Fuerteventura Wir sehen uns im Club

Robinson Club Esquinzo: Die Kids ziehen mit ihrem Robiniclub zum Burgenbauen an den Sandstrand. Foto: srt-Bild/H.W. Rodrian

 

(srt) Es ist früh um sechs Uhr, der Ferienclub schläft noch. Aber gut zwei Dutzend Gäste haben sich schon mal stabile Schuhe angezogen. Immer donnerstags bricht Kalle Purucker mit ihnen zur Sonnenaufgangswanderung auf den Mount Esquinzo auf.

Beim Start ist es noch dunkel. Nach einer knappen Stunde hat der stellvertretende Clubchef mit seinem kleinen Trupp die Bergkuppe erreicht. Gerade rechtzeitig: Langsam, ganz langsam schiebt sich der Sonnenball aus dem Atlantik hoch. Kalle entkorkt den Champagner und zeigt zum Horizont. Das da im Dunst ist Gran Canaria. Und direkt unter ihm, der üppig grüne Fleck in der Wüste, das ist der Club.

 

Poolspiele sind „out“, „in“ ist die Sonnenaufgangswanderung

Cluburlaub hat ja eine erstaunliche Entwicklung hinter sich: Zuerst trendiges Pionierprodukt der Reisebranche, war er zwischenzeitlich zur Dauerbespaßung mit dümmlichen Poolspielen verkommen und ins touristische Abseits geraten. Doch Poolspiele sind out, heute baut die Branche auf Erlebnisse wie die Sonnenaufgangs­wanderung mit Kalle. Und nirgendwo in Europa kann man das besser verfolgen  als an der Südspitze von Fuerteventura, wo auf fünf Kilometer Strandlinie vier Clubanlagen wetteifern.

Eine Palme wiegt sich vor dem Balkon, Glyzinien und Bougainvillea überranken die Geländer des Robinson Clubs Esquinzo: In der wüstenhaften Mondlandschaft Fuerteventuras wirkt die bunte Blumenwelt doppelt üppig. Aus dem Schwalbennest über der Balkontür zwitschert es. Und natürlich entfernt es niemand, der Club ist ja nachhaltig. Und naturnah: Der Clubchef hat extra einen Gartenführer erstellen lassen, in dem auf 120 Seiten sämtliche Blumen und Sträucher beschrieben werden - vom afrikanischen Tulpenbaum bis zur Hakenlilie, einer Zwiebelpflanze.

Natürlich fehlt auch der Drachenbaum nicht, das "lebende Fossil", das es nur auf den Kanarischen Inseln gibt. Ein schönes Exemplar steht im Club Esquinzo neben dem Atelier, wo dreizehnjährige Mädels hingebungsvoll Art-Deco-Muster auf Kopfkissenbezüge malen, um sie dann mit dem Schriftzug "Fuerteventura 2011" zu versehen.

 

So funktioniert Animation heute

Niemand wird gegen seinen Willen vom Liegestuhl gezogen. Stattdessen gibt es Nordic Walking am Strand, abends lauscht man einem Streichquartett auf der Yogawiese vor der Wellfit-Oase. Tagsüber versucht sich die Mama beim Seidenmalen oder "Body Mind Step", während Sohnemann beim Beachvolleyball aufschlägt und das halbwüchsige Töchterchen in der Zirkusschule Einradfahren übt. Für den bewegungshungrigen Papa gab's ja bereits die Bergwanderung und später am Tag dann Windsurfen satt.

Am Schachbrett macht sich Unruhe breit. Zwei Dutzend Kinder haben sich im Kreis aufgestellt, singen mit einer als Robbe verkleideten Animateurin im Chor das Lied vom springenden Känguru und vom "Robi mit der Sonnenbrille u-la-la". Ganz klar: Es ist Zeit zum Mittagessen.

 

Wellfood-Teller vom Feelgood-Kochteam

Essen kann man im Club ja eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Schließlich ist die auf Familien ausgerichtete Anlage "all-inclusive". Für Kinder gibt es also jeden Tag Pizza, Cola und Eis, bis der Magen streikt. So leicht hat es der F&B-Manager mit den Erwachsenen nicht. Sie werden umgarnt mit einem Schlaraffenland aus 50 laufenden Meter Buffet. Und Hummer. Den gibt es zwar nicht jeden Tag, aber eben doch einmal die Woche. Sonnenaufgangswanderer Kalle packt ihn höchstpersönlich auf die Teller. Diana vom Feelgood-Team rührt währenddessen in der Wok-Pfanne den Wellfood-Schlemmerdiät-Teller. Trotz Diät: Am dritten Tag mittags geht einfach nichts mehr rein. Na gut, dann heute eben nur ein Salat.

380 Zimmer fasst der Club, zu Schulferienzeiten ergibt das rund tausend Gäste. Wem das bahnhofshallengroße Hauptrestaurant dann zu unpersönlich wird, der schlendert halt erst nach zehn Uhr zum Langschläfer-Frühstück an die Gartenterrasse und meldet sich abends in einem der beiden Bedienungsrestaurants an. Für die meisten Gäste ist das längst Gewohnheit. Man kennt sich schließlich, ist eine große Familie. Erst gestern Abend sprach Clubchef Uwe Prein bei der Gästebegrüßung von 92 Prozent Wiederholungstätern.

 

Trotz All-inclusive: Emilios Strandkneipe läuft prima

Mittags bleiben viele aber auch einfach am Strand. So viele, dass es für Emilio, den Betreiber des privaten Strandrestaurants am Meer, gut ausreicht. So ist die Welt: Oben im Club wäre bereits alles bezahlt. Aber Emilios Paella und die "Sangria Schampan" gehen trotzdem gut.

Vielleicht liegt es am Fuerteventura-Feeling: Dazu gehören einfach Salz auf der Haut und Wind in den Haaren. Okay, auch etwas Sand zwischen den Zähnen. Obwohl wie überall in Spanien die Liegestühle extra bezahlt werden müssen, ist die Nachfrage groß. Am beliebtesten sind die Liegestühle in den Lavastein-Nestern am Hang. 

Er ist eben doch die ganz große Attraktion der Insel: der Strand. 20 Kilometer lang zieht sich die goldgelbe Playa de Sotavento die Halbinsel Jandia entlang. Sie ist wie gemacht für ausgedehnte Strandwanderungen mit oder ohne Badehose. Heute läuft man vielleicht nordwärts zur Costa Calma und weiter zur Lagune, wo die besten Windsurfer der Welt übers flache Wasser düsen. Und morgen dann in Südrichtung, vorbei am Magic-Life-Ferienclub und am Aldiana-Ferienclub zum anderen Robinson-Club vor Ort, Jandia Playa. Wer mag, der kann da auch Mittagessen oder sich an den Pool legen - die Hotel-Keycards öffnen auch die Tore zum jeweils anderen Club.

 

Gleich beginnt die Showtime

Es ist Abend geworden. Zeit für den All-inclusive-Cocktail an der Bar. Kaum jemand trägt hier ein Jackett, und trotzdem hat sich alles irgendwie fein gemacht: Die eine hat ein Tuch um die Schultern geschlungen, der andere einfach nur frisches Gel ins Haar getan. Gleich beginnt die Showtime, natürlich mit Clubchef Uwe Prein und seinem Stellvertreter Kalle in den Hauptrollen. Der gelernte Metzgermeister aus Kulmbach ist immer noch nicht im Bett, sondern zaubert gemeinsam mit zwei Dutzend Kollegen eine freie Interpretation des Ulk-Films "Der Schuh des Manitu" auf die Bühne.

Man sieht sich eben im Club - immer wieder. Auch nachher im Klassikkonzert auf der Yogawiese. Da steht der nette Surfer, der einem heute Nachmittag beim Anziehen des Anzugs geholfen hat. Jetzt trägt er einen Frack und ist der erste Geiger vom Streichquartett.

 

Service Cluburlaub

Die Ferienanlage Esquinzo gehört zur Kette der Robinson Clubs und ist dort auf Familienurlaub ausgerichtet. Sie ist das ganze Jahr über geöffnet, wurde 1991 erbaut und 2007 zuletzt generalrenoviert. Die 380 Zimmer liegen in zwei- bis dreigeschossigen Bettenhäusern am Hochufer etwa 30 Meter über Strand und Meer. Hinunter führt eine Treppe. Preis für 2 Wochen Flug, Transfer, Aufenthalt und All-inclusive-Verpflegung für eine Familie mit einem Kind bis 14 Jahre im August im Familienzimmer: ca. 2700 Euro. Im All-inclusive-Paket enthalten ist das Kinderprogramm, Wassersport (Windsurfen und Katamaransegeln, Verleih und Kurs) Tennis (zwölf Plätze) und die Wellfitanlage (Fitnessstudio, Sauna, Spa).

 

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