Franz Xaver Bogner im Interview "Tatort"-Kommissar Leitmayr könnte in L.A. landen

"München 7"-Team: Florian Karlheim (Felix Kandler, li.), Luise Kinseher (Thekla Eichenseer), Regisseur Franz X. Bogner (Mitte), Christine Neubauer (Elfi Pollinger) und Andreas Giebel (Xaver Bartl) Foto: ARD/Günther Reisp

"München 7" geht in eine neue Runde. Im Interview verrät Franz Xaver Bogner, ob Christine Neubauers Privatleben am Set eine Rolle spielte, wie er sich mit Helmut Dietl versteht und wie das Ende des BR-"Tatort"-Kommissars sein könnte.

 

"Familie Meier" (1981-1983), "Irgendwie und Sowieso" (1986), "Zur Freiheit" (1987-1988), "Café Meineid" (1990-2003) und "München 7" (seit 2003) - vor allem bei letzerer Kult-Serie ist so gut wie alles von dem bayerischen Filmemacher Franz Xaver Bogner (65): Buch, Regie und die gesamte Endbearbeitung. Und weil er "nichts davon aus der Hand geben möchte", wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten hat, dauert es eben auch mal "a bissl länger", bis die nächste Staffel starten kann. Am morgigen Mittwoch ist es endlich so weit: 16 neue Folgen der Vorabendserie werden immer mittwochs um 18.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Ob Christine Neubauers private Turbulenzen einen Einfluss auf die Dreharbeiten hatten, wie das Verhältnis zum anderen Bayerische-Serien-Schwergewicht Helmut Dietl ("Monaco Franze", "Kir Royal") ist und welches Ende er "Tatort"-Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) wünschen würde, hat Bogner ebenfalls erklärt.

Ihre aktuelle Serie "München 7" läuft am morgigen Mittwoch wieder an. Gibt es dieses bayerische München noch?

Franz Xaver Bogner: Dieses München ist in der Tat mein Traum-München. Also gibt es das bei mir. Tatsächlich ist es aber so, dass man diese Art von Sprache nicht mehr überall in München findet. Am Markt und in Neuperlach aber in jedem Fall.

Wie oft ziehen Sie um die Häuser, um Neues zu erfahren?

Bogner: Um an den Menschen dranzubleiben und damit im Leben drinzubleiben, muss man dorthin gehen, wo sie sind. In die Geschäfte, in den Bus und in die S-Bahn, in die Straßen und auf die Plätze. Man muss verhindern, dass man alt wird. Dafür sorgen bei mir meine Familie und meine Kinder.

Die Masche der Trickbetrüger ist eine geniale Idee. Wie kommen Sie auf sowas?

Bogner: Ich war ja jahrelang mit dem Herzen auf der anderen Seite. Bei den kleinen Betrügern und Alltagsgaunern. "München 7" ist meine erste Polizisten-Serie. Ich kenn jetzt also beide Seiten und bin einmal mit Herz und Hirn da und dann wieder da. Und dabei kommt man so auf dies und das. Beidseitig.

Wie schwer ist es, sich so viele neue Fälle auszudenken?

Bogner: Ich denke mir keine Fälle aus, sondern ich denke sie weiter. Das heißt, jeden Fall, der als Kern für Geschichten in "München 7" und übrigens früher auch bei "Café Meineid" dient, hat es so einmal in Realität gegeben. Somit bin ich immer auf die Dummheit, Dreistigkeit oder aber die Verwegenheit der meist kleinen Gauner, die Schnelligkeit der Polizei und die Aufmerksamkeit der Zeitungsreporter angewiesen.

Besonders skrupellos sind die Gangster zu einer pflegebedürftigen Dame. Machen Sie sich privat Gedanken über das Alter oder verlagern Sie das in den Job?

Bogner: Ich verlagere sogar die Frage, wie alles endet, in den Beruf. In einen Zustand zu geraten, wie es bei der Frau in der "München 7"-Folge "Täuschungen" der Fall ist, ist für mich eine grauenvolle Vorstellung. In der Tat sollte man ab einem bestimmten Alter genauer darüber nachdenken...

Sind Sie schon mal Opfer geworden?

Bogner: Nein. Aus dem einfachen Grund, weil ich die Leute an der Tür meistens in so lange Gespräche verwickle, dass sie irgendwann freiwillig und entnervt gehen. Dies gilt für falsche Geldsammler, für Religionsfanatiker und auch für falsche Polizisten. Außerdem hätten sie bei mir das Problem, dass ich ganz genau weiß, wie ein Polizeiausweis aussieht.

Wie ist Ihr Verhältnis zum anderen Bayerische-Serien-Schwergewicht Helmut Dietl ("Monaco Franze", "Kir Royal")?

Bogner: Helmut Dietl ist so ein großartiger Schreiber und Filmemacher, ein Vorkämpfer für die bayerische Serie, dass man schon ganz schön klein sein müsste, um dies nicht neidlos anzuerkennen.

Gab es Austausch oder waren Sie eher Konkurrenten?

Bogner: Wir waren keine Konkurrenten, sondern ich bin ihm nachgefolgt.

Wie viel oder wenig müssen Sie als Regisseur Schauspielerinnen wie Christine Neubauer, Monika Gruber und Luise Kinseher sagen?

Bogner: Ich habe immer das Glück, dass ich die Hauptrollen besetzen kann, bevor ich die Bücher schreibe. Das heißt, am Set unterhält man sich dann nur noch über Kleinigkeiten und Nuancen.

Gerade Christine Neubauer hat große Umstrukturierungen im Privatleben hinter sich gebracht. Merkt man sowas am Set?

Bogner: Ich habe seit jeher ein gutes Verhältnis mit und zu Christine Neubauer. Ich weiß ziemlich gut und genau wie es ihr geht, ohne dass sie darüber viel erzählen muss. Weil sie aber im besten Sinne des Wortes Profi ist, tritt ihr Privatleben bei der Arbeit in den Hintergrund. Gott sei Dank. Für sie.

Apropos, Sie haben vier Kinder. Hat sich eines davon auch für die Filmbranche entschieden?

Bogner: Meine vier Kinder sind ganz weit von meinem Beruf weg. Mein Sohn aus erster Ehe ist Betriebswirt. Meine älteste Tochter ist Unfallchirurgin, Leon studiert Jura und die jüngste Tochter Felicitas studiert Germanistik und Soziologie. Das sind die drei aus meiner jetzigen Ehe. Keiner kam von sich aus nur im entferntesten auf die Idee, in mein Fach zu gehen. Darüber bin ich froh. Sie haben genau das gewählt, wonach Ihnen das Herz und der Verstand standen.

Was sind Ihre heiligen Termine im Münchner Jahreskalender: Wiesn, Viktualienmarkt-Fasching, Nockherberg oder ganz etwas anderes?

Bogner: Jeder Tag, den ich ohne Arbeit mit meiner Frau und den Kindern verbringen kann.

Was halten Sie von Wiesn- oder Faschingsflirts?

Bogner: Gar nichts. Das bringt in den meisten Fällen nur Probleme. Da ich keinen Alkohol trinke, kann ich so kleinbürgerliche Exzesse echt nicht nachvollziehen.

Zum Schluss noch eine Frage an den Drehbuch-Experten: Udo Wachtveitl (Kommissar Franz Leitmayr) hat spot on news gesagt, dass er sich etwas ganz besonders für seinen "Tatort"-Abgang ausgedacht hat, so er denn irgendwann einmal kommen wird. Was würde Ihnen gefallen: Tod, Auswanderung oder Rente?

Bogner: Ich wünsche ihm, dass er im Zusammenhang mit einem schweren Gewaltverbrechen durch seine Beweisführung und Ermittlungsarbeit eine schöne hauptverdächtige Frau entlastet, sich dabei in sie verliebt und mit ihr und ihrem Geld in eine Villa nach San Fernando Valley zieht. Damit er von da aus immer wieder nach Los Angeles fahren kann, um in einem dortigen Studio richtig gut E-Gitarre spielen zu lernen. Liebe ist schöner als Mord. Sollte es so oder auch nur ähnlich kommen, dann erhebe ich Urheberansprüche...

 

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