Formel 1 Nick Heidfeld: „Beruhigend für Michael“

Der Silberpfeil ist Nick Heidfelds Dienstauto – sollten Schumacher oder Rosberg ausfallen. GES/Augenklick Foto: az

Hinter Schumacher und Rosberg ist Heidfeld die Nummer drei bei Mercedes. Hier erklärt er, wie die Zusammenarbeit der beiden funktioniert.

 

AZ: Am Wochenende steht für Michael Schumacher in Melbourne sein zweites Rennen in seiner neuen Karriere bei Mercedes Grand Prix an. Herr Heidfeld, wie beurteilen Sie als Silberpfeil-Ersatzfahrer seine Rückkehr aus nächster Nähe?

NICK HEIDFELD: Michael hat sich beim ersten Rennen in Bahrain sehr gut aus der Affäre gezogen (Schumacher wurde Sechster, die Red.). Wer geglaubt hat, über dreieinhalb Jahre wären spurlos an ihm vorbei gegangen, musste falsch liegen. Michael hat aber einen guten Anfang hingelegt. Vor allem hat er jetzt einige Unsicherheiten hinter sich gelassen, die sich bei den Tests aufgebaut hatten. Man weiß dabei ja nie genau, wo man steht, selbst wenn man in der Vorsaison voll gefahren ist. Jetzt aber ist Michael wieder drin und fährt in etwa auf dem Niveau seines Teamkollegen Nico Rosberg. Bei den Testfahrten konnte das noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Das muss und wird beruhigend für Michael sein und ihm in Melbourne sicher helfen, sich zu steigern.

Schumachers Hauptproblem ist es derzeit, auf neuen Reifen eine schnelle Runde aus dem Hut zu zaubern, was besonders in der Qualifikation gefordert ist und früher eine Stärke von ihm war.

Das mag manchen überraschen, weil man denkt, ein siebenmaliger Weltmeister kriegt alles hin. Aber es ist auch für geübte Fahrer, die nicht pausiert haben, sehr schwierig mit diesen neuen Reifen, weil die vorne so wenig Haftung bieten. Michael hat sich schon während des Bahrain-Wochenendes gesteigert, und er wird sich weiter steigern. Diese Feinheiten sind Trainingssache. Wie weit das mit Fahrzeugänderungen zu unterstützen ist, ist schwer zu sagen.

Sie haben Schumacher und Rosberg jetzt schon mehrere Wochen lang und bei Tests sowie bei einem Rennen über die Schulter geschaut. Spürt man Schumachers immensen Erfahrungsschatz bei der Abstimmungsarbeit mit den Technikern?

Schumacher und Rosberg verstehen sich gut. Aber wie weit sie das Auto gemeinsam weiterbringen, ist schwer zu sagen. McLaren hat 2009 anfangs hinten gelegen und hatte in der zweiten Saisonhälfte das beste Auto. Man kann also das Auto auch ohne Streckentests weiter entwickeln. Inwieweit es möglich ist, dies für beide Fahrer gleichermaßen hinzukriegen, also ohne dass einer der beiden einen Nachteil dadurch hat, ist kaum zu sagen. Aus meiner Erfahrung ist das aber möglich: Wenn ich ein Auto bei Testfahrten durch eine Abstimmungsänderung schneller gemacht habe, hat mein jeweiliger Teamkollege meistens davon profitiert. Und umgekehrt auch.

Wie geht Schumacher teamintern vor? Hat er den Ingenieuren wirklich viel mehr zu bieten als Sie mit Ihren zehn Jahren Erfahrung oder Rosberg mit fast fünf?

Es ist nicht entscheidend, ob man fünf, zehn oder 15 Jahre lang Formel 1 fährt. Ich kann nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es ist sehr interessant, Michael dabei zu beobachten, wie er seinen Beitrag dazu leistet, zusammen mit den Ingenieuren das Auto weiterzuentwickeln.

Wird er je wieder dominieren wie einst?

Kein Mensch kann vorhersagen, ob er so gut wird wie früher – oder besser.

Wie ist es mit Ihnen: Sie würden gerne so schnell Stammfahrer wie möglich werden?

Ja sicher, und auch wenn das seltsam klingt: Ich möchte das, ohne von einem Unfall oder der Krankheit eines unserer Stammfahrer zu profitieren.

Interview: Peter Hesseler

 

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