Für 230 Millionen Euro CSU-Vorschlag: Ein "Express-Tunnel" für Giesing

1.300 Meter lang soll die Express-Röhre werden, sie beginnt am Osram-Gelände und fädelt dann direkt in den McGraw-Graben ein. Wer auf den Mittleren Ring im Osten will, müsste dann über die Stadelheimer (statt Chiemgaustraße) fahren. Foto: imago, AZ-Montage

Eine neue Idee der CSU soll "Schwung in die Pläne" für einen Ringtunnel im Osten bringen. Die Röhre soll 1.300 Meter lang sein, 230 Millionen Euro kosten und täglich 90.000 Autos unter die Erde bringen.

Giesing - An die 111.000 Autos brettern am Mittleren Ring im Münchner Osten jeden Tag über die Candidauffahrt und die Candidbrücke. Ein Stück weiter an der Tegernseer Landstraße sind es mit rund 150.000 noch mehr. Ein Grauen an Lärm und Abgasen für die Anwohner dort.

An der Idee, hier mit einem Tunnel zu entlasten, hat die Stadt seit Jahren in diversen Varianten gebastelt. Jede beinhaltet so viele Bauprobleme und Umleitungs-Komplikationen, dass schon deshalb dieses Tunnelprojekt auf Jahre verschoben ist. Zuerst soll ohnehin die Röhre an der Landshuter Allee im Westen kommen.

Jetzt allerdings – knapp vor der Landtagswahl im Oktober – zaubert der CSU-Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz eine neue Idee aus dem Ärmel: den "Express-Tunnel Giesing", wie er ihn nennt. Den hat er am Mittwochabend bei einer Info-Veranstaltung den Bürgern in Giesing präsentiert.

Wie läuft der Express-Tunnel?

Er soll 1.300 Meter lang sein und von Untergiesing ab Höhe des ehemaligen Osram-Geländes direkt in den McGraw-Graben führen – ohne weitere Zu- und Abfahrten. "Damit umgehen wir das riesengroße Problem, wie an der Kreuzung Chiemgaustraße in den Tunnel eingefädelt werden könnte", so Lorenz.

Aus der Chiemgaustraße kommend, führe man also weiter oberirdisch wie bisher. Wer aus dem Osten kommend in den Tunnel einfädeln will, muss dann künftig über die parallel südlich verlaufende Stadelheimer Straße fahren.

Wieviele Autos verschwinden?

Rund 90.000 Fahrzeuge täglich, schätzt Verkehrsplaner Martin Vieregg, würden den "Express-Tunnel Giesing" nutzen – und damit an der Oberfläche wegfallen. Die Tegernseer Landstraße würde nach seinen Berechnungen um 60 Prozent vom Verkehr entlastet (das wären dann täglich nur noch rund 60.000 statt aktuell 150.000 Autos).

Auf der Candidauffahrt mit Candidbrücke würden sogar 82 Prozent weniger Fahrzeuge fahren (also nur noch rund 20.000 statt 111.000 Autos). "Das wäre eine enorme Verbesserung der Lebensqualität für die Anwohner", sagt Lorenz.

Wie sieht der Tunnel aus?

Verkehrsplaner Martin Vieregg vom Planungsbüro Vieregg-Rössler, der für Lorenz die technische Planung übernommen hat, schlägt einen 14 Meter hohen Doppelstock-Tunnel mit insgesamt vier Spuren vor. "Er soll in bergmännischer Bauweise im Schildvortriebsverfahren errichtet werden" sagt Vieregg. Also durch die Erde getrieben werden, ohne dass man die Oberfläche währenddessen öffnen muss.

Damit fielen komplizierte Umleitungen für den Verkehr während der Bauphase weg. Die Röhre läge in Untergiesing (etwa am Eckhaus Schönstraße) rund 20 Meter unterm Boden, im höher gelegenen Obergiesing (etwa am Wettersteinplatz) rund 40 Meter tief – und damit dort unter der U-Bahn.

Was soll der Tunnel kosten?

230 Millionen Euro kalkuliert Vieregg für den Express-Tunnel – das liegt ein ganzes Stück unter den 300 Millionen Euro, die bisher für andere Varianten geschätzt worden sind.

Und am McGraw-Graben?

Hier schlägt Vieregg vor, aus Kostengründen nicht zu überdeckeln (wie die Anwohner sich das wünschen). Sondern über dem bestehenden Graben "Glassegel" anzubringen. "Die würden die direkte Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner deutlich reduzieren", so der Verkehrsplaner.

"Das Konzept ist aber als Modulkonzept angelegt und kann erweitert werden", betont Lorenz. "Man könnte auch einen Deckel drauflegen und den Graben bis zum Waldrand verlängern. Kostet 45 Millionen Euro mehr."

Wie geht es weiter?

Andreas Lorenz will seine Idee nun an die Stadt München und SPD-OB Dieter Reiter weiterleiten. Der CSU-Fraktionschef im Rathaus, Manuel Pretzl, hat sich schon angetan von der neuen Röhrenvariante gezeigt. "Mit meiner pragmatischen Lösung kommt hoffentlich wieder Schwung in die Planungen", sagt Lorenz – und erwartet eine Grundsatzentscheidung für einen Giesinger Ringtunnel noch vor der nächsten Kommunalwahl im April 2020.

Verkehrsplaner Vieregg rechnet mit fünf Jahren Planungs- und weiteren fünf Jahren Bauzeit: "Wenn es gut liefe, könnten in zwölf bis 15 Jahren die ersten Autos durch einen Express-Tunnel fahren."

 

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