Gebühren, höherer Preis Null-Prozent-Finanzierungen können kosten

Werbung für Null-Prozent-Finanzierung (bei Karstadt): Immer mehr Firmen - vom Elektroriesen bis zum Autohändler setzten auf das Konzept der Kredite ohne Zinsen. Foto: dpa

Gratis-Finanzierungen sind auf den ersten Blick das perfekte Geschäftsmodell. Doch wer fürs Schnäppchen einen Kredit aufnimmt, zahlt oft drauf.

 

München - Schnell mal ein topaktuelles Smartphone für 32 Euro im Monat kaufen – oder für das gleiche Geld ein nagelneues Laptop: Seit Händler Null-Prozent-Finanzierungen anbieten, erlebt dieses Geschäftsmodell einen Boom. Doch was auf den ersten Blick ein verlockendes Angebot ist, kann schnell in die Schuldenfalle führen, warnen Verbraucherschützer. Und so billig sind die Null-Prozent-Deals auch nicht immer.

„Null-Prozent-Finanzierungen sind die Finanzierungsform, die in der letzten Zeit am eindruckvollsten gewachsen sind“, sagt Frank Lackmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 2008 wurden mit Geschäften, an denen eine Finanzierung gekoppelt ist, 2,4 Milliarden Euro umgesetzt. 2010 waren es schon 4,3 Milliarden. Experten glauben, dass der Trend bis einschließlich 2012 genauso weiter ging. Genaue Zahlen über Kredite zum Nulltarif werden aber nicht erhoben. Für den Handel rechnet sich das Geschäft: Die Händler bekommen ihre Ware los, steigern den Absatz. Und die beteiligten Banken, die den Finanzierungs-Kredit zur Verfügung stellen, bekommen einen neuen Kunden. Die Verbraucher haben aber oft auch Nachteile.

Keine Rabatte: Wer beispielsweise beim Autokauf gut handelt, schlägt schnell einmal einen zweistelligen Rabatt heraus. Bei Null-Prozent-Finanzierungen ist in der Regel kein Nachlass drin.

Ein höherer Ausgangspreis: Hinter den null Prozent verschwindet nach Meinung der Verbraucherschützer oft ein höherer Preis fürs vermeintliche Schnäppchen. Meist ist das gleiche Produkt woanders billiger zu haben. Die Differenz zum Null-Prozent-Deal holt also die entgangenen Zinsen wieder herein. Deshalb am besten vor dem Kauf im Internet die Preise vergleichen.

Die Bearbeitungsgebühr: Den Kreditvertrag schließt der Käufer nicht mit dem Händler, sondern mit einer Bank ab. „Manche Geldinstitute verlangen aber eine Bearbeitungsgebühr“, so Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt. Liegt die Gebühr beispielsweise bei zwei Prozent der Kreditsumme, muss ein Verbraucher bei einem Darlehen von 5000 Euro allein 100 Euro an Gebühren mit einrechnen.

Nebenkosten: Viele Banken bieten Finanzierungen mit einer Restschuldversicherung an. Die ist meist teuer, kann bei einem Kredit von 5000 Euro schnell mal 150 Euro kosten. Aber: „Sie sind nicht verpflichtet, eine solche Versicherung abzuschließen“, erklärt Max Herbst.

Finanzexperten warnen ohnehin vor der immer höheren Überschuldung der Haushalte. 6,6 Millionen Betroffene zählte der Schuldenatlas 2012. Daran sind auch Null-Prozent-Finanzierungen Schuld. Denn laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung gaben 51 Prozent der Befragten an, sie hätten das Produkt ohne Finanzierungsangebot überhaupt nicht gekauft.

 

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