Galerien in München: Andreas Binder Kunst im richtigen Licht

Nach einem Berliner Intermezzo haben sich Veronika und Andreas Binder für das Lehel entschieden. Im Hintergrund eine Arbeit der Wiener Malerin Johanna Kandl. Foto: Petra Schramek

München ist der ideale Ort für ihre Galerie, da sind sich die Binders inzwischen sicher – und auch die Amerikaner schauen gerne vorbei

 

Sonnenlicht flutet durch die riesigen Fenster. Im Winter ist das wie Schokolade essen, und wahrscheinlich läuft die Serotonin-Bildung sofort auf Hochtouren. Guter Trick. Wer die Räume an der Knöbelstraße 27, gleich hinterm Völkerkundemuseum, betritt, mag sie so schnell nicht mehr verlassen.

Andreas Binder sieht das eher von der anderen Seite: „Im hellen Licht kommen die Bilder nicht immer perfekt zur Geltung.“ Aber natürlich weiß er, dass die Atmosphäre einer Galerie wichtig ist. Weniger, weil er nach der Schule eine Lehre zum Immobilienkaufmann über sich ergehen ließ, sondern vielmehr durch seine diversen Münchner Stationen. 1991 ging’s los an der Beethovenstraße im Klinikviertel, bald darauf kam es zum viel zu frühen Abstecher nach Berlin.

„Da war mein Mann seiner Zeit einfach voraus“, fasst Veronika Jeric-Binder die glücklose Phase zusammen. 1995, wenige Jahre nach der Wende, war dort alles wichtiger als Konzeptkunst von Matt Mullican oder die minimalistischen Feinsinnigkeiten eines Fred Sandback, der in Binders „Projekt Raum Berlin“ eine seiner letzten Installationen realisiert hat. Selbst für einen mit allen Wässerchen gewaschenen Galeristen eine Sternstunde. „Doch was nützt das, wenn man nix verkauft?“, kommentiert Binder das Intermezzo erfrischend offen.

Ohne internationale Auftritte geht's nicht

1999 wurden die Koffer wieder gepackt, um sich fortan ganz auf München zu konzentrieren – und gleich im Jahr darauf am idealen Standort im Lehel zu landen. Auch für Veronika Jeric, die nach dem Abitur in Ljubljana an die Isar zum Studieren gekommen war, ist das längst die Heimat. Als Kind zweier Opernsänger war sie viel unterwegs, Dresden, Berlin, dann wieder Slowenien. Das wollte sie ihren Kindern ersparen, „doch jetzt sind wir dauernd auf Messen“, erzählt die 40-jährige Mutter von zwei kleinen Buben.

Aber ohne die internationalen Auftritte geht’s nicht. 2005 auf der „Pulse Miami“ auszustellen, sei eine der besten Entscheidungen überhaupt gewesen. Seither haben die Binders einige amerikanische Kunden, die dann auch gerne mal in Europa vorbeischauen. Oder übers Internet nachkaufen, etwa Fotografie oder Grafik. Entscheidend sei trotz allem das persönliche Kennenlernen, das werde sich auch in Zukunft nicht ändern. „Dennoch müssen wir das gut abwägen, vier, fünf Tage Messe mit Standgebühr und allem Drum und Dran kosten uns 20- bis 25000 Euro.“ Was bedeutet, dass man für mindestens das Doppelte verkaufen sollte. Zwei, drei verhaute Messen könnten eine kleine Galerie schnell ruinieren.

Überhaupt hadert Binder mit dem Kunstmarkt: „Abgesehen von den irrwitzigen Summen, die Auktionshäuser wie Christie’s einfahren, geben die Leute lieber 100.000 Euro und deutlich mehr aus für etwas, das schon positioniert ist, als 5000 für etwas Unbekanntes.“ Alle wollten Sicherheiten. Da sei man früher experimentierfreudiger, mutiger gewesen.

Moderne Nomaden bevölkern die Galerie

Der 54-Jährige spielt auf seine Zeit bei Six Friedrich an. Schon während des Studiums kam er über deren Tochter Sixtina in die Kunstszene – und fand das sehr viel aufregender als Werbung und all das, was man als diplomierter Kommunikationswirt eben so macht. Sechs Jahre blieb er der Galerie verbunden, lernte das Metier gleich von der anspruchsvollen Seite kennen. Dann kam Ende der Achtziger ein Jahr in der von Six’ Ex-Mann Heiner Friedrich gegründeten Dia Art Foundation in New York. Und spätestens nach dieser Erfahrung war klar, dass die Kunst gewonnen hatte.

In der eigenen Galerie konzentriert sich Binder immer mehr auf Figuratives, zur Zeit bevölkern die modernen Nomaden der Wiener Malerin Johanna Kandl die Räume. Man kennt sich lange, hier stellt sie allerdings zum ersten Mal aus. Fortsetzung erwünscht. Zu den Langzeitkandidaten gehören dagegen der Fotokünstler und Akademiepräsident Dieter Rehm, Philipp Lachenmann, der Foto-, Film- und Objektkunst kombiniert, Richter-Schüler Matthias Meyer oder Stefan Hunstein, das Multitalent, das elegant zwischen Schauspiel, Fotografie und Literatur pendelt. Zwischendrin darf’s dann auch der auf die Spitze getriebene Realismus eines Ygal Ozeri sein, der in selbstvergessenen Stadtpark-Sirenen die gute alte Seele zu fassen sucht. Oder Anna Navasardian, eine 25-jährige Armenierin, die ihre Identitätsstudien in zeitloser Nähe zum Expressionismus der 20er Jahre auf die Leinwand bringt.

Wobei Binder durchaus ein Faible für die Abstrakten hegt. Unter den Jungen seien da aber kaum überzeugende Positionen zu finden. Doch wer weiß, was kommt, „man muss die Augen offen halten, dran bleiben“, sagt er. Und formuliert damit das Erfolgsrezept einer guten Galerie.

Galerie Andreas Binder, Knöbelstraße 27, Tel. 21 93 92 50;
Ausstellung Johanna Kandl „Guter Stoff“ bis 8. März 2014: Di bis Fr 10 – 18, Sa 11 bis 15 Uhr

 

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