Frischling "Schnurli" Im Tierheim ist die Wildsau los

 Foto: Tierschutzverein München

Die junge Bache lag angefahren auf einer Landstraße, bis eine Tierfreundin sie fand - jetzt wartet das Mini-Wildschwein in Riem auf Gesellschaft.

 

Riem - Es grunzt, es gräbt und es hat ein ungemein großes Schmusebedürfnis: Schnurli, das Mini-Wildschwein, das seit dem Wochenende im Münchner Tierheim lebt. Eine Tierfreundin hatte den angefahrenen Frischling auf einer Landstraße bei Wessling (Kreis Starnberg) gefunden.

„Das kleine Wildschwein lag auf dem Mittelstreifen, hat sich aber noch bewegt“, erzählt Tanja Nitsche von der „Porzellanklinik Seefeld“. „Ich hatte Angst, dass einer drüberfährt. Deshalb habe ich angehalten und es mitgenommen.“ Der Frischling sei an diesem Sonntag Anfang Mai nicht viel größer gewesen als ihr West Highland White Terrier und maximal vier Wochen alt.

„Er hat nicht geblutet. Deshalb habe ich gedacht, dass er wohl innere Verletzungen hat.“ In ihrer Not bringt die Restaurateurin das winzige Wildschwein zu einem befreundeten Jäger, der verspricht, sich darum zu kümmern. „Ich habe auch andere Jäger um Hilfe gebeten, aber die wollten das Wildschwein alle gleich braten.“

Anders ihr Bekannter. Der ruft sie am nächsten Morgen an und hat gute Nachrichten. „Plötzlich war das Tierchen wieder quietschfidel. Es scheint nur einen Schlag auf den Kopf bekommen zu haben und betäubt gewesen zu sein.“

Der Jäger päppelt das vierbeinige Findelkind mit Maisbrei auf und baut ihm einen Auslauf. Allerdings buddelt sich Schnurli immer wieder nach draußen. Der Jäger stopft ein Loch nach dem anderen, bis nicht einmal das Wasser mehr einen Weg aus dem Gehege findet. Jetzt steht Schnurli im Matsch – und das ist auch keine Lösung.

Gemeinsam überlegen Tanja Nitsche und Schnurlis Ziehvaterr, was sie tun können. Sie fragen in Wildparks nach, im Märchenwald und bei der Sauschütt im Ebersberger Forst ob Schnurli nicht vielleicht dort unterkommen könnte. Die Antwort ist immer dieselbe: zu gefährlich. Die anderen, wildlebenden Schweine würden das domestizierte Ferkel verletzen oder gar töten. „Ein Schwein unterzubringen ist wirklich schwer“, seufzt Tanja Nitsche.

Schließlich hat sie doch noch Glück: Das Münchner Tierheim nimmt die junge Bache auf. Sie lebt dort jetzt zwischen Hühnern und Eseln. „Das freut mich für Schnurli“ sagt Tanja Nitsche. „Wildschweine sind Rottentiere und man hat schon gemerkt, wie einsam die Kleine ist. Sie kam immer gleich angelaufen und wollte kuscheln.“

Das Tierheim-Team sucht nun nach einem ebenfalls per Hand aufgezogenen Artgenossen, der Schnurli entweder in Riem Gesellschaft leistet, oder sie bei sich im Stall wohnen lässt.

 

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