Gasteig oder Kleine Olympiahalle? Lösung für Philharmonie nicht in Sicht

, aktualisiert am 16.03.2017 - 08:52 Uhr
Die selbst bei Pop-Veranstaltern ungeliebte Kleine Olympiahalle – eine ideale Ersatz-Philharmonie? Foto: AZ/Feindt

Die Stadtkämmerei findet die Sanierung des Gasteig zu teuer und würde die Klassik beim Umbau in die Kleine Olympiahalle verbannen.

 

Haidhausen - Das Wunschkonzert aus dem Gasteig haben wir in den vergangenen Wochen vernommen. Die dringend notwendige Sanierung der Haustechnik als Ouvertüre. Eine Modernisierung der Stadtbibliothek als Symphonie, gefolgt vom Umbau des Carl-Orff-Saals zu einer Salle Modulable für Kammermusik und das Filmfest. Dann die Überholung der Gasteig-Akustik durch Yasuhisa Toyota. Und als Zugabe noch ein Restaurant auf dem Gasteig-Dach.

Halt, ruft da die Stadtkämmerei in einer Sitzungsvorlage. Sie soll am 28. März im gemeinsamen Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft und des Kulturausschusses beraten werden. Das kostet ein halbe Milliarde Euro! Allein für Interimsspielstätten sollen 88 Mio. Euro ausgegeben werden. "Es sei daran erinnert, dass bei einem neuen, dauerhaften Volkstheater von einem Kostenrahmen von max. 140 Mio. Euro ausgegangen worden ist."

Die Anforderungen an die Ersatzsspielstätten während der Sanierung seien deutlich zu reduzieren. Und eine Kürzung des vom Gasteig ins Auge gefassten Luxusprogramms für großes Orchester auf ein Streichquartett auch: "Die Nutzerbedarfsprogramme und die daraus abgeleiteten Steckbriefe für die Generalsanierung sind auf Grund dieser sehr hohen Kosten deutlich zu reduzieren."

Münchens Musikleben droht Zusammenbruch

Das könnte im schlechtesten Fall auf eine Reparatur des Allernötigsten hinauslaufen – ohne Anpassung des städtischen Kulturzentrums an heutige Anforderungen für attraktive Programme. Und natürlich auch ohne Verbesserung der Akustik der Philharmonie. Was die Stadtkämmerei als Interimslösung gern hätte, brächte das Musikleben in München zum Zusammenbruch: die Kleine Olympiahalle. Ihre Nutzung könne, "mit notwendiger Anpassung der Akustik, auch mittels elektronischer Unterstützung" bis zu 40 Mio. Euro einsparen."

Das heißt im Klartext: Was diese spinnerten Ästheten immer haben! Die Münchner Philharmoniker können doch auch fünf Jahre mit Verstärkung spielen – ist doch egal!

Aber die kulturelle Kompetenz des Stadtrats sollte man nicht unterschätzen. Auch der städtische Chefdirigent Valery Gergiev wird sich das nicht bieten lassen.

Beim vergleichsweise schwachen Problembewußtsein der Stadtverwaltung darf einen auch nicht wundern, dass bei den Ausweichquartieren jetzt Feuer am Dach ist. Die Sitzungvorlage zeigt, dass die Stadt mit leeren Händen dasteht. Für die Stadtbibliothek gibt es gar nichts – außer den Verweis auf die schwierige Lage auf dem Markt für Gewerbeimmobilien. Die große Lösung Paketposthalle kommt nicht mehr in Frage: die Post will nach AZ-Informationen das Gelände selbst weiter nutzen.

Besucherzahlen könnten einbrechen

Bleiben Riem und der Candidplatz, wo auf städtischen Flächen eine Philharmonie in Holz aufgestellt werden könnte. Das Baureferat ist gegen den Candidplatz – dort soll ein Parkhaus für das nahe Stadion und Tierparkbesucher gebaut werden. Bleibt das Gelände gegenüber der Messe in Riem am Olof-Palme-Platz. Die Stadtkämmerei würde das Gelände lieber zu Geld machen oder teuer vermieten. Die Münchner Philharmoniker befürchen so weit draußen einen drastischen Einbruch der Besucherzahlen, private Konzertveranstalter den wirtschaftlichen Zusammenbruch, weil internationale die Künstler dann halt lieber in der Elbphilharmonie auftreten und München auslassen.

Die Sitzungvorlage ist nur eine Momentaufnahme. Aber sie zeigt: Die Gasteig-Sanierung wird eine keine leichte Geburt. Das Problem der Ausweichquartiere hätte man früher angehen müssen. Und es hätte nicht geschadet, die Sanierung des städtischen Kulturzentrums mit den staatlichen Planungen für den neuen Saal im Werksviertel abzustimmen. Aber München bleibt nun mal München. Da wurstelt jeder vor sich hin. Bis es kracht.

 

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