Freibeträge beachten, Riester abschließen Steuern, Elterngeld, Krankenkasse: So sichern sich Familien mit kleinen Kindern Vorteile

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MÜNCHEN Kinder sind teuer. Bis der Nachwuchs volljährig ist, zahlen Eltern im Schnitt 120 000 Euro. Umso wichtiger, alle Vorteile zu nutzen, die Eltern zustehen.

Lohnsteuerkarte optimieren. Das Elterngeld wird maximal 14 Monate nach dem Mutterschaftsurlaub gezahlt und richtet sich danach, wie viel Mutter und Vater in dem Jahr vor der Geburt ihres Kindes netto verdient haben. Diese Bezüge lassen sich oft einfach durch Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte steigern: Anstatt außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben oder Werbungskosten erst in der Steuererklärung anzugeben, einfach die Karte von der Personalabteilung aushändigen lassen, den Antrag aus dem Internet herunterladen und alles beim Finanzamt einreichen. Auch ein Durchschnittsverdiener, der Kirchensteuer zahlt und 30 Kilometer zur Arbeit pendelt oder ein Arbeitszimmer absetzen kann, erhöht so den Verdienst um 100 oder 200 Euro – und kassiert später mehr Elterngeld.

Auf zum Standesamt! Steuerberater sagen: Heiraten lohnt immer. Das ist nicht romantisch, gilt aber umso mehr für Paare, die eine Familie gründen. Wenn schon früh feststeht, dass ein Elternteil nach der Geburt des Kindes deutlich länger Elterngeld beziehen möchte, kann dieser nun die günstige Steuerklasse III wählen. Der Effekt ist derselbe wie bei den Freibeträgen: Ihm bleibt vor der Geburt des Kindes mehr netto vom brutto, das Elterngeld steigt. Die Summe, die der Partner, der nun die Steuerklasse V hat, zu viel an den Fiskus zahlt, können sich die Eltern später bei der Steuererklärung zurückholen. Der Münchner Steuerberater Tobias Gerauer vom Lohnsteuerhilfeverein Bayern sagt allerdings: „Die Eltern müssen gut durchrechnen, ob sie es sich leisten können, vor der Geburt die Steuerklassen zu wechseln.” Denn dem Partner mit der Klasse V bleibt ja im Gegenzug erstmal deutlich weniger Geld – und das trifft in dieser Konstellation oft den Haupternährer. Außerdem gilt: Wer in die Steuerklasse V wechselt und später arbeitslos oder arbeitsunfähig wird, erhält im Fall des Falles weniger Arbeitslosen- respektive Krankengeld. Und schließlich ist Elterngeld zwar steuerfrei, aber es gilt der sogenannte Progressionsvorbehalt. Das heißt, Elterngeld erhöht den Prozentsatz, mit dem Lohn oder Gehalt zu versteuern sind. Besonders Alleinerziehende kann es böse überraschen, wenn es nach Abgabe der Steuererklärung heißt: bitte nachzahlen.

Belege sammeln. Ausgaben für Untersuchungen, Medikamente und Vitaminpräparate, Geburtsvorbereitungskurs oder Hebammensprechstunde sowie die Fahrt mit dem Taxi ins Krankenhaus können Mütter als außergewöhnliche Belastung absetzen, sofern die Kasse die Kosten nicht übernimmt und sie über der Grenze der zumutbaren Belastung liegen. Diese Grenze beträgt je nach Einkommen, Familienstand und Anzahl der Kinder ein bis sieben Prozent. Ein Arzt, Heilpraktiker oder die Hebamme muss die Rechnung gestellt oder die Notwendigkeit attestiert haben.

Riestern. Wer Kinder hat, profitiert auf jeden Fall. Schließlich steuert der Bund für jeden Riester-Sparer 154 Euro und für jedes seit 2007 geborene Kind zusätzlich 300 Euro bei. Und wenn das Einkommen im Jahr der Geburt wegen Elternzeit und/oder Teilzeitbeschäftigung schrumpft, sinkt auch der eigene Pflichtbeitrag zum Riester-Rente. Wer gar nichts verdient, muss im folgenden Jahr nur noch den jährlichen Mindestbetrag von 60 Euro leisten. Wichtig: Wenn ein Kind geboren wird, zahlt der Staat drei Jahre lang für die Mutter in die gesetzliche Rentenkasse ein, als ob die Mutter durchschnittlich verdienen würde. Dadurch wird für die Mutter in Bezug auf den Riester-Vertrag aus der mittelbaren eine unmittelbare Förderberechtigung. Für Frauen, die bisher ohne eigene Einzahlungen gefördert wurden, weil ihr Mann geriestert hat, heißt das: Sie gelten jetzt als „unmittelbar” zulagenberechtigt und müssen ebenfalls pro Jahr mindestens 60 Euro einzahlen.

Kindergeld beantragen, der Krankenkasse Bescheid geben. Der Antrag fürs Kindergeld – herunterzuladen auf der Internetseite der Agentur für Arbeit – ist einfach auszufüllen; wenig später überweist die Familienkasse monatlich 184 Euro. Auch die Anmeldung bei der Krankenkasse ist meist unproblematisch. Das Kind ist bei dem Elternteil, der das höhere Einkommen hat, zu versichern.

Elterngeld: Es kommt auf den Geburtstag an! Eine Falle, in die viele tappen: Elterngeld beantragt man für Lebensmonate des Kindes. Ein Beispiel: Wird ein Kind am 15. Februar geboren, dauern seine Lebensmonate immer vom 15. Tag des einen bis zum 14. Tag des nächsten Monats. Wenn nun die Mutter für fünf Monate, bis einschließlich 14. Juli, Elterngeld beantragt, aber am 1. Juli wieder in den Job zurückkehrt, verspielt sie ihren Anspruch auf Elterngeld für den halben Juli, denn er wird mit dem Einkommen verrechnet. Umgekehrt hätte sie einen halben Monat kein Einkommen, wenn sie erst am 1. August wieder zur Arbeit erscheint.

Betreuungskosten geltend machen. Wenn Mutter und Vater arbeiten, können sie bis zu zwei Drittel der Gebühren für eine Kinderbetreuung steuerlich geltend machen, maximal 4000 Euro jährlich. Arbeitet nur ein Elternteil, ist das erst möglich, wenn das Kind drei Jahre alt ist. Derzeit ist ein Verfahren beim Bundesfinanzhof anhängig, ob es rechtmäßig ist, dass nur zwei Drittel der Kosten durchgehen. Eltern sollten darauf achten, dass ihr Steuerbescheid einen Vorläufigkeitsvermerk trägt.

 
 

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