Friedenskonzert Bayrisches Staatsorchester in Kaschmir: das Volk bleibt draußen

Für den „inneren Frieden“ – das Bayerische Staatsorchester unter Lei- tung von Zubin Mehta beim Konzert im Shalimar-Garten. Foto: Khan/dpa

Aufruhr beim Konzert Zubin Mehtas mit dem Bayerischen Staatsorchester in Kaschmir – Intendant Bachler spricht Klartext.

 

Mit Beethoven, Haydn und Tschaikowsky wollte der indische Dirigent Zubin Mehta am Samstag den Menschen in Srinagar „inneren Frieden“ bringen. Der langjährige Generalmusikdirektor der Münchner Staatsoper reiste mit dem Bayerischen Staatsorchester in die seit 1947 zwischen Indien und Pakistan umstrittene Krisenregion. Vor dem Konzert riefen muslimische Kleriker zum Boykott des Konzerts auf.

Der Kaschmirkonflikt besteht seit der Gründung von Indien (1947) und Pakistan (1940) – nach deren Loslösung vom britischen Empire. Beide Staaten erheben Anspruch auf die Grenzregion. Hari Singh, der 1961 verstorbene Maharaja von Kaschmir, betrieb den Anschluss an Indien, während die zu 80 Prozent muslimische Bevölkerung zu Pakistan tendierte.

1948 eroberte Indien zwei Drittel von Kaschmir. In diesem Krieg bekämpften sich moslemische Aufständige, pathanische Stammeskrieger, die Truppen des Maharadschas von Kaschmir, Indien und Pakistan.

Im Juli 1949 wird eine bis heute von UN-Beobachtern kontrollierten Waffenstillstandslinie durch Kaschmir gezogen. 1965 und 1971 wurden um das Gebiet Kriege geführt. Die Lage beruhigte sich, seit 1999 ist der Streit zwischen beiden Atommächten erneut ausgebrochen. Nach dem Überfall muslimischer Rebellen auf indische Soldaten Anfang August hat sich das Verhältnis verschlechtert. Zahlreiche Separatistengruppen kämpfen für einen eigenen Staat.

AZ: Herr Bachler, wie haben Sie das Konzert erlebt?

NIKOLAUS BACHLER: Um es klar zu sagen: Es war eine wunderbare Idee von Zubin Mehta und ein großartiges Konzert des Staatsorchesters. Leider hat der profilierungssüchtige deutsche Botschafter das Konzert in ein VIP-Event mit lauter geladenen Gästen umgemünzt. Und das fällt diesem Steiner nun auf den Kopf. Aber der ist ja bekannt, googeln Sie den nur mal!

Michael Steiner war Sicherheitsberater von Kanzler Gerhard Schröder. Er hat 2001 auf dem Moskauer Flughafen einen deutschen Oberfeldwebel als „Arschloch“ beschimpft und wollte von Soldaten Kaviar serviert haben. Danach musste er zurücktreten.

Dieser Steiner ist kein Diplomat, sondern ein Elefant im Porzellanladen. Er redet von der Kunst, aber sie interessiert ihn überhaupt nicht. Man musste nur die Einladungen anschauen, die sahen aus, als sei es ein Konzert des Bundespräsidenten. Auf der ersten Seite des Programmhefts war gleich ein Riesenfoto des Botschafters. Eine amerikanische Journalistin meinte: „Der Herr Botschafter ist wohl im Wahlkampf.“

Auf aktuellen Fotos sind Checkpoints mit vielen Uniformierten zu sehen. Wie gefährlich ist Srinagar?

Man kann da ganz normal auf die Straße gehen. Ich habe Kaschmir als wunderbares, friedliches Land erlebt, mit großartigen Menschen. Natürlich ist da viel Militär, aber der ganze Sicherheitsaufwand vor dem Konzert wurde vor allem wegen der eingeladenen VIPs betrieben, die da mit großen Limousinen vorfuhren.

Die Bevölkerung war also ausgeschlossen.

Ich bin seit einer Woche in Srinagar und habe die Zeitungsartikel und Fernsehdiskussionen verfolgt. Die Leute haben sich wirklich auf dieses Konzert gefreut, aber sie wollten kein politisches Elite-Event.

Deshalb also die Proteste?

Es kann nicht die Botschaft der Kunst sein, ein abgeschottetes Konzert zu machen, das die Leute ausschließt.

Wo fand das Konzert statt?

Das Staatsorchester spielte in den Moghul-Gärten vor einem historischen Badehaus vor etwa 1500 geladenen Zuhörern. Das ist für ein Open-air ohnehin wenig. In den Garten hätten ohne weiteres 30000 Leute gepasst.

Und wie fand Zubin Mehta das alles?

Er ist ein sensibler Mensch, und es war sein Traum, in Srinagar aufzutreten. Zubin Mehta hat in seiner Ansprache vor den Konzert versprochen, das nächste Mal für alle Kaschmiri im Fußballstadion zu spielen. Das war als Kritik eigentlich deutlich genug.

 

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