Florian Falterer hat seine Probleme im Riffraff gelöst, viel Programm geplant und endlich seinen Kiosk eröffnet.

Die Asbachflasche hinter dem Tresen vom Riffraff ist nicht zu übersehen. Wer in die Kulturkneipe vor oder nach einem Sechzger-Spiel kommt, dem dürstet nicht selten nach einem Rüscherl. Wer’s ein wenig gehobener mag, trinkt den Riffraff genannten Cocktail, einen Sour mit Asbach Privatbrand 8 (9,50 Euro) – ein gehobenes Rüscherl.

Außer der gereiften Getränkekarte ist in der Kulturkneipe von Florian Falterer aber nichts gehoben oder abgehoben. Falterer selbst ist so einer, der gerne die Kappe falsch herum trägt und sich bei selbstgedrehten Zigaretten vernetzt. So wollen ja viele gerne sein, bei Falterer funktioniert das aber bestens, das Vernetzen. Falterer würde ihn auch niemanden nennen, Florian halt. Die Giesinger kennen ihn von der Zwischennutzung Watzart in einem Hinterhof, der bald kein Geheimtipp mehr war.

Seit Ende 2016 ist Florian Wirt vom Riffraff in der Tegernseer Landstraße und hat sich nach einigen Streitereien mit den Behörden (es drohte eine Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr) und den Nachbarn (Lärm) mehr als gut in seiner Kulturkneipe eingefunden. So gut, dass ihm von Neidern schon vorgeworfen wurde, er würde Giesing gentrifizieren.

Für 20.000 Euro haben er und die Brauerei jetzt den Schallschutz im Lokal verbessert. Die bodenlangen Fenster sind auf kleine Quadrate minimiert und die Decke um 20 Zentimeter abgehängt. Graffitikünstler wie ShameyABC haben sich auf den schwarzen Wänden verewigt. Jetzt, wo klar ist, dass es weitergeht, kann Florian auch intensiv das planen, was ihm am Herzen liegt: Subkulturelles Programm oder wie auch immer man es nennen soll, wenn der Fotokünstler Tibor Bozi ab 24. Juli seine Asien-Streetfotografieren "original Fake" von falschen und echten Markenklamotten ausstellt, die neue Ausgabe des Sechzger-Fanzines "Drinking and Driving" vorgestellt wird (26. Juli) und die Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft einmal im Monat Lesungen mit Musik veranstaltet.

Ach ja, der Bud Spenzer Heart Chor probt jeden Montag im Riffraff und am ersten Dienstag des Monats ist Brettspiele-Abend von Gamers Welcome. Immer dabei: Florian Falterer. Außer, er ist am Nockherberg. Da hat er nämlich ohne jedes Tamtam mit seinem Kumpel Timothy Hanghofer das Crönlein eröffnet, ein Hybrid aus Kiosk und Café. Früher war in dem steinernen Häuschen ein Häusl.

Weil die Leute aus dem Viertel Sechzger-Fan Florian kennen, hat sich das Crönlein rasch als Geheimtipp herumgesprochen. Schon am Mittag sitzen die Gäste bei gutem Wetter auf den Stufen und der Terrasse überm Crönlein, trinken Helles (3,80) und essen Pizza (4,50 Euro).

Natürlich verkauft er auch Gummischlangen. Florian hat Kinder und weiß, was sich gehört. Nach all dem nun beigelegten Ärger im Riffraff, muss er im Crönlein auch keine Nachbarn fürchten, denn die gibt es nicht. Wenn doch mal jemand meckern sollte, kriegt er ein Rüscherl.


Riffraff: Tegernseer Landstraße 96, Di bis Do 19-1 Uhr, Fr & Sa 19-3 Uhr. Crönlein: Am Nockherberg 8

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