Formel 1 Schumi: Der Boss unter den Sternfahrern

Er zog verständlicherweise die meisten Kameraobjektive auf sich: Michael Schumacher bei seiner Ankunft an der Rennstrecke in Bahrain. Foto: AP

Schumachers erster Auftritt als Rennfahrer bei einem Grand Prix seit 1239 Tagen macht deutlich:Der Mann ist ein Naturereignis. Er fordert Respekt von den Kollegen und strahlt Aggressivität aus.

 

MANAMA Das Tageslicht brennt unbarmherzig auf den Glaspalast am Stadtrand von Manama nieder. Drinnen warten 300 Gäste auf ein Spektakel. Solch einen Andrang wünscht sich der bahrainische General-Importeur der Sternmarke öfter, aber es braucht schon ein besonderes Ereignis, um Aufmärsche wie diesen zu bewältigen. Ein Naturereignis: Michael Schumacher.

Der 41-jährige Grand-Prix-Rückkehrer ist zurück auf der Bühne, erstmals seit 2006 wieder an einer Rennstrecke, um ein Rennen zu fahren (Bahrain-GP, Sonntag, 13 Uhr, RTL). 1239 Tage Abwesenheit haben wenig geändert. Zwar gilt es hier, das Mercedes-Team zu begrüßen, also auch Pilot Nico Rosberg und Mercedes-Sportchef Norbert Haug, doch Schumacher beherrscht die Szene.

Erst kommt er zu spät, weil sein Privatflieger angeblich Verspätung hatte. Dann tritt er als Erster ins Rampenlicht, als ob die anderen Luft wären. Er setzt sich in die Mitte, zwischen Norbert Haug und Nico Rosberg. Das erste Wort gebührt selbstverständlich auch dem 91-maligen Rennsieger.

„Bei unserer Teampräsentation habe ich gesagt, dass ich mich fühle wie ein 12-jähriger Junge. Seitdem bin ich ein bisschen älter geworden, aber nicht viel“, erzählt er. Schnell wird klar, was ihn interessiert. Seine Jäger zum Beispiel. „Ich weiß noch genau, wie ich in die Formel 1 kam, und Stars wie Ayrton Senna und Alain Prost bewegten sich jenseits dessen, was ich je zu erreichen dachte. Aber dann fährt man und spürt, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und geht seinen Weg. Ich glaube, das Gleiche denken die jungen Fahrer jetzt von mir. Hauptsache, der gegenseitige Respekt ist da.“

Nebenbei stellt er lächelnd klar, dass es wenig Sinn für seine Verfolger machen würde, ihm richtig an die Karre zu fahren: „Dann stellt eventuell einer fest, dass der andere das gleiche will. Und dann macht man sich eventuell Teile am Auto kaputt und das Rennen. Das wäre ja sinnlos." Nachgeben wird er also sicher nicht. „Ich genieße es, im Auto zu sitzen und gegen die Leute auf der Strecke zu kämpfen. Das habe ich vermisst.“

Rosberg sitzt etwas verloren daneben. Fragen aus der Menge quittiert er mehrfach mit einem fragenden Blick zu Schumi, er formuliert ein verblüffend defensives Ziel: „Ich will in erster Linie mit ihm zusammen arbeiten, das Team und das Auto weiterbringen, und auf Augenhöhe mit Michael fahren, sicher ihn schlagen, so oft es geht.“

Rosberg sitzt mit dem Oberkörper leicht abgewandt vom ewigen Weltmeister, an dessen Seite, baut eine Kluft auf. Er wendet sich Schumi nur dann zu, wenn der ihn anspricht. Die Verspannung ist klar auf Rosbergs Seite.

Er hat am Rande verraten, dass Schumis Wunsch nach der Startnummer 3 die Boxenaufteilung bei Mercedes durcheinander gebracht hat. „Da herrscht noch ein wenig Chaos bei uns", räumt er verschämt ein. „Aber Michael wollte die 3, er ist eben abergläubisch." Vor allem ist er: der Boss.

Peter Hesseler

 

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