Formel 1 Vettel-Drama im Korea-Regen

Sebastian Vettel hatte den Sieg schon vor Augen, als das bittere Aus kam. Foto: dpa

Yeongam - Im irren Regen-Chaos von Südkorea sind Sebastian Vettels Hoffnungen auf die erste WM-Führung seiner Formel-1-Karriere buchstäblich zerplatzt. Der Traum vom Titel hat sich für den 23-Jährigen auf eine Mini-Chance reduziert.

 

Ein kapitaler Motorschaden stoppte den 45Runden lang führenden Red-Bull-Piloten am Sonntag auf dem Weg zumscheinbar sicheren Sieg bei der dramatischen Premiere in Yeongam. Der23-Jährige stürzte auf WM-Platz vier ab und muss im Titelkampf nunauf ein kleines Wunder hoffen. Weil auch Vettels Teamkollege MarkWebber nach einem Crash mit Nico Rosberg ausfiel, eroberte Ferrari-Star Fernando Alonso mit seinem fünften Sieg des Jahres zwei Rennenvor Saisonende die WM-Führung. „Avanti“, brüllte der Spanier viaBoxenfunk und lachte schallend.

Zweiter beim Südkorea-Spektakel mit einer 49-minütigen Renn-Unterbrechung und vier Safety-Car-Phasen wurde Lewis Hamilton imMcLaren-Mercedes. Auf Rang drei kam Felipe Massa im zweiten Ferrariins Ziel, als Vierter bewies Mercedes-Pilot Michael Schumacher wiedereinmal sein Können im Regen. Nick Heidfeld sammelte im Sauber alsNeunter zwei Punkte, auch Nico Hülkenberg ergatterte als Zehnter imWilliams noch einen Zähler. Nicht ins Ziel kamen neben Vettel undRosberg auch Adrian Sutil und Timo Glock.

In der WM hat Alonso nun 231 Punkte auf dem Konto und damit satteelf Zähler Vorsprung vor Webber (220). Vettel rutschte mit weiterhin206 Punkten auf Rang vier hinter Hamilton (210) und hat damit nurnoch eine Mini-Chance auf den Titel als jüngster Champion der Formel-1-Geschichte.

Von Beginn an entwickelte sich das Debüt in Südkorea zumdenkwürdigen Abenteuer. Zum ersten Mal in dieser Saison musste dasFeld hinter dem Safety-Car starten. Seit dem Vorabend hatte es inYeongam geregnet, die Strecke war pitschnass. Mit zehn MinutenVerzögerung rollte das von Vettel angeführte Feld los, doch dieUmstände waren irregulär. „Das sind die schlimmsten Bedingungen,unter denen ich je gefahren bin. Es ist völlig unmöglich“, meldeteAlonso. Nach drei Runden brachen die Renn-Kommissare den erstenVersuch ab und beorderten die Piloten zurück in die Startaufstellung.

Auf der brandneuen Strecke, die erst wenige Tage vor dem GrandPrix fertiggeworden war, konnte das Wasser offenbar nicht gut genugablaufen. An den Vortagen war es trocken und sonnig gewesen, dasProblem fiel daher erst am Sonntag auf. „Es ist einfach zugefährlich“, befand Rekord-Weltmeister Michael Schumacher.

Die Streckenbetreiber versuchten, mit allen Mitteln die Fahrbahnvom Wasser zu befreien. Kehrmaschinen fuhren umher, Streckenpostengriffen zum Besen. Nach 49-minütiger Unterbrechung ging es zumzweiten Mal hinter dem Safety-Car los. Nach und nach fuhren diePiloten die Ideallinie etwas trockener. Nach 13 weiteren Rundenhinter dem Safety-Car gaben die Kommissare das Rennen frei.

Ganz stark kamen die beiden Mercedes-Fahrer weg. Schumacherüberholte Robert Kubica im Renault, Rosberg drückte sich an Hamiltonvorbei. Dann der erste Paukenschlag: Webber verlor in der 19. Rundedie Kontrolle über seinen Boliden, drehte sich und krachte inRosbergs Silberpfeil. „Das war ganz allein mein Fehler“, gestand der34-Jährige. „Er rollte immer weiter, und dann war Ende. Echt eineKatastrophe, das ist schade“, sagte der Deutsche. Für beide war derGrand Prix beendet. Frustriert stapfte Webber zurück zur Box, dasSafety-Car musste wieder für vier Runden auf die Piste.

Vettel aber blieb cool und setzte sich zunehmend von VerfolgerAlonso ab. Dahinter zahlte sich für Schumacher die in der Zwangspauseveränderte Fahrzeug-Abstimmung aus. In Runde 27 zog der 41-Jährige anTitelverteidiger Button vorbei. Dann der nächste Crash: Toro-Rosso-Pilot Sebastien Buemi verschätzte sich bei einem Überholversuch gegenTimo Glock und berührte den Virgin des Wersauers.

Wieder kam das Safety-Car. Vettel konnte nach einem Umlauf geradenoch die Chance zum Boxenstopp nutzen und blieb Erster. AlonsosMechaniker-Crew dagegen patzte, Hamilton schnappte sich Rang zwei.Doch als das Safety-Car die Strecke wieder verließ, verbremste sichder Brite und der Scuderia-Star kam wieder vorbei.

Nun sah alles nach einem sicheren Sieg für Vettel aus. Doch in der46. Runde wurde der Führende plötzlich langsamer. Alonso zogspielerisch vorbei. Dann begann Vettels Motor zu qualmen, Funkenschlugen, er rollte aus. Statt als erster Deutscher seit MichaelSchumacher vor vier Jahren und 17 Tagen wieder an die WM-Spitze zuklettern, sind seine Titelhoffnungen auf ein Minimum gesunken.

So war der Weg frei für Alonso, der nach 55 Runden auf dem 5,621Kilometer langen Kurs und 2:48:20,810 Stunden jubelnd als Erster dieZiellinie überquerte. Dem Ferrari-Mann winkt damit Titel Nummer drei. (dpa)

 

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