Gala-Vorstellung auf Schalke Rotation bei den Bayern: James und das Teufelsrad

Neuzugang James Rodríguez ist bei Trainer Ancelotti wohl gesetzt, das heißt: Stars wie Müller, Robben, Ribéry, Coman und Thiago (v.l.) müssen sich hinten anstellen. Foto: dpa/firo/sampics/Augenklick/AZ-Montage

Der Neuzugang brilliert beim 3:0 der Bayern auf Schalke und ist bei Trainer Ancelotti wohl gesetzt. Für Stars wie Müller, Ribéry, Robben, Coman und Thiago bedeutet das höchste Rotationsgefahr.

München - "El tren", der Zug, hatte eine Urgewalt. Weil seine Torschüsse eine gewisse Streuung aufwiesen, bekam der Kolumbianer neben "El tren" noch einen zweiten Spitznamen: Der Entlauber. Die Bäume am Trainingsgelände an der Säbener Straße sahen früher nach Herbst aus als anderswo wenn Adolfo Valencia, heute 49, übte. Hin und wieder traf er auch das Tor, elf Mal in 26 Bundesliga-Einsätzen von August 1993 bis August 1994.

Mehr als 23 Jahre später war wieder ein Kolumbianer für die Bayern erfolgreich. Mit feinem Füßchen, nicht mit Urgewalt. Erster Startelf-Einsatz in der Bundesliga, erster Torschuss in der Bundesliga, erster Treffer: James Rodríguez ist angekommen. Der 26-Jährige war an allen drei Treffern beim 3:0 auf Schalke beteiligt. Erst holte der Linksfuß den Elfmeter nach Naldos Handspiel heraus, den Robert Lewandowski verwandelte. Tor Nummer zwei war sein platzierter Linksschuss, als er Schalkes Torhüter Fährmann ausguckte. Schließlich die formidable Lupfer-Flanke, mit der er das dritte Tor von Arturo Vidal vorbereitete.

Besonders Trainer Carlo Ancelotti, der sich für die Leihgabe von Real Madrid – Jahresgebühr 13 Millionen – stark gemacht hatte, jubelte leidenschaftlich, lobte ihn, gab aber zu bedenken: "Physisch ist er noch nicht bei 100 Prozent." Im Sommer war der Kolumbianer wegen einer Muskelverletzung vier Wochen ausgefallen.

Carlos Teufelsrad: Konkurrenzkampf bei den Bayern

Nun aber begeistert James, der WM-Torschützenkönig von 2014. Auch die Mitspieler. "Es macht Spaß, mit ihm zusammenzuspielen", sagte etwa der reinrotierte Sebastian Rudy, "er wollte immer den Ball haben." 97 Ballaktionen wurden gezählt, der zweitbeste Teamwert nach Rafinha (104). Mit James, seit Dienstag die erhoffte Verstärkung, hat Ancelotti nun noch mehr Möglichkeiten in der Offensive. Als Stoßstürmer und Vollstrecker ist Robert Lewandowski, bereits wieder mit sechs Treffern in den ersten fünf Liga-Partien, unumstritten.

Für die Rolle als hängende Spitze und die Flügel hat Ancelotti sechs Superstars: Neben James sind das: Thomas Müller, Thiago sowie Arjen Robben, Franck Ribéry und Kingsley Coman. Meist spielen in Ancelottis 4-2-3-1-System mit zwei defensiveren Akteuren im Mittelfeld (auf Schalke Rudy und Tolisso) nur drei der sechs Künstler. Angesichts der Dauerbelastung, schon am Freitag folgt das nächste Liga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (20:30 Uhr, Eurosport Player und im AZ-Liveticker), rotiert Ancelotti wie wild.

Alle Mann ab auf Carlos Teufelsrad – auch allzu verkrampftes Festhalten nutzt nichts, es erwischt jeden einmal. Robben fehlte nun wegen Grippe, aber auch Dauerspieler Thiago schaute Dienstag zunächst von draußen zu. Als einziger musste Franck Ribéry wie schon gegen Mainz (4:0) zwei Mal hintereinander auf die Bank, wurde auch nicht eingewechselt. Bei seinen 22 Pflichtspiel-Einsätzen 2017 spielte der Franzose lediglich fünf Mal durch.

Ist vielleicht doch etwas hängen geblieben zwischen Ancelotti und Ribéry nach dessen Trikotwurf vergangene Woche als wütende Reaktion auf seine Auswechslung gegen Anderlecht (3:0) oder hat Linksaußen-Herausforderer Coman einfach nur die bessere Form aktuell?

Auf Schalke rochierten die Reinrotierten in der Offensive sehr fluide wie man heute so schön sagt. Laut Thomas Müller gehe es für den Trainer darum, "dass man die Spieler dort positioniert, wo sie der Mannschaft am meisten bringen".

Lektion eins in Sachen Abstimmung verstanden. Für Fortgeschrittene klingt dies aus dem Munde Müller so: "Wenn der eine genau weiß, dass der andere den Schritt nach links macht, dann ziehe ich mit. In den letzten beiden Spielen haben wir das besser in den Griff bekommen." Warum? Man habe "viel drüber gesprochen". So einfach kann Fußball sein.

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