Nach langem Kampf könnte München ein Haus der Satire bekommen mit Bühne, Bibliothek und Bildern – in der Viehbank in der Zenettistraße

Mit sturer Miene trotzt Gerhard Polt den Rufen der Fotografen, zu lächeln: „Der Humorist darf selbst nicht lachen!“ Dann setzt er sich auf das gelbe Sofa neben Reinhard Wittmann, den ehemaligen Leiter des Literaturhauses, um hier - in der ehemaligen Viehbank, gleich neben dem Wirtshaus im Schlachthof – das große Humorprojekt für München voranzubringen.

Micht museal, sondern offen und der Ort ist ideal

Seit 1987 ist es angedacht, seit 2004 konkreter und seit 2010 energisch verfolgt: München war zu lange heimliche Hauptstadt der Satire. Jetzt soll in der Zenettistraße 17 ein Haus der Satire entstehen: nicht museal, sondern ein offenes Forum für Humor und komische Kunst. Für Wittmann, den Vorsitzenden des Forums für Humor und Komische Kunst – ist klar: „Das Gebäude ist mehrfach ideal: In unmittelbarer Nachbarschaft ist ab 2021 das neue Volkstheater und das ohnehin schon kabarettistische Wirtshaus im Schlachthof steht hier schon nebenan.“ Das Grundstück gehört angenehmerweise der Stadt München.

Aus der Metzgerschule werden Austellungsräume, Bühnen, Archiv und Bibliothek

Aber das 100-jährige Backsteinhaus steht seit 20 Jahren überwiegend leer. „Weil es einsturzgefährdet ist! Die Betondecken von 1913 tragen nur noch sich selbst“, sagt Wittmann, worauf Polt ergänzt: „Deshalb sind wir jetzt auch nur kurz hier. Und ich muss eh gleich rüber zu den Kammerspielen.“ Die Viehbank steht auch unter Denkmalschutz und hat Räume mit über fünf Metern Höhe, beherbergte im Erdgeschoss eine Bank, darüber war die Metzgerschule. Wittmann stellt sich auf den zweigeteilten 500 Quadratmetern im Erdgeschoss einen großen Eingangsbereich mit Foyer vor, dann einen Bühnenraum.

Gerhard Polt: Hoffentlich hört beim Geld der Spaß nicht auf 

 Im ersten Stock wären dann Ausstellungen möglich. Die Satiresammler Meisi und Helmut Grill verfügen über eine Sammlung von Zeichnugen großer Satiriker – unter anderen von Tomi Ungerer, Janosch, Dieter Klama, von Murschitz, Haderer, Waechter oder Glück. Das könnte eines der Kernstücke des Forums für Humor und komische Kunst werden. Und im obersten Stock? „Da sind dann Künstlerwohnungen und Ateliers denkbar, wie es die Stadt ohnehin vorhat“, erklärt Wittmann. Wittmann will noch viel mehr als Malerei und Zeichnungen einbinden: Film, Kabarett, Literatur, Musik. „Ja, Humor ist ein Ozean – wie die Liebe – kaum zu fassen“, verliert sich Polt, was Wittmann dazu veranlasst konkret zu werden: „Die geschätzten Umbaukosten liegen bei 16 Millionen Euro. Aber das ist eine Summe, die die Stadt ohnehin für ihr Gebäude aufbringen müsste.“ „Das sind quasi Kosten auch ohne Humor“, meint Polt: „Und hoffentlich hört beim Spaß dieser Summe der Humor nicht auf.“ Das Forum hat bereits mit Hilfe der Mitvorsitzenden Marianne Wille von Dallmayr 800 000 Euro selbst gesammelt: „Damit zeigen wir, dass ein breites bürgerschaftliches Engagement hinter dem Projekt eines Hauses für Humor steht“, sagt Wille. „Wenn wir anbieten, eine Million zur Sanierung beizusteuern, dann muss die Stadt Farbe bekennen, ob sie uns hier reinlassen will!“

Loriot und Dietl hätten Platz

„Alles wäre offen, auch ein Archiv würde angelegt, Forschung ist hier möglich“, begeistert sich Meisi Grill. Und ihr Mann Helmut ergänzt: „Auch andere Sammler würden Sammlungen stiften. Ein Museumsshop wird Spaß und Umsatz machen, eine Bühne für Liveatmosphäre sorgen.“

Ein weiterer Vorteil für die Satire-Stadt München wäre, dass zukünftig im Verbund mit Museen in Hannover, Kassel, Krems, Frankfurt und Straßburg Spitzen-Ausstellungen keinen Bogen mehr um München machen müssten. „Unsere Stadt würde wieder zum Gipfeltreffen der Satire“, meint Meisi Grill, die bis 2004 ihren Bavarica-Laden Etcetera mit Galerieräumen in der Wurzerstraße betrieb.

Loriot, der Meister des geistreich Komischen, erfand 2010 für das Projekt der Grills den Begriff „Komische Pinakothek“. Dass die etablierten Pinakotheken gegen diesen Titel viel Widerstand leisteten, war etwas humorlos. Mittlerweile unterstützt auch Pinakotheken-Generaldirektor Bernhard Maaz das zum Forum erweiterte Projekt. „Und ich bin sicher“, meint Wittmann: „Viele Bürger werden sich für das neue Haus engagieren – ähnlich wie beim Wiederaufbau des Prinzregententheaters.“