Für Vogts "Geheimfavorit" RB Leipzig will Champions League rocken

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl: "Wir wollen selbst die Erfahrungen sammeln. Da ist man wacher, da ist man scharf und fokussiert." Foto: dpa

Monaco statt Meuselwitz: Der rasante Aufstieg von Emporkömmling RB Leipzig hat mit dem Champions-League-Debüt seinen vorläufigen Höhepunkt. Leipzig feiert das Europacup-Comeback nach fast 30 Jahren.

 

Leipzig - Europa, wir kommen! Vor fünf Jahren spielte RB Leipzig noch in der Regionalliga gegen Meuselwitz, am Mittwoch feiert der Emporkömmling gegen den AS Monaco seine mit Spannung erwartete Premiere in der Champions League. Seinen unaufhaltsamen Aufstieg will der erst 2009 gegründete Klub auch in der Königsklasse fortsetzen - ein Fußballexperte traut den Bullen sogar den ganz großen Coup zu.

"Leipzig ist für mich der Geheimfavorit auf den Champions-League-Titel!", schrieb der frühere Bundestrainer Berti Vogts in seiner Kolumne bei t-online.de. Mit seinem Überfallfußball werde der Vizemeister auch die Königsklasse rocken: "Das sind einige große Vereine gar nicht mehr gewohnt. Das ist das Moderne, das ist RB Leipzig. Sie haben tolle Spieler."

Allen voran Timo Werner, der Vogts "an den jungen Lionel Messi" erinnert. Der 21 Jahre alte Nationalstürmer dürfte sich mit starken Auftritten in der Champions League noch interessanter für internationale Topklubs machen, schon jetzt soll Titelverteidiger Real Madrid erste Kontakte geknüpft haben. Die spanische Zeitung AS druckte den Angreifer groß auf ihrer Titelseite ab und schrieb: "Real nimmt Werner ins Visier"

RB reagiert nach außen gelassen auf die Gerüchte. "Wir spielen Champions League, wir bieten Timo damit die nächste Entwicklungsstufe", sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der Fußball-Talkrunde Sky90. Das gilt auch für alle anderen Spieler, denn nur zwei Kader der Gruppenphase haben weniger Champions-League-Erfahrung als der des Neulings.

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl hält das für einen Vorteil: "Wir wollen selbst die Erfahrungen sammeln. Da ist man wacher, da ist man scharf und fokussiert." Das soll zum Auftakt Monaco zu spüren bekommen. Die Chancen stehen gut, der französische Meister hat durch das Ausleihgeschäft von Sturmjuwel Kylian Mbappé, der kommende Saison endgültig für 180 Millionen Euro zu Paris St. Germain wechselt, und den Abgang anderer Leistungsträger viel Qualität eingebüßt.

Die Generalprobe setzte der Vorjahres-Halbfinalist beim 0:4 gegen OGC Nizza in den Sand. Dabei verletzte sich Thomas Lemar. Der französische Nationalspieler, für den der FC Arsenal im Sommer 100 Millionen Euro geboten hatte, fällt gegen Leipzig aus. Auch deswegen sagt RB-Geschäftsführer Ralf Rangnick: "Wenn wir unsere PS auf den Platz bringen, trauen wir uns zu, so ein Spiel zu gewinnen."

"...drückt de Pille rein"

Die Profis können den Anpfiff kaum erwarten. Offensivspieler Emil Forsberg freut sich vor allem "auf die Hymne kurz vor dem Anpfiff, bei der man ja Gänsehaut bekommt". Der Schwede dürfte nach einer Angina ebenso rechtzeitig fit werden wie Spielmacher Naby Keita (Adduktorenprobleme).

Mindestens genauso fiebern die Leipziger Fans dem Europapokal-Comeback entgegen. 1988 trotzte Stadtrivale Lok Leipzig dem SSC Neapel mit Diego Maradona ein 1:1 ab, danach verschwand die Messestadt für 29 Jahre von der internationalen Bühne. Noch gibt es für das Spiel gegen Monaco ein paar Restkarten. Das hat nach Klubangaben aber nichts mit fehlendem Interesse oder hohen Preisen zu tun, sondern man halte diese absichtlich zurück, um den Schwarzmarkt einzudämmen.

Das Champions-League-Fieber hat auch den Leipziger Dichter Jan Lindner gepackt. Er schrieb in der Leipziger Volkszeitung im Gedicht "Wellkamm Schämpiens Lieg" auf sächsisch zum RB-Debüt: "Dor Großraum Leipzich kricht sich nich mehr ein: Das middor Schämpiens Lieg is echt ä Draum. De Euphorie steht im Fünfmeedorraum, steigt hoch, nimmt Maß und drückt de Pille rein."

Voraussichtliche Aufstellungen

RB Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg - Kampl, Keita (Demme) - Sabitzer, Forsberg - Werner, Poulsen

AS Monaco: Subasic - Sidibé, Glik, Jemerson, Jorge - Joao Moutinho, Fabinho - Rony Lopes, Chezzal - Falcao, Diakhaby

Schiedsrichter: Oliver (England)

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