Franz Beckenbauer "Ein Testament ist bereits hinterlegt"

Franz Beckenbauer blickt zurück – und hat Tipps für Lahm, Ballack und Matthäus parat

 

MÜNCHEN - Kurz vor seinem 66. Geburtstag am 11. September war er wieder einmal in Plauderlaune: Franz Beckenbauer (66), Ehrenpräsident des FC Bayern und Lichtgestalt wider Willen („Mit diesem Etikett kann ich genauso wenig anfangen wie mit Kaiser”), hat sich in „Bunte” über Themen geäußert, die über den Fußball hinaus gehen. Der 66-jährige Ex-Nationalspieler, der sich selbst als Typ „ganz okay” findet und über sein bisheriges Leben sagt: „Es hätte nicht besser sein können”, sprach über:

Udo Jürgens’ Lied „Mit 66 Jahren”: „Nichts als Augenwischerei. Tatsache ist, es zwickt hier, es zwickt da. Alles tut weh. Dennoch versuche ich, jeden Tag zu genießen und mich über die Zeit zu retten. Und dann denkst du an 80 plus und fragst dich, lohnt es sich, so alt zu werden. Du wirst immer kleiner, deine Zweifel immer größer. Ein Testament ist bereits hinterlegt. Keiner kommt zu kurz.”



Den Tod seiner Mutter: „Sie war der Dreh- und Angelpunkt der Familie Beckenbauer, sorgte dafür, dass auch meine Ex-Frauen Teil der Familie blieben. Seit sie tot ist, hinterfrage ich mich bei wichtigen Schritten oft: Was würde Mutter davon halten?”

Gefühle im Alter: „Man ist wachsamer. Fliegt der Vogel von links nach rechts oder umgekehrt? Wonach riecht der Wald? Wie plätschert der Bach? Natur weckt die Sinne.”

Seinen peinlichsten Moment: „Bei der WM in Südafrika wartete ich in Durban eine schlappe Viertelstunde auf den Hotellift. Es gab keine Treppe und wir hatten es sehr eilig. Als der Lift endlich stoppte, habe ich beim Reingehen geflucht wie ein Giesinger Kesselflicker. Eine vornehme Lady drehte sich um und lächelte mich an: die Königin von Spanien. ich stotterte: Sorry, sorry, sorry. Abends, als ihr Land Weltmeister geworden war, sagte Majestät zu mir: ,Keine Entschuldigung mehr! Ich liebe Emotionen!’”

Lothar Matthäus’ Probleme, als Trainer einen Bundesligaklub zu finden: „Fachlich hat Lothar alles drauf. Vielleicht fürchten die Bundesligabosse, dass seine jungen Freundinnen den Spielern den Kopf verdrehen könnten.”

Philipp Lahms Buch: „Er war schlecht beraten. Fußballer sollen Tore schießen und Eigentore verhindern.”

Die noch immer vollen Haare des bereits 66-jährigen Ex-Kollegen Günter Netzer: „Der ist weniger gelaufen als ich, musste sich also nicht so oft die Haare waschen. Allerdings trug auch mein Vater schon mit 40 einen spärlichen Haarkranz.”

Das Internet: „Das ist eher ein Fluch! Würde ich mich mit diesem ganzen Infozeug vollpumpen, wäre ich längst geisteskrank.”

Glück: „Ich zitiere aus meinem ,Das Buch Franz’: ,Wir leben in einem Paradies, aber der Endlichkeit entkommt keiner. Deshalb sollten wir nicht jammern, sondern uns das Leben schön machen. Auch wenn die Seele weiterlebt – golfen kann sie nicht.’”

 

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