Fraunhoferstraße markiert München: Mehr Platz für Radler - Streifen, die spalten

Einen roten Anstrich bekommt der neue Radweg in der Fraunhoferstraße noch – dann ist er fertig. Foto: Bernd Wackerbauer

In der Fraunhoferstraße schimpfen Ladenbetreiber über den neuen Radweg. Die Radlfahrer selbst sind sich angesichts der Testmarkierung uneins.

 

München - Ohrenbetäubend ist die Lautstärke am Dienstagmorgen in der Fraunhoferstraße. Und das liegt nicht einmal am Durchgangsverkehr. Die Lautstärke verursacht das Fahrzeug, das die Bodenmarkierung vornimmt: Die Markierung des Radlstreifens, der zunächst ein Jahr lang getestet werden soll.

Die Arbeiten gehen flott voran. Am Mittag waren die Streifen in beide Fahrtrichtungen schon aufgemalt. Auch die blauen runden Radlerhinweise auf dem Boden waren bereits aufgeklebt und eingebrannt, der rote Anstrich folgte rasch. Passanten schauen neugierig, doch die meisten Radler interessieren sich noch nicht für "ihre" neue Zone. Sie rauschen einfach wenige Zentimeter parallel zur Tramschiene die Meile entlang.

"Ja, ja, die Radler können hier schon fahren!", sagt der junge Mann, der das Markierfahrzeug bedient. Auch die ortsansässigen Händler trauen der neuen Situation noch nicht. Sie fürchten, dass die wegfallenden Parkplätze ihnen mehr schaden als nützen. "Mein Freund muss sich jetzt ein bisschen mehr beeilen beim Entladen morgens", sagt Sabine Huber, Ladenbesitzerin des "Coffeshops", die jeden Morgen frisches Gemüse und Blumen geliefert bekommt. "Wir werden weiterhin hier stehen." Es gebe keine Alternative.

"Leute mit Geschäften haben große Existenzängste"

Ähnlich ist es beim Drogeriemarkt Rossmann. "Klar ist es bescheuert", erzählt eine Verkäuferin. "Aber wir stellen uns trotzdem hin." Da der Markt im März ausziehe, sei die Sorge nicht so groß.

Gewiss: Die anderen Ladenbesitzer können so nicht denken. "Die Leute mit Geschäften hier haben große Existenzängste", berichtet Franz Huemer, Inhaber des Spätkiosks und Spirituosenladens "Szenedrinks". Er ist enttäuscht, dass Anwohner und Gewerbetreibende nicht gefragt wurden – die unmittelbar Betroffenen.

Auch die Unterschriftensammlung, die 400 Anwohner umfasst, sei nicht berücksichtigt worden. "Man hätte sich wenigstens zusammensetzen können", sagt Huemer. Denn grundsätzlich seien nur wenige gegen den Radlweg. Viele befürworten mehr Platz für Radfahrer und weniger Autos in der engen Straße.

Fraunhoferstraße: Kritik am Vorgehen der Stadt

Das Problem sei vielmehr, wie die Stadt vorgegangen sei. "Einerseits sehe ich es als Radfahrer natürlich positiv", sagt ein Anwohner. "Andererseits sehe ich die schwierige Situation der Cafébesitzer."

Der Wirt des "Caffettino", der nicht namentlich erwähnt werden möchte, beklagt, dass in der Klenzestraße bislang keine Anlieferzone geschaffen wurde. "So wird uns nichts anderes übrig bleiben, als weiterhin vor der Tür zu be- und entladen", sagt er. "Das macht die Situation auch für die Radfahrer nicht besser." Sie müssten dann ausweichen und geraten in die Bahn von Autos und Tram. So sei am Ende keinem geholfen, am wenigsten den Radlern.

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Claudius Blum (Hausmeister): "Das ist ein guter Ansatz, den Radfahrern mehr Platz zu geben. Es ist allerdings alles noch nicht so gut koordiniert. Das sieht man, wenn man – wie ich – als Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Was da los ist, ist ein Wahnsinn. Mir tun hier auch die Anwohner leid, die jetzt noch weniger Parkplätze haben."

Wiktoria Kharbech (Passantin in der Fraunhoferstraße): "Ich finde, der Radlstreifen ist eine tolle Idee. Er wird von den Radlern hier aber noch gar nicht wahrgenommen. Dafür bräuchte es wohl rote Farbe in der Radlzone – wie in der Schwanthalerstraße. Aber ich frage mich: Warum fahren immer noch Lkw durch die Fraunhoferstraße? Das ist das eigentliche Problem! Und ein Tempolimit. Das wäre sinnvoller."

André Bahlo (Inhaber der Pescheria): "Wir brauchen hier eine 30er-Zone. Man muss die Geschwindigkeit begrenzen. Das wäre eine sinnvolle Lösung für die Fraunhoferstraße. Ein Radlstreifen ist zumindest der richtige Weg. Wenn Parkplätze wegfallen, merken die Leute, dass sie anders in die Stadt kommen müssen, zum Beispiel mit dem E-Bike. Das müsste subventioniert werden."

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