Intensivstation, weiß, was das für die meist jugendlichen Konsumenten bedeutet: „Zwei Jungs, die am Wochenende bei uns eingeliefert wurden, hatten Herzrasen und Kammerflimmern”, schildert der Mediziner. Im Schnitt werden pro Woche vier junge Patienten zwischen 17 und 25 Jahren bei ihm auf der Intensivstation eingeliefert. Teils kollabiert und bewusstlos, teils halluzinierend. Die meisten hätten vorher keinen Kontakt zu Drogen gehabt.


Nur ein Bruchteil der Fälle wird der Polizei bekannt. Trotzdem steigt die Zahl der Anzeigen ständig: Waren es 2009 noch 60, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf über 200. Erst kürzlich wurde ein Erlanger Händler erwischt: In seinem Laden wurden 700 Päckchen – fast zwei Kilo – Kräutermischungen sichergestellt, sowie 40 Päckchen mit unterschiedlichem weißem Pulver, dazu stimulierende Tabletten.
Die Polizei warnt vor dem Konsum der Mischungen mit den verharmlosenden Namen – nicht nur wegen der unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken. „Sie enthalten Bestandteile, die unter Betäubungsmittel- oder Arzneigesetze fallen”, erklärt Polizeisprecherin Elke Schönwald. Wer damit erwischt wird, riskiert eine Strafe. „Außerdem wird jeder Fall an die Führerscheinstelle gemeldet.”

Andrea Uhrig

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