Fundbüro am Airport Goldfisch oder Kettensäge: Was Urlauber verlieren

Während der Sommerferien stapeln sich die Gegenstände im Fundbüro des Münchner Airports. Neben Koffern und Handys landet hier auch Kurioses – zum Beispiel ein Goldfisch. Klicken Sie in der Bilderstrecke durch die kuriosesten Fundsachen. Foto: AZ

Während der Sommerferien stapeln sich die Gegenstände im Fundbüro des Münchner Airports. Neben Koffern und Handys landet hier auch Kurioses – zum Beispiel ein Goldfisch.

 

München - Wenn vor dem Abflug in den Urlaub das Lieblingskuscheltier verloren geht, ist das ein Albtraum für die Eltern. Die Ferien sind gelaufen. Und das Lieblingsspielzeug der Erwachsenen? Natürlich ihr Handy. Da bleibt am Münchner Flughafen jeden Tag eines liegen. Ebenso wie Gürtel. Wenn’s bei der Sicherheitskontrolle hoch her geht, vergisst so mancher Reisender, seinen Gürtel wieder umzuschnallen. Außerdem füllen Schlüssel, Laptops und allerhand IT-Spielzeug die Regale im Fundbüro. Dazwischen findet sich aber auch allerhand Absurdes.

Die AZ hat sich umgesehen. Autoteile, Motorsäge, Mikrowelle, Kinderquad: „Es gibt nichts, was der Mensch nicht mit sich herumträgt“, sagt Josef Rankl. Der 50-Jährige wundert sich deshalb auch über gar nichts mehr. Denn er ist seit 20 Jahren Leiter des Fundbüros im Flughafen. Hier werden im Jahr an die 70000 Gegenstände abgegeben. Und jedes Jahr werden es mehr. Vergleicht man das erste Halbjahr 2012 mit dem 2011 gibt’s schon einen Anstieg von 19,4 Prozent. Mit Beginn der Ferienzeit wurden im Juli 35 Prozent mehr Dinge abgegeben als im Juni. „Es gibt viele ehrliche Menschen, die auch sehr teure Sachen wie einen Laptop zu uns bringen“, sagt Rankl.

Allerdings verlaufen auch rund die Hälfte der Anfragen für verloren gegangene Dinge ins Leere. Sie wurden einfach vom Finder eingesteckt. Die Fundsachen werden erfasst, beschrieben und erhalten eine Registriernummer. Knapp die Hälfte werden wieder abgeholt. „Geldbörse, Handy und IT-Spielsachen werden meist wieder abgeholt. Und Persönliches wie die Pillendose der Großmutter oder Fotos“, sagt Rankl. Alles andere wird nach einem halben Jahr öffentlich versteigert. Die nächste Versteigerung ist am 8. September auf dem Erdinger Volksfest. Wie immer peitscht Auktionator Sepp Mittermeier, der Vater des Comedians Michael Mittermeier, die Menge an und sorgt für Volksfeststimmung.

Auf den Versteigerungslisten stehen unter anderem 42 Uhren, 25 Handys, elf Notebooks, zwei Spiegelreflexkameras, ein faltbarer Kleiderschrank, drei Motorsägen, ein Wasserkocher, Kinderwagen, Trommeln und sechs Überraschungskoffer. Die Geschichte des Brautkleides erzählt Josef Rankl zu gerne. Da hatten die neun Mitarbeiter das Fundbüros lange spekuliert, ob es die Braut einfach in die Ecke gehängt hat und stiften gegangen ist. Bis der verzweifelte Anruf aus Nürnberg kam. Dort wollte ein junges Paar, sie aus Bayern, er aus den USA Hochzeit feiern. Am Flughafen ging in der Hektik alles mit - bis auf das schöne weiße Kleid. Die Zeit drängte. Deshalb kam ein Mitarbeiter vom Fundbüro dem Brautpaar auf halber Strecke nach Nürnberg entgegen. Auf einem Rastplatz wurde das kostbare Weiß übergeben.

Auch Tiere werden am Flughafen vergessen. Bei entlaufenen Hunden melden sich die Besitzer meist rasch. Auch Katzen landen selten im Tierheim. Ein kleiner Goldfisch jedoch wurde nie abgeholt. Auf seinem Transportbehälter klebte noch das Preisschild. Das Fischfutter mussten die Fundbüro-Mitarbeiter extra für ihn kaufen. Einige Tage warteten sie, doch niemand schien den kleinen Kerl zu vermissen. Irgendwie entsorgen? Kam für die Mitarbeiter nicht in Frage. Sie brachten ihn an die Uni, in die Abteilung für Fische. Große Bargeldfunde und Steuer-CD’s sind keine Seltenheit.

„Wenn das Geld in einer Plastiktüte ist, dann macht man sich doch seine Gedanken. Aber meist ist es für einen Autokauf oder eine Reise ins Ausland“, sagt Rankl. Was für Bargeldsummen im Moment in seinem Lager liegen, will er nicht sagen. Klar, sonst ruft jeder an und behauptet, die 14500 Euro in der Tüte würden ihm gehören. Herrenlose Taschen und Koffer sorgen immer für Aufruhr. Dann wird erstmal die Bundespolizei gerufen, die den herrenlosen Gegenstand überprüft. Ist keine Bombe oder etwas ähnlich gefährliches drin, landet er beim Fundbüro. Hier leisten die Mitarbeiter Detektivarbeit und machen sich auf die Suche nach einem Adressbuch oder ähnlichem, das auf den Besitzer verweist.

Ist der Koffer nach einem halben Jahr immer noch da, dann wird er versteigert. Stark verschmutzte Wäsche wird allerdings vorher herausgenommen. Aus Rücksicht. Nicht, dass es dem neuen Kofferbesitzer beim ersten Öffnen die Schuhe auszieht.

 

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