Fußball Koller soll Ösi-Kicker aus der Krise führen

Ein "akribischer Arbeiter" aus der Schweiz statt großer Fußball-Prominenz: Der frühere Bundesligatrainer Marcel Koller soll als Teamchef die erfolglose österreichische Nationalmannschaft aus der Krise führen.

 

Oberwart - "Wir haben aus einer Fülle guter Kandidaten den ausgesucht, der unser Anforderungsprofil am besten erfüllt", sagte der Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), Leo Windtner, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Oberwart.

Die Entscheidung überraschte auch Insider. Schließlich war der 50-jährige Schweizer nie unter den heißen Tipps wie Christoph Daum oder Andreas Herzog, die seit Wochen in österreichischen Blättern kursierten. Koller, der zuletzt den VfL Bochum und den 1. FC Köln trainiert hatte, wird gegen die Ukraine am 15. November in Lemberg seine Premiere geben. Sein Vertrag läuft zunächst zwei Jahre bis zum Ende der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

"Ich habe gesehen, dass das österreichische Team sehr guten Fußball spielt und dass junge Spieler dabei sind, die ihr Talent entwickeln können", begründete der Nachfolger von Didi Constantini sein Ja für die rot-weiß-roten Kicker. "Ich habe da Potenzial gesehen und glaube, dass wir gemeinsam einen guten Weg gehen können." Bei den abschließenden Spielen der EM-Qualifikation, in der Österreich nur noch rechnerische Chancen besitzt, wird am Freitag in Aserbaidschan und am 11. Oktober in Kasachstan noch Interimstrainer Willi Ruttensteiner auf der Bank sitzen.

"Für mich ist das eine super Sache", sagte Mittelfeldspieler Christian Fuchs, der unter Koller in Bochum gespielt hatte. "Ich kenne ihn als sehr ehrgeizigen Trainer, der gut mit jungen Spielern umgehen kann." Der Schalker bezeichnete die "gute Entscheidung" als "Überraschung": "Damit hat niemand gerechnet. Koller lässt offensiv spielen, will aber auch eine geordnete Defensive."

Koller hatte im November 2003 das Traineramt beim 1. FC Köln übernommen und war mit den Rheinländern als Tabellenletzter in die 2. Bundesliga abgestiegen. In der Saison 2005/06 führte er den VfL Bochum in das Fußball-Oberhaus und arbeitete bis zu seiner Entlassung im September 2009 überwiegend erfolgreich beim Revierclub. Danach war Koller immer wieder bei Bundesligaclubs als möglicher Trainerkandidat im Gespräch, blieb jedoch ohne Anstellung.

In Österreich übernimmt er nun eine Mannschaft, die nach mehreren Trainerwechseln den Weg aus der Krise sucht. Seit Herbert Prohaska die damalige rot-weiß-rote Elf zur WM-Endrunde 1998 in Frankreich führte, hat kein Teamchef mehr die Qualifikation für eine Welt- oder Europameisterschaft geschafft.

"Er ist ein akribischer Arbeiter und hat gezeigt, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft und junge Spieler zu entwickeln", freute sich Windtner über die anstehende Zusammenarbeit mit Koller. Bei Prohaska, der Herzog bevorzugte, stößt die Verpflichtung eines Schweizers hingegen auf Argwohn. "Es ist wahrscheinlich so, dass sich der Großteil im Land eine andere Entscheidung gewünscht hätte. Koller wird sich bisher nicht groß mit dem österreichischen Fußball beschäftigt haben", kritisierte die ÖFB-Legende.

 

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