Forschungsergebnisse So verbreiten sich Bakterien in der U-Bahn

Fahrgäste in der Münchner U-Bahn. Foto: Imago

Forscher haben in Hongkong untersucht, welche Keime Fahrgäste morgens und abends an den Händen haben. Die Ergebnisse sind auch für Deutschland interessant. 

 

Berlin - Bakterien und Keime – sie lauern überall. Daheim, im Büro und auch auf dem Weg dorthin. Nicht alle sind schlecht, einige schützen unsere Haut sogar vor anderen gefährlichen Erregern.

Aber welchen Keimen sind wir wirklich ausgesetzt, wenn wir morgens in die U-Bahn steigen oder abends nach Hause fahren? Und wie verteilen sie sich im Laufe des Tages in den Zügen?

Forscher haben das jetzt in Hongkong getestet. Das mag zwar weit weg sein, aber deutsche Experten wie zum Beispiel auch Ernst Tabori vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene glauben, dass die Untersuchung im Prinzip durchaus auf Ballungsräume in Deutschland übertragbar ist.

Täglich fahren 4,7 Millionen Menschen in Hongkong mit der U-Bahn hin und her. Zum Vergleich: Der Münchner MVV befördert täglich 1,96 Millionen Menschen, das macht im Jahr 716 Millionen Fahrgäste, wie aus der Bilanz für 2017 hervorgeht.

Die meisten Keime sind ganz gewöhnliche Begleiter des Menschen

Aber zurück nach Hongkong: Auch die Testpersonen sind für das Team von Gianni Panagiotou mehrmals morgens und abends jeweils 30 Minuten mit verschiedenen Linien unterwegs gewesen. Dabei sollten sie die Haltegriffe und -stangen in den Bahnen anfassen – die Gegenstände, die wohl am häufigsten von Fahrgästen berührt werden. Danach wurden ihre Hände analysiert. Die Frage: Welche Mikroorganismen haben es sich in der Zwischenzeit darauf bequem gemacht?

Die Ergebnisse wurden nun im Fachblatt "Cell Reports" veröffentlicht. Die meisten Keime waren demnach solche, die ganz gewöhnliche Bewohner der menschlichen Haut sind. In der Zusammenfassung der Studie heißt es: Von den zehn meist gefundenen Organismen gehörten acht zu normalen Begleitern des Menschen. Auch Pilze und Bakteriophagen (Viren) waren dabei, doch seltener als angenommen, wie sowohl der "Spiegel" als auch die "Welt" berichten.

Bis zum Abend haben sich die Keime auf den Linien vermischt

Die meisten Funde gehören dem Fachblatt-Bericht zufolge zu vier Bakterienstämmen: 51,3 Prozent gehörten zur Gruppe der weit verbreiteten Actinobacteria (darunter zu 29 Prozent der Hautkeim Propionibacterium acnes), 26,6 Prozent waren Proteobacteria, 11,4 Prozent Firmicutes und 2,3 Prozent Bacteroidetes.

Eine entscheidende Erkenntnis der Untersuchung: Laut den Forschern hatte jede Linie morgens noch ihre eigene, spezifische Zusammensetzung an Bakterien. Es habe sich nachvollziehen lassen, mit welcher Bahn die jeweilige Testperson zunächst gefahren war. "Morgens hat jede Linie ihre eigenen mikrobiellen Eigenheiten, die während des Berufsverkehrs die Gegenden entlang der Strecke widerspiegeln", sagt Studienleiter Panagiotou.

Am Abend hatte sich der Mix dann im ganzen U-Bahn-System verteilt. "Wenn fünf Millionen Menschen pro Tag die U-Bahn nutzen, müssten wir den Abdruck der ganzen Stadt finden", sagt Panagiotou laut einer Mitteilung. Das trifft auch auf Bakterien zu, die gegen Antibiotika resistent sind. Studienleiter Panagiotou sagt: "Morgens fanden wir antibiotikaresistente Bakterien in nur wenigen Linien, abends konnten wir sie in allen nachweisen."

 

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