Freigang für den Ex-Bayern-Chef Uli Hoeneß: erste Tage als Freigänger

Uli Hoeneß feiert seinen Geburtstag daheim am Tegernsee. Foto: dpa/az

Der Ex-Bayern-Chef wird heute 63 Jahre alt – und darf tagsüber in sein Haus am Tegernsee.

 

München Das neue Jahr beginnt vielversprechend für Uli Hoeneß: neue Freiheiten in der Haft, ein neuer Job beim FC Bayern und sogar eine Feier im Kreis seiner Lieben. 63 Jahre alt wird der Ex-Bayern-Chef am Montag – seinen Geburtstag wird er mit Familie und Freunden in seinem Haus am Tegernsee feiern. Ab Mittwoch wird er sich ganz seiner neuen Aufgabe widmen, der Nachwuchsarbeit des FC Bayern. Einen ersten Besuch hat der 63-Jährige seinem alten und neuen Arbeitsplatz an der Säbener Straße bereits abgestattet.

Normalerweise muss Hoeneß jeden Tag spätestens um 18 Uhr wieder in seiner neuen Haftanstalt in Rothenburg bei Andechs sein. Als Freigänger kann er tagsüber arbeiten, wird aber nachts weiterhin eingeschlossen. Zu seinem Geburtstag heute soll er einen längeren Ausgang bewilligt bekommen haben. Lange feiern wird er allerdings nicht können: Nach dem Familienfest hat der neue Ausbilder beim FC Bayern einiges anzupacken.

Hoeneß wird täglich zur Arbeit gefahren

Angefangen hat er damit schon: Gleich an seinem ersten Tag als Freigänger letzte Woche war Hoeneß zur Vereinszentrale des Rekordmeisters gefahren – beziehungsweise, hatte sich fahren lassen. Der FC Bayern stellt Hoeneß einen Fahrer im Audi (zur Tarnung mit Nürnberger Kennzeichen) zu Verfügung, der ihn nun täglich 40 Kilometer von Rothenfeld nach München bringen wird.

Der Grund: Sollte Hoeneß ein Fahrfehler unterlaufen, kann die JVA ihm das negativ auslegen. Der Fahrer ist also eine Vorsichtsmaßnahme.

Gegen 9 Uhr traf der neue Macher in Sachen Nachwuchsarbeit an der Säbener Straße ein, berichtet die „Bild“-Zeitung. Dort erwarteten ihn neue Aufgaben – allerdings am alten Arbeitsplatz. Hoeneß bezog sein altes Büro im zweiten Stock, Wand an Wand mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer.

Mit Rummenigge führte Hoeneß am Freitagnachmittag gleich sein erstes längeres Gespräch. Der Inhalt ist nicht bekannt, mit Sicherheit ging es teilweise um die Nachwuchsarbeit.

In der Profi-Liga Weltklasse - beim Nachwuchs hapert's

Dafür spricht, dass am Freitag bereits zwei weitere wichtige Mitarbeiter aus diesem Bereich bei Hoeneß einen Termin hatten: der sportliche Leiter des Juniorteams Michael Tarnat und U16-Trainer Sebastian Dremmler.

Zu tun gibt es genug: In der Profi-Liga sind die Bayern Weltklasse, bei den Jüngeren hapert es jedoch seit Jahren. Der letzte Meistertitel der A-Jugend ist zehn Jahre her, stattdessen gewannen Hoffenheim, Wolfsburg oder Schalke. Auch beim deutschen Titelgewinn bei der U19-Europameisterschaft im Sommer 2014 wirkte kein einziger Kicker aus dem Bayern-Kader mit.

Statt nach dem Motto „Mia san Mia“ selbst junge Talente, wie noch Thomas Müller oder Holger Badstuber, aufzubauen und auszubilden, war der Kern der Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren eher eine Abwerb-Arbeit. Joshua Kimmich (19), der im Sommer vom VfB Stuttgart zu Bayern kommt, hat angeblich sieben Millionen Euro gekostet.

Hoeneß soll Nachwuchsarbeit umkrempeln

Hoeneß soll die Nachwuchsarbeit jetzt umkrempeln und die Bayern auch bei den jüngeren Kickern wieder auf Erfolgskurs bringen. Teil dieser Strategie: das neue Nachwuchsleistungszentrum, das in der Nähe der Allianz-Arena gebaut wird. An der Ingolstädter Straße soll bis 2017 ein neues Klubzentrum für den Rekord-Meister entstehen. Das Projekt stockt derzeit etwas, Uli Hoeneß soll jedoch neuen Schwung in die Unternehmung bringen.

Der graue Klotz auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße, in dem die Jugendabteilung bislang ihre Büros hat, ist überfüllt. An Arbeit mangelt es dem Freigänger nicht.

 

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