Freinacht in München Mit Klopapier und Laubsägen

Ein Ei am Boden: Über Scherze dieser Art lässt sich noch schmunzeln Foto: dpa

Zugesperrte Häuser im Allgäu, gefällte Maibäume in Franken, eine Prügelei bei Dachau, Eierwerfer in Pasing und Randalierer im Glockenbachviertel: Die Bilanz der Freinacht in Bayern

 

MÜNCHEN - 4500 Euro und ein handfester Schnupfen – das kostet einen 15-Jährigen sein Übermut in der Freinacht. Um der Polizei zu entwischen, sprang der Schüler in den eiskalten Glockenbach.
Zusammen mit zwei Freunden zog der Bub randalierend durch die Isarvorstadt. In der Ehrengut- und der Wittelsbacherstraße demolierten sie neun geparkte Autos. Mit Anlauf traten sie an den Fahrzeugen die Außenspiegel ab – bis ein Zeuge auf die Jugendlichen aufmerksam wurde und die Polizei rief.

Zwei der Schüler wurden an Ort und Stelle von einer Streife erwischt. Der Dritte versuchte, mit einem beherzten Sprung in den Glockenbach zu entkommen. Doch er hatte Pech. Wenig später saß er schlotternd und nass bis auf die Knochen in einem Streifenwagen. Den Sachschaden an den Autos schätzt die Polizei auf mindestens 4500 Euro.

Solche und ähnliche Einsätze hatte die Münchner Polizei in der Freinacht insgesamt 67 Mal. Besonders betroffen waren der Westen und Osten der Stadt. Jugendliche bewarfen Häuser mit Eiern, verzierten Autos mit Rasierschaum oder wickelten Verkehrsschilder und geparkte Wagen mit Toilettenpapier ein.

Völlig aus dem Ruder lief die Freinacht in Inning am Ammersee. Dort feuerte ein 44-Jähriger mit einer Schreckschusswaffe auf Jugendliche – nur, weil die Teenager an seinem Anwesen vorbeigingen.
An einem Badeweiher bei Haimhausen im Kreis Dachau prügelten sich rund 30 Jugendliche. Vier Personen wurden dabei leicht verletzt.

Ein 15 Jahre alter Betrunkener hängte sich an eine S-Bahn nach Dachau und fiel am Bahnhof Markt Indersdorf vom Zug. Er erlitt Prellungen und Schürfwunden.

Am Klostersee in Ebersberg trafen sich rund 300 Jugendliche und verwandelten die Grünfläche in eine Partyzone. Der Park war danach laut Polizei nicht mehr wiederzuerkennen.

In ganz Bayern musste die Polizei zu mehreren hundert Einsätzen ausrücken. Alleine im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt registrierte die Einsatzzentrale rund 200 Notrufe. Der Schwerpunkt lag in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau. Der Sachschaden beträgt insgesamt rund 8000 Euro.

Auch im Allgäu ließen es etliche Freinachtler kräftig krachen. 238 Mal rückte die Polizei aus. In Ettringen (Unterallgäu) kam ein 44-Jähriger nicht mehr in sein Haus. Unbekannte hatten den Eingang mit einem Surfbrett, Ski, Reifen, einem Fahrrad und anderem Gerümpel verbarrikadiert. Das alles hatten sie aus einem nahe gelegenen Schuppen gestohlen.

In Franken machten manche nicht einmal vor bayerischem Brauchtum halt: Dort wurden mehrere Maibäume angesägt. In Rentweinsdorf (Kreis Haßberge) kippte ein geschmückter Baum auf das Dach des Feuerwehrhauses und beschädigte die dort angebrachte Stromleitung. In Zell am Ebersberg fiel der angesägte Maibaum direkt auf ein Feuerwehrauto. 

 

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