Galerien in München: Daniel Blau Trüffelsuche im Bewährten

Der Galerist Daniel Blau mit zwei typischen Baileys. Foto: Petra Schramek

Junge Künstler entdecken, das können andere besser, findet Daniel Blau. Der Galerist nimmt lieber bekannte Größen unter die Lupe und findet Erstaunliches

 

Er hat es gar nie versucht: „Wenn man den Funken nicht hat, dann hat man ihn nicht.“ Punkt. Daniel Blau ist es leid, dauernd auf seine künstlerischen Ambitionen angesprochen zu werden. Und erst recht auf den berühmten Vater. Verständlich. Dabei sieht Blau exakt so aus wie der junge Georg Baselitz. Ein bisschen schmäler, feingliedriger. Dass er im Atelier am Boden kniet, um auf der Leinwand mit satten Farben zu fuhrwerken, kann man sich kaum vorstellen. Schon eher, wie der 51-Jährige in Büchern stöbert.

Überhaupt Bücher. Im Souterrain seiner Galerie am Odeonsplatz stehen die Regale dicht gefüllt hintereinander. Nicht nur mit Katalogen von Künstlern, die Blau seit gut zwanzig Jahren ausstellt – das reicht von den ersten Helden der Fotografie wie den Brüdern Bisson bis zu Markus Lüpertz, Marc Quinn oder Per Kirkeby. Sondern genauso Raffael, Michelangelo, Kunst aus Polynesien, die Blau selbst sammelt, oder dem Romantiker Philipp Otto Runge.

Der große Rothko war leider ein Reinfall

Wochenlang könnte man sich hier zurück ziehen und unter dem Fragment eines römischen Sarkophags und einer fast poetischen Warhol-Zeichnung recherchieren. Wäre Daniel Blau in der Lage, sich aufzusplitten, ein Teil würde ständig hier unten sitzen. Ein paar Meter weiter in der Staatsbibliothek oder in der British Library. Sich Wissen anzueignen, scheint das größte Vergnügen des gelernten Fotografen zu sein, dicht gefolgt vom Entdecken unbekannter Facetten einer vermeintlich ausgelutschten Sache.

„Mir fehlt das Urteilsvermögen für ganz junge Kunst“, gesteht Blau ganz offen. Besser sei er, bei bereits bestätigten Künstlern und Kunstrichtungen etwas in die Wahrnehmung zu rücken, das noch oder zur Zeit nicht gesehen wird. Auf den Arbeiten des 1990 gut 30-jährigen Außenseiters Karl-Heinz Schwind, sozusagen die ersten Galeristen-Versuche, ist er sitzen geblieben. Und selbst der berühmte Mark Rothko war ein Reinfall. Im Keller einer Bäckerei an der Belgradstraße habe das niemand ernst genommen. Mit den „Überraschungen“ lief’s dann schon besser, ab 1996 an der noblen Maximilianstraße, und Andy Warhol gehört da sicher zu Blaus Spezialfällen.

Nach wie vor sieht alle Welt in ihm den schrill-verklemmten Pop Artisten mit Perücke, der in seiner Factory permanent Party gefeiert hat. Für Blau, den Skeptiker mit Pullunder und Krawatte, war so ein fest gefrästes Image schon immer der Hinweis, genauer hinzuschauen. Und natürlich musste er auf einen sehr gebildeten, intensiven Künstler stoßen, der dauernd zeichnete, feinsinnig, suchend. Kurz nach dem Tod interessierte sich allerdings keiner für diese Seite Warhols. Was erst recht ein Grund war, Zeichnungen oder Bilder zu zeigen. Regelmäßig.

Polaroids von Heston als Affe

Das hat ihm das Vertrauen von Vincent Freemont und der Warhol Foundation eingebracht. Dass Blau sich in einem lange verschlossenen Stahlschrank voll unbekannter sehr früher Zeichnungen bedienen durfte – eine Auswahl wurde letzten Herbst in einer Schau der Graphischen Sammlung gezeigt –, kam also nicht von ungefähr. Dabei scharrte Christie’s bereits an der Tür.

Mit Warhols Papierarbeiten ist Blau jetzt auch auf der Tefaf in Maastricht vertreten, dann kommen die Foto-Messen in Los Angeles und New York, wo sein Bruder Anton Kern eine Galerie betreibt, im Juni schließlich die Art Basel, das Highlight. Amüsement schaut anders aus. „Geht man gerne auf den Strich?“, lautet der knappe Kommentar. Aber Messen seien immer wichtiger geworden, dort wird das Geld verdient, denn in der Galerie sei der Besucherstrom doch sehr überschaubar. In München wie in London am Hoxton Square, wo Blau seit 2011 eine Dependance führt.

Aus dem mittlerweile hippen Osten der Stadt kommt übrigens auch David Bailey. Dessen Fotografien sind seit gestern am Odeonsplatz zu sehen. Nicht die aktuellen, die der Künstler viel lieber gezeigt hätte, sondern ziemlich schräge Polaroids, die er erst nach längerem Bekneten rausrücken wollte. Vom Film „Planet der Affen“ mit Charlton Heston – abfotografiert vorm Fernseher. Und dazu Aufnahmen, die 1974 in Papua Neuguinea entstanden sind: Gesichter der Ureinwohner, die mal skeptisch, mal neugierig durch den typischen weißen Papierrahmen wie aus einem Fenster blicken. Ungemein authentisch, in wunderbar warmen Farben. Aber einfach schräg, nicht das, was man von David Bailey kennt. Oder: eine typische Daniel-Blau-Überraschung.

Galerie Daniel Blau, Odeonsplatz 12, Tel. 29 73 42, Öffnungszeiten Mo bis Fr von 11 bis 18 Uhr;
Aktuelle Ausstellung: Bailey - 70s Polaroids bis 3. Mai 2014

 

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