Gabriele Weishäupl im Geburtstags-Interview Wiesn-Chefin: "Bier? Eine Maß in 28 Jahren!"

Gabriele Weishäupl im Bier- und Oktoberfestmuseum mit einem antiken Karussellpferdl Foto: API/MichaelTinnefeld

Gabriele Weishäupl im Geburtstags-Interview über den Rausch, Frisur und die physische Herausforderungen für Dirndlträgerinnen.

München - Ein fesches Dirndl, die feurigen Haare hochgesteckt, dazu ein fröhliches Strahlen: So kennen und lieben die Leute Gabriele Weishäupl. Sie war Münchens erste Wiesn-Chefin (offiziell war sie von 1985 bis 2012 die Direktorin des Fremdenverkehrs- und später des Tourismusamtes und als Festleiterin verantwortlich für die Durchführung des Oktoberfestes), bis sie vor viereinhalb Jahren gehen musste. Am Faschingsdienstag wird die gebürtige Passauerin 70, feiert mit ihrem Sohn Emanuel (26) und 70 Freunden. Zeit für ein AZ-Gespäch im Oktoberfest-Museum über die letzten Geheimnisse.

AZ: Liebe Frau Weishäupl, jetzt müssen Sie uns bitte endlich Ihr größtes Geheimnis verraten...
GABI WEISHÄUPL: "... wie viele Dirndl ich hab?"

Genau!
"Also den Höchstbestand hatte ich natürlich während meiner Berufszeit. Die Zahl habe ich nie verraten, eigentlich aus Koketterie. Einen Mann würde man so etwas nie fragen. Mich hat die Dirndl-Frage immer genervt."

Haben Sie überhaupt je nachgezählt?
"Das schon. In München in meinem Keller habe ich immer noch einen umfangreichen Bestand. Obwohl ich mittlerweile viele verschenkt, verkauft und ausgemustert habe. In manche passe ich nicht mehr rein. Oben in meinem Penthouse in Solln ist der aktuelle Bestand, der aus etwa 15 Dirndln besteht. Damit ich nicht immer in den Keller muss, hab ich die Lieblings-Dirndl bei mir, das Haus hat nämlich keinen Lift. Der dritte Dirndl-Bestand ist im Keller meines Urgroßvaters im Bayerischen Wald. Da ist er immer noch."

Es gibt also drei Lager?
"Ja. Aber jede Frau weiß: Sobald man Bluse oder Schürze wechselt, schaut ein Dirndl aus wie neu."

Haute tragen viele Frauen ihr Dirndl ein Mal, dann muss das nächste her.
"Um Gottes Willen, das hätte ich mir gar nicht leisten können. Niemals. Als berufstätige alleinstehende und alleinerziehende Frau wäre ich niemals auf die Idee gekommen. Ich habe auch nie ein Dirndl geschenkt bekommen oder mir ausgeliehen. Die ersten Dirndl von mir kommen jetzt ins Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Ich bin jetzt also reif fürs Museum (lacht) Nein, im Ernst: Das ist eine schöne Ehre, ich freue mich."

Hat es Sie auch mal genervt, immer Dirndl zu tragen?
"Na, klar. Die Qual des Münchner Mieders kenne ich, es zwickt hier, da hängen Schnüre runter, du musst übers Festgelände laufen, ah, da habe ich innerlich schon oft geflucht. Und wie! Es ist eine physische Herausforderung. Es gab auch Nächte auf dem Oktoberfest, vor allem samstags, da habe ich Jeans getragen. Samstag war es oft zu voll, bis zu 500 000 Menschen auf dem Gelände, es herrschte eigentlich immer höchste Sicherheitsstufe, da überlegt man sich dann schon, ob man sich jetzt ein Prunk-Dirndl anziehen soll – und wozu?"

Die Jeans haben Sie aber nur heimlich getragen?
"Genau, das hat offiziell niemand mitgekriegt, auf offiziellen Terminen hatte ich natürlich immer Dirndl an."

Neben dem Dirndl ist die Hochsteck-Frisur Ihr Markenzeichen – stylen Sie die Haare selbst?
"Meinen Schopf mach ich selbst, klar. Das Schopferl passt immer zum Dirndl, offen trage ich meine Haare nie. Irgendwann hab ich mich für diesen Typus entschieden, seit fast 70 Jahren schau ich so aus und fühl mich wohl. Aber Ihnen kann ich es ja verraten: In Wahrheit habe ich glatte Haare etwa schulterlang, die halt runterhängen. Ich mach die dann so - tschuup! - hoch, Haarspray drauf und das hält."

Wie viel Maß Bier haben Sie je getrunken?
"Ganz ehrlich: Wenn man jeden Schluck, den ich in der Anzapfbox getrunken hab, zusammenrechnet, kommt vielleicht eine Maß raus in 28 Jahren."

Tatsächlich?
"Wirklich. Ich habe keinen Alkohol getrunken während der Wiesn."

Nie?
"Nein. Ich war eh nie eine Biertrinkerin. Auch wenn das kaum jemand ahnt oder glaubt. Ich trinke lieber Wein. Wenn, dann hab ich am letzten Wiesn-Abend ein Glaserl Rotwein getrunken. Sonst keinen Alk, das hätte ich 16 Tage lang gar nicht ausgehalten. Ich habe Wasser getrunken und Cola light."

Manch einer hält es nicht nüchtern auf der Wiesn aus.
"Das stimmt auch. Wenn du als einziger nüchtern im Zelt hockst, gehst du schnell wieder."

Waren Sie überhaupt jemals auf der Wiesn betrunken?
"Vor meinem Job als Wiesn-Chefin war ich schon mal angeheitert. Ganz am Anfang, als ich keinen Dienst mehr hatte, bin ich mit dem Hermann Memmel über die Wiesn gegangen. Ich hatte nix gegessen, die Aufregung war groß und ich war damals dünner als heute und hab weniger als er getrunken, aber es nicht so gut vertragen. Für mich war es dort sonst immer Arbeit, Pflicht und Verantwortung. Kein Ort, wo man sich wegzischt. Die einzige Versuchung waren für mich gebrannte Mandeln. Wenn ich da anfange, kann ich nicht aufhören."

Wie viele Wirte haben Sie in all den Jahren angemacht?
"Bissl angemacht? Also geflirtet, meinen Sie? Hmm."

Alle?
"Eher keiner. Nicht aus dem Bereich. Avancen kamen von keinem Wirt. Der einzige Verehrer in dem Sinne, der mich mit großer gentlemanhafter Attitüde behandelt hat, war der Willy Heide. Der kam mit Blumen, mit Pralinen, ganz vom alten Schlag. Der Roiderer dagegen war am Anfang richtig rotzig zu mir, dann haben wir uns bissl angenähert. Die Avancen kamen eher von außen, aus der Welt."

Haben Sie auf einen Wirt ein Auge geworfen?
"Na, nie. Ich hab mich nie für Wirte interessiert. Punkt, aus. Ich wollte auch nie Wirtin werden."

Wie muss denn der Mann sein, der Sie erobern kann?
"Ach, das ist jetzt ein bisserl spät im Leben, find ich."

Finde ich nicht. Es ist doch nie zu spät.
"Sie haben Recht. Vielleicht kommt ja doch noch wer. Heute ist so ein frühlingshafter Tag, ich habe mir vorhin schon gedacht beim Überqueren des Viktualienmarktes: Wo sind denn die netten Burschen?"

Und wo sind Sie – auf der Wiesn, oder?
"Auf der Wiesn, diesem hocherotischen Terrain, habe ich nicht geflirtet. Auch nachts daheim war ich in den zwei Wochen immer über Funk erreichbar, später übers Handy. In dieser Phase hatte ich nie erotische Interessen, aber davor und danach, ja, klar (lacht)"

In welche Männer verlieben Sie sich?
"Ich habe immer durchaus ein Beuteschema gehabt. Eher groß, eher dunkel, häufig Juristen. Und natürlich gut aussehend, doch, das muss schon sein. Und interessant."

Lieber schlau oder lustig?
"Lieber intelligent, aber zurückhaltend. Bloß kein Schwätzer, das hat mich schon immer gestört."

Muss er kochen können?
"Das ist mir wurscht, ich kann ja auch nicht kochen, aber organisier schon immer was. Verhungern muss an meiner Seite niemand. Nach der Wiesn konnte ich oft kein Fleisch mehr sehen, ich steh da eh nicht mehr so drauf, bin lieber eine Süße. Moment: Sie denken jetzt sicher: Während der Wiesn habe ich meist ohne Fleisch, ohne Bier, ohne Erotik gelebt, das klingt ja fürchterlich langweilig."

Der wichtigste Mann in Ihrem Leben heißt Emanuel, ist 26, der gerade seinen Master als Volkswirt in Wien macht. Was wünschen Sie sich von ihm?
!Eine Fußpflege. Frauen brauchen immer bestimmte Feuchtigkeitscreme oder eben eine Fußpflege, ich habe mir schon einen Gutschein besorgt, den er mir dann bezahlt und schenkt. So war mein Plan. Jetzt hat er aber leider gesagt, dass er mir den nicht schenken will, er möchte mich überraschen. Wahrscheinlich ist er einfach zu jung, um das Bedürfnis der alten Mama nach einer Fußpflege zu verstehen."

Wie gehen Sie selbst mit der 70 um?
"Zuerst habe ich mir gedacht, meine Güte, das ist ja uralt. Du bist eine Greisin. Aber wenn man plötzlich in dem Alter ist, empfindet man das natürlich nicht. Man ändert sich ja auch nicht grundlegend. Ich denke mir jetzt: Das ist schon ein langes Leben. Ich überlegte: Fliege ich weg oder lade ich, da ich das Glück habe, noch fit und beweglich zu sein, die Freunde ein, die mir verblieben sind, ein zu einer Feier."

Sie feiern lieber!
"Logo. Es gehen ja viele Menschen, wenn ein Amt geht. Eine traurige Erfahrung. Zwischen Weihnachten und Silvester habe ich eine Liste gemacht, an Menschen, die mir geblieben sind und die ich auch sehen mag - und das sind witzigerweise genau 70. Mehr als ich erst gedacht habe, das hat mich gefreut. Und jetzt freue ich mich auch auf die Party am Faschingsdienstag. Ich stehe zu meinem Alter, auch öffentlich - und lass es krachen.


Am Donnerstag lesen Sie: Wie sehr Gabi Weishäupl Ihr Ende als Wiesn-Chefin noch schmerzt, was Sie vom Wiesn-Zaun hält und wie Sie Uli Hoeneß und Paris Hilton einen Korb geben musste.

 

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