Freie Wähler äußern sich Express-Tunnel durch Giesing: "Die dümmste Idee"

1.300 Meter lang soll die Express-Röhre werden, sie beginnt am Osram-Gelände und fädelt dann direkt in den McGraw-Graben ein. Wer auf den Mittleren Ring im Osten will, müsste dann über die Stadelheimer (statt Chiemgaustraße) fahren. Foto: imago, AZ-Montage

Die Freien Wähler halten nichts von der Idee und verweisen auf ihr eigenes Konzept.

Giesing - "Ich halte das für das dümmste Tunnelkonzept, das ich seit langem gesehen habe", Michael Piazolo, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler für München, ist nicht besonders angetan vom Vorschlag des sogenannten Express-Tunnels, den sein CSU-Landtagskollege Andreas Lorenz in der vergangenen Woche vorgestellt hat.

Das ist die Variante "mit der geringsten verkehrlichen Entlastung und schafft nur neue Probleme", sagt Piazolo. "Nachher wären nach einer Investition von 230 Millionen Euro plus X mehr Menschen von Lärm betroffen als vorher. Man schafft einen zweiten Mittleren Ring." Damit meint Piazolo die Stadelheimer Straße, die in dem Tunnelkonzept eine wichtige Rolle spielt.

Zur Erinnerung: Der Express-Tunnel, so die Idee, soll in Untergiesing am ehemaligen Osram-Gelände etwa an der Schönstraße beginnen und dann ohne Aus- oder Zufahrt in den McGraw-Graben münden, ohne Anschluss an die Chiemgaustraße, sprich den Mittleren Ring. Wer aus dem Osten in den Tunnel will, muss wegen dieses fehlenden Anschlusses über die Stadelheimer Straße statt der Chiemgaustraße fahren.

Freie Wähler haben eigenes Tunnel-Konzept für Giesing

Genau das ist einer der Punkte, die Piazolo stören: Für die Anwohner der Stadelheimer Straße wäre das eine zusätzliche Belastung, gegebenenfalls müsste diese sogar teilweise ausgebaut werden. Für die Chiemgaustraße wäre die Entlastung dabei trotzdem nur gering, ebenso wie für die Tegernseer Landstraße. Laut dem Konzept fahren dort dann aber immer noch an die 60.000 Autos täglich. "Wir bauen einen neuen Tunnel, lassen die Tegernseer Landstraße aber so wie sie ist. Das verstehe ich nicht", sagt Piazolo.

Nicht bedacht worden sei außerdem die Einfädelsituation am Osram-Gelände, die wegen der schon vorhandenen Abzweigungen extrem schwierig werden dürfte. Dass der Tunnel außerdem auch unter Wohnhäusern gegraben würde, dazu, so Piazolo, habe man überhaupt noch nichts gehört. Dabei wäre hier möglicherweise das Eigentumsrecht betroffen, Verzögerungen oder gar Klagen drohen.

Die Freien Wähler hatten 2014 selbst ein Tunnel-Konzept für Giesing vorgelegt - ebenfalls mit dem Verkehrsplaner Martin Vieregg, wie auch jetzt die Idee des Express-Tunnels. Das sah einen kreuzungsfreien Mittleren Ring vor, eine Lösung inklusive Chiemgau-, Tegernseer Landstraße und Innsbrucker Ring. Dort gebe es schon jetzt immer einen Rückstau, deshalb schwebt den Freien Wählern auch dort eine Untertunnelung vor. "Unser Plan geht am weitesten und ist deshalb natürlich auch teuerer", sagt Piazolo.

Das Konzept hatten die Freien Wähler der Stadt auch vorgelegt, dort läge die Priorität aber bei der Landshuter Allee.

Zudem habe die Stadt selbst schon einmal eine Tunnel-Variante angedacht, wenn auch in schlankerer Form, nämlich mit einer Verlängerung des Candidtunnels.

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