Friedhöfe Ruheinseln im Großstadtmeer

Auf Reisen geht es oft hektisch zu. Eindrücke fremder Kulturen prasseln auf den Besucher ein, bei Städtereisen schlendert man häufig durch dichten Verkehr. Wie viel ruhiger ist es da auf den Friedhöfen, selbst in den großen Metropolen. Auf dem Green-Wood Cemetery in New York gibt es für Gäste geführte Touren im Elektrowagen. In den 600 000 Gräbern befinden sich viele Prominente. Eher schlicht ist dabei der flache Grabstein des Komponisten Leonard Bernstein, der am „Liberty Path“ neben Ehefrau Felicia und Schwester Shirley ruht. Samuel Morse, Erfinder des nach ihm benannten Alphabets, liegt weiter östlich.

 

John Matthews, der mit Hilfe von Kohlensäure sprudelnde Getränke auf den Markt brachte, ließ sich für die damals enorme Summe von 30 000 Dollar eine Minikathedrale mit Wasserspeiern errichten. Ironischerweise zersetzt der saure Regen das Bauwerk, letztlich die gleiche Substanz, wie sie sich in Matthews’ Getränkeflaschen befand. Der vielleicht berühmteste Friedhof der Welt findet sich in Kalifornien. Im Forest Lawn Memorial Park, nicht weit von den Hollywood Hills bei Los Angeles, sind mehr Filmgrößen begraben als irgendwo sonst. Und tatsächlich wirkt die Anlage wie eine Mischung aus Vergnügungspark und Fernsehkulisse. Die meisten Besucher, pro Jahr rund eine Million, gehen auf die Suche nach den Grabmalen ihrer Idole. Neben Clark Gable, Spencer Tracy, Sammy Davis Jr. und Nat King Cole hat auch der „King of Pop“ Michael Jackson hier ein pompöses Mausoleum.

Der Geist Stalins trauert nachts am Grab seiner zweiten Frau

Schon zu Sowjetzeiten wurde der jahrhundertealte Nowodewitschi-Friedhof in Moskau zum Ehrenfriedhof umgewidmet. Wer im hektischen Moskau eine Minute der Besinnung benötigt, spaziert auf den verschlungenen Wegen über die Fläche an der Moskwa, die einst zum Nowodewitschi-Kloster gehörte, das heute Unesco-Welterbe ist. Zwischenzeitlich wurden die prominenten Toten vor allzu aufdringlichen Schaulustigen geschützt, heute aber steht der Friedhof wieder allen Besuchern offen. Besonders hoch in der Gunst der Besucher steht das Grabmal für Nadeschda Allilujewa, der zweiten Ehefrau des Diktators Josef Stalin. Sie beging mit 31 Jahren Selbstmord. Ihre Büste aus Marmor befindet sich in einem hohen Glaskasten, und es heißt, der Geist Stalins komme nachts hierher, um um seine Liebe zu trauern.

Überraschend zurückhaltend präsentiert sich das Denkmal auf dem Grab des Sowjet-Staatschefs Nikita Chruschtschow, gestaltet von Ernst Neiswestny, das schwarz und weiß im Grünen steht. Sonst dominiert meist monumentaler Prunk. Prächtig geht es in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise zu. Würdevolle Mausoleen und vornehme Alleen prägen das Bild. Und immer wieder Grabsteine oder Tafeln mit berühmten Namen: Die Schriftsteller Oscar Wilde, Marcel Proust und Honoré de Balzac haben ebenso ihre letzte Ruhe auf dem ausgedehnten Gelände gefunden wie Edith Piaf und Maria Callas, die Komponisten George Bizet und Frédéric Chopin oder der Maler Max Ernst. Weniger Ruhe gab es lange um das Grab von Jim Morrison, Frontmann der Kultband The Doors. Inzwischen hatte die Verwaltung ein Einsehen - ein Metallgitter schützt die Gedenkstätte.

Wer in Berlin den Waldfriedhof Heerstraße besucht, der stößt zwischen marmornen Engeln und klassischen Mausoleen unter anderem auf die kugelige Skulptur auf dem Grab des Bildhauers Günter Anlauf, auf den Bücherstapel auf der Ruhestätte des Autors Melvin Lasky oder auf den schlichten Koffer auf dem Grabstein des Designers Christian Chruxin. Wie eine Auflistung des Who’s who der deutschen Kulturszene liest sich das Verzeichnis der auf dem kleinen Friedhof Bogenhausen in München Bestatteten. Da taucht der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder ebenso auf wie der Schauspieler Helmut Fischer alias Monaco Franze, der Schriftsteller Erich Kästner ebenso wie der Volksschauspieler Walter Sedlmayr.

Und dann ist da noch der „größte Parkfriedhof der Welt“ in Hamburg-Ohlsdorf. Fast 400 Hektar umfasst die Anlage, zugleich größte Grünfläche der Hansestadt, die mit 25 000 meist alten Bäumen, vielen Teichen und Bächen sowie seltenen Tieren aufwarten kann. So haben Eisvogel und Waldkauz dort ein Heim gefunden und lassen sich an ruhigen Tagen beobachten. Unter den Gräbern finden Tierfreunde ein ganz besonderes mit dem Namen Carl Hagenbeck. Auf der Ruhestätte des Zoogründers ruht ein großer Löwe.

 

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