Direkt neben dem neuen Volkstheater lässt die Stadt ein Haus verfallen. Hier könnte ein Forum für Humor und Komische Kunst entstehen

Das hypothetische Eröffnungsdatum steht schon fest: 7. Mai 2022. „Dann wird Gerhard Polt 80 Jahre. Bis dahin muss das Forum Humor und komische Kunst geöffnet haben“, sagt Marianne Wille und lacht. Die Ehefrau des Dallmayr-Chefs Wolfgang Wille hat einen ausgeprägten Sinn für Humor und leidenschaftliches Interesse an Kabarett und Karikatur. Gemeinsam mit Reinhard Wittmann, der schon das Literaturhaus in München auf den Weg brachte, kämpft sie nun für ein neues Museum, das ein Kraftwerk für den Humor werden soll.

Es ist ein steiniger Weg, durchaus mit Rückschlägen gepflastert. Aber Marianne Wille konzentriert sich auf das Positive: 280 Mitglieder hat der Förderverein, letztens erst hat Hape Kerkeling einen Scheck geschickt. Eckart von Hirschhausen ist Feuer und Flamme für die Idee, die Münchner Humoristen von Andreas Rebers bis Rudi Hurzlmeier sowieso. Nur die Stadt München will nicht so recht mitziehen.

Gerhard Polt als Co-Inspirator

Wittmann hatte schon mit Gerhart Polt einen Termin beim Oberbürgermeister, der aber kein Karikaturmuseum – die ursprüngliche Idee – finanzieren wollte. Aber Humor ist ein Ozean, unendlich wie die Liebe, wie Polt sagt, der „Co-Inspirator“ des Projekts.

Und daraus ist nun etwas ganz Besonderes, auch Einmaliges entstanden, für das es keine Vorbilder gibt: das Forum Humor und komische Kunst. Wittmann und Wille sprechen von einer geplanten „Erlebniswelt des Humors“, die verschiedenste Aspekte – bis hin zum medizinischen – abdeckt. Lachen, so hat ihnen Eckart von Hirschhausen erklärt, ist schließlich gesund. Vor allem aber haben sie einen fantastischen Ort ausfindig gemacht, den die Stadt als Eigentümer seit Jahren sträflich vernachlässigt. Direkt neben der riesigen Baustelle, wo derzeit das neue Volkstheater entsteht, und direkt gegenüber dem Wirtshaus im Schlachthof steht die alte Viehbank, deren oberste Etage noch bis 2007 als Metzgerschule genutzt wurde.

Ein Museum für 16 Millionen

Die Bank selber ist schon vor über 20 Jahren ausgezogen. Die oberen Etagen des rund 100 Jahre alten Hauses gelten als einsturzgefährdet. Das ganze Haus steht unter Denkmalschutz. Aber wenn man das Erdgeschoss betritt, mit den fünf Meter hohen Decken, dann hat man sofort ein Museum vor Augen. Aus der Sammlung des Münchner Ehepaars Grill, sowie einer versprochenen aus Hannover könnten Teile der Daueraustellung bestückt werden, die im ersten Stock gezeigt werden soll, im unteren Saal wäre Platz für wechselnde Sonderausstellungen.

Wittmann, der zwanzig Jahre lang das Literaturhaus geleitet hat, hat alles genau durchkalkuliert. Denn renovieren muss die Stadt die Viehbank ohnehin, hat aber bisher nicht einmal ein Nutzungskonzept. Die von ihm eingeholte Architektenexpertise geht von rund 16 Millionen Euro aus, mit denen das Gebäude museumsgerecht saniert werden könnte. Dabei würden auch rund 1000 Quadratmeter Atelierfläche für Kreative im obersten Stockwerk und Dachgeschoß entstehen.

Wittmann stellt sich eine Finanzierung vor, wie sie auch beim Literaturhaus zum Erfolg wurde: Die Stadt übernimmt von den Renovierungskosten 12 Millionen und bleibt Eigentümer, die Stiftung steuert aus Spenden und weiteren Zuwendungen 4 Millionen bei, also ein Viertel. Die Stiftung Forum Humor und Komische Kunst betreibt dann das Haus und käme – Wittmanns Kalkulation zufolge – mit rund 600 000 Euro jährlichem Zuschuss aus. Die möglichen Einnahmen durch Vermietungen und Ticketverkauf beziffert er auf mindestens 800 000 Euro.

Der Kulturreferent hat Humor

Dass komische Kunst publikumsträchtig ist, weiß Wittmann aus seinen Literaturhauszeiten. Zur Loriot-Ausstellung im deutlich kleineren Ausstellungsraum im Literaturhaus kamen beispielsweise innerhalb von drei Monaten 40 000 Zuschauer.

Bislang haben nur die Grünen und die FDP im Münchner Rathaus einen Antrag für das Projekt gestellt, auch die CSU steht dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. Aber die SPD ist noch skeptisch. Und Kulturreferent Hans-Georg Küppers wird sich das Projekt in seinem letzten Amtsjahr wohl nicht mehr auf die Fahne schreiben, sagt Wittmann und schüttelt den Kopf: „Dabei ist er der erste Kulturreferent, den ich kennengelernt habe, der Humor hat.“ Marianne Wille und Reinhard Wittmann sind dennoch vom Erfolg ihrer Mission überzeugt. Rund eine Million Euro haben sie als Spenden von Münchner Bürgern für das Forum bislang gesammelt, was in München übrigens für kein anderes Kulturprojekt in der Vorphase erreicht worden sein soll, wie Wille sagt. Sie ist absolut sicher, noch deutlich mehr zu bekommen, wenn es denn einen offiziellen Startschuss von der Stadt geben würde.

So aber mischt sich in alle die Euphorie auch Unverständnis. Denn während das Umbaubudget für den Gasteig mal schnell um 200 Millionen Euro erhöht wurde, schreckt die Stadt beim Forum Humor vor relativ geringem Risiko zurück. „Man kann einen Nutzungsvertrag ja auch nur über 25 Jahre ausstellen“, sagt Marianne Wille, auch wenn sie felsenfest vom dauerhaften Erfolg ausgeht. Und Reinhard Wittmann versteht die Stadt auch aus einem anderen Aspekt nicht: „Man kann doch nicht in drei Jahren hier ein neues Theater eröffnen und direkt daneben so eine Immobile ungenutzt verfallen lassen.“


Was muss das Museum können?

Das Forum Humor und Komische Kunst lädt zu einem Gespräch über neue Museumskonzepte. Architekt Stefan Iglhaut aus Berlin, wird über „das Museum als Lernort, Mitmachprojekt, hyperaktive Kultureinrichtung“ referieren: Werkraum Knauss, Klenzestrasse 67, Di,, 31. Juli 19.30 Uhr. Mehr Information über das Forum Humor unter www.forum-humor.de