In der Bar Juliet Rose sind die Geschmäcker holzig, pflanzlich, blumig oder fruchtig. Die gAZtro-Kritik.

Haidhausen - Die Rose riecht gut. Die Rose schmeckt seifig. Aus diesem Grund finden sich in der wohldurchdachten neuen Bar Juliet Rose in der Rosenheimer Straße (wo sonst) beim Rosenheimer Platz auch keine Rosengeschmäcker und -düfte.

Nur der Sparkling Rose Margarita, ein mit Beeren versetzter Tequila mit Limette, Agave und Rosenwasser (12,50 Euro), ist die Ausnahme. Wer ist dann diese Juliet Rose, wenn sie nicht als Blüte in jedem Drink schwimmt? Die Juliet Rose heißt eigentlich Sweet Juliet, hat apricotfarbene Blüten und ist eine Züchtung des Besessenen David Austin, der die Rose über zehn Jahre entwickelt hat. Diese Raffinesse und Detailverliebtheit haben sich Geschäftsführer Sebastian Lumpe, Küchenchef Roman Kotte und Bar-Ikone Oliver von Carnap zum Vorbild genommen und um die Rose ein Barkonzept fast ohne Rosengeschmack gesponnen.

Was in der Theorie gspinnert klingt, ist in der Praxis eine gehobene Bar mit gehobener Küche, in der die Gäste – so der Geldbeutel es zulässt – einen ganzen Tag zubringen können. Der 300 Quadratmeter große Raum, der mal Hilton-Hotel-Lobby und Restaurant war, hat Ruhebereiche mit Sofas, eine lange Tafel für Tischgesellschaften und eine U-förmige Bar, an der sich unauffällig die anderen Gäste beobachten lassen.

Die vier Säulen des Juliet Rose

Am Vormittag fahren die Mitarbeiter mit einem Wagerl herum, von dem sich die Gäste Hofpfisterei-Brot, Marmelade, Olivenöl und Käse aussuchen können. Oder sie frühstücken à la carte "Juliet Rose" (5,50 Euro) – Cantaloupe-Melone mit griechischem Joghurt und Müsli oder "Russian Roulette" (10 Euro) – osteuropäischer Eierkuchen, Kaviar, saure Sahne. Dazu wird an der Kaffeebar Wildkaffee aus Garmisch gereicht oder aber der Tee des Herstellers Wellmondo zubereitet.

Auch in der Teekarte (Kännchen: 6 Euro) finden sich "die vier Säulen des Juliet Rose", wie Sebastian Lumpe gerne erklärt: holzig, pflanzlich, blumig, fruchtig. Denn im Juliet Rose wird die Rose nicht nur als die florale, feminine Blüte gesehen, sondern als Ganzes.

Nachhaltigkeit ist den Machern wichtig

Unter der Erde, bei den Wurzeln, wird es holzig wie der Maple Walnut Old Fashioned (11,50 Euro) mit Rye Whiskey, Ahorn-Sirup, Orangebitter und Ahorn-Rauch. Letzterer muss noch im Betrieb getestet werden, denn wenn sich die Haube hebt, entweicht aus dem Old Fashioned eine Rauchwolke.

Viele Spielereien finden sich in der Getränkekarte, doch eines ist den Machern wichtig: Nachhaltigkeit. Die Rosen – Pardon: ihre Zutaten – wollen sie möglich im Ganzen verarbeiten. Zesten werden eingelegt und aufgekocht, nicht weggeworfen.

Auf der Speisekarte finden sich nur regionale Bioprodukte wie die Lammhüfte von der Metzgerei Pichler mit grünem Spargel und Topinambur (8,50 Euro). Bei diesem Preis ist’s natürlich nur eine kleine Portion – dafür haben die Gäste noch Platz für Ceviche, Süßkartoffeln und schwarzen Sesam (8 Euro).

Roman Kotte bezeichnet das als "Zeitgeist-Küche", panasiatische und panamerikanische Einflüsse treffen auf das Gesundheitsbewusstsein der Münchner. Rosen verkocht Kotte nicht. Aber auf dem Dach werden ab dem Frühjahr zwei Bienenvölker leben und im Hinterhof will Kotte Kräuter ziehen. Und ja, Juliet Rose will er dann auch pflanzen – zur Deko.


Rosenheimer Straße 15, So - Mi 7.30 bis 1 Uhr, Do - Sa 7.30 bis 2 Uhr

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