Frankfurter Badesalz-Comedian im AZ-Interview „Es fällt schwer, Bayern noch zu verteufeln“

„Frankfurt’s Stolz“: Henni Nachtsheim im Stadion des FC Barcelona mit einem Shirt der Eintracht-Legenden Grabowski und Hölzenbein. Foto: privat

Henni Nachtsheim, Comedian von Badesalz und großer Fan von Eintracht Frankfurt , spricht in der AZ über die Liebe zu seinem Klub und wie Müller, Neuer, Hummels & Co. die Bayern sympathisch machen

 

Seit 34 Jahren steht das hessische Comedy-Duo Badesalz (Henni Nachtsheim und Gerd Knebel) gemeinsam auf der Bühne. Nachtsheim ist großer Fan von Eintracht Frankfurt. Die AZ hat ihn zum Interview getroffen.

AZ: Herr Nachtsheim, Ihr Münchner Kollege Willy Astor hat kürzlich behauptet, dass Sie, der große Eintracht-Fan, früher eigentlich Bayern-Mitglied waren. Wie wollen Sie das in Frankfurt erklären?
HENNI NACHTSHEIM: (lacht) Das ist natürlich voll dreist, das hat er sich einfach ausgedacht. Das ist faktisch komplett falsch!

Also haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, Bayern-Fan zu werden?
Nein, nie. Es ist ja nichts Neues, dass der Verein zu einem selbst kommt. Wenn ich überhaupt mal gefährdet war, dann wegen dem 1. FC Köln, weil ich als Junge Wolfgang Overath so bewundert habe. Aber dann hat Köln hier in Frankfurt gespielt, es war mein erstes Bundesliga-Spiel im Stadion, und ich habe Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein bei der Eintracht gesehen. An diesem Tag habe ich meinen Glauben gewechselt. Das war so, wie wenn der Protestant zum Buddhisten wird.

Was hat Sie an der Eintracht fasziniert?
Es waren diese Spieler wie Grabowski, Bernd Nickel, Hölzenbein, Charly Körbel, die mich in ihren Bann gezogen haben. Damals sind die Leute ja auch viel länger in ihren Vereinen geblieben, das waren Identifikationsfiguren für uns. Grabowski hat so gespielt, wie ich als Junge gerne gespielt hätte: Dieses Streicheln des Balles, diese unheimlich guten Flanken. Ich habe auch Rechtsaußen gespielt, er war mein Vorbild. Vor sieben oder acht Jahren habe ich ihn dann auch endlich kennengelernt, und ich schwöre, ich war aufgeregt wie ein Teenie. Ich war völlig nervös, als er vor mir stand. Aber er hat mir dann gesagt, dass er großer Badesalz-Fan ist. Das hat es mir leichter gemacht.

Gerd Knebel, der andere Part von Badesalz, mit dem Sie nun schon seit 34 Jahren zusammenarbeiten, ist nicht als großer Eintracht-Fan bekannt.
Nee, der Gerd ist Sympathisant, natürlich als Frankfurter Bub, aber auch mir zuliebe! Aber er ist einfach kein Fußballfreak, den Fanatismus, den ich habe, hat er nicht. Er interessiert sich eher für Boxen.

Haben Sie denn persönlichen Kontakt zu aktuellen oder ehemaligen Spielern?
Zu den aktuellen eher weniger. Alex Meier habe ich vor einigen Monaten mal getroffen bei einem Benefizspiel, da war auch Jay-Jay Okocha dabei. Früher war das noch anders, da gab es richtige Freundschaften wie mit Andy Möller. Der hat mich mal kurz vor einer Premiere angerufen und gesagt, dass die ganze Mannschaft vorbeikommen will. Da haben wir dann vor der Reihe eins noch schnell die Reihe null aufgebaut für meine Helden. (lacht)

War das auch Ihr schönstes Fan-Erlebnis?
Ein anderes Erlebnis hat mich noch mehr geprägt, es hatte mit Liebeskummer zu tun.

Jetzt wird’s spannend.
Ich hatte gerade wahnsinnigen Stress mit einer Freundin, in die ich sehr verliebt war, aber da wurde nichts draus. Ich fand das hochdramatisch, ich war wirklich total deprimiert. Meine Mutter hat mich dann getröstet, mir 25 D-Mark gegeben und gesagt: Komm’, geh’ zur Eintracht auf die Tribüne, die spielen doch heute. Und ausgerechnet an dem Tag, als ich traurig da saß, gewann die Eintracht 9:2 gegen Werder Bremen. Als ich aus dem Stadion raus bin, wusste ich gar nicht mehr, wie das Mädchen hieß. Aber die Torschützen der Eintracht weiß ich noch heute! Das war ein geiles Erlebnis.

Was ist eigentlich schlimmer für Sie: Der FC Bayern oder Kickers Offenbach?
Mit den Kickers und der Eintracht ist es ja fast ein bisschen wie ein Glaubenskrieg. Ich bedauere, dass die inzwischen so weit weg sind von uns (Regionalliga, Anm. d. Red.), die Derbys waren immer großartig, wahrscheinlich ähnlich wie Schalke gegen Dortmund oder Bayern gegen 1860. Deswegen ist der FC Bayern in der Wahrnehmung natürlich eine größere Herausforderung! Das war schon immer die Übermacht, der große Verein, den man schlagen wollte, was dann im Verlauf der Jahrzehnte immer schwieriger wurde. Wobei ich mich heute ehrlich schwer damit tue, Bayern zu verteufeln.

Warum?
Das liegt an Typen wie Thomas Müller, Manuel Neuer oder jetzt auch Mats Hummels, die einfach unheimlich sympathisch sind. Die kann man gar nicht nicht mögen! Deswegen spielt eher der Klassenunterschied eine emotionale Rolle. Wenn es gegen die Bayern geht, geht es auch gegen die vermeintlich Übermächtigen. Und denen möchte man natürlich ein Bein stellen.

Früher war das mit der personifizierten Ablehnung einfacher, speziell bei Lothar Matthäus. Viele Eintracht-Fans, auch Sie, lehnen Matthäus bis heute ab, weil seine Fouls die Karrieren der Eintracht Spieler Jürgen Grabowski und Harry Karger beendet haben.

Ja, dazu stehe ich, weil ich weiß, dass Jürgen Grabowski sich am Ende seiner Karriere sehr darüber geärgert hat, dass sich Matthäus nie bei ihm entschuldigt hat. Im Gegenteil: Er hat öffentlich immer zynische Bemerkungen gemacht, Grabowski wäre bestimmt gut versichert und solche Sachen. Das tragen ihm viele Eintracht-Fans nach. Aber er wird‘s verkraften!

 

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